Rhein-Pfalz Kreis Vor Ort, wenn’s brennt

Speyer. Die Fernsehbilder von der Gasexplosion in Harthausen in den Morgenstunden des 28. September 2013 stammen von einem Speyerer: Marco Hanna. „Die Splitter einer Glastür, die von der Explosion weggeflogen ist, steckten überall in meiner Jacke“, berichtet der Videojournalist, der die Arbeiten der Feuerwehr auf dem Firmengelände drehte. Später gingen seine Bilder nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Niederlanden, USA und sogar in Ägypten über die Sender.
Marco Hanna hat einen gefährlichen Job. Mit seiner über 18.000 Euro teuren Kamera ist der 47-Jährige überall dort zu finden, wo in der Region etwas Schlimmes passiert ist: bei schweren Unfällen, Bränden, Geiselnahmen, Mord. Bis nach Rheinhessen, in die Westpfalz und ins angrenzende Baden-Württemberg fährt er, bei Tag und Nacht, um zu filmen. Seit fast 20 Jahren ist Hanna Videojournalist. 1992 kam er nach einer Zeit in Griechenland nach Speyer. „Man schläft nie, man muss Tag und Nacht bereit sein“, beschreibt er sein Leben. „Es ist eine Sucht“, bekennt der Kameramann mit griechischer Mutter und ägyptischem Vater, der einst beim ägyptischen Fernsehen seinen Job erlernte. Eine Sucht, bei der es nicht in erster Linie ums Geld gehe, sondern „um den Adrenalinschub und die Suche nach der Geschichte“. Als Paparazzo auf der Jagd nach Promis könnte er wesentlich mehr verdienen, erzählt Hanna. Doch diesen Job habe er nur ein einziges Mal gemacht, als er im Auftrag des Fernsehsenders RTL den Schauspieler Heiner Lauterbach in seinem Anwesen am Starnberger See belagerte, um den Boulevardmagazinen Bilder von Lauterbachs Trennung von Jenny Elvers zu liefern. Hanna kletterte auf einen Baum und wartete. Dabei habe er schnell gemerkt: „Das ist nicht meine Arbeit, ich will kein Spion sein.“ Hanna versteht sich als ernstzunehmender Journalist. „Die Öffentlichkeit hat das Recht zu wissen, was passiert, und wir sind deren Augen“, sagt er. So müsse ein Journalist sein, um die ersten und besten Bilder zu bekommen. So wie kürzlich bei dem Brand einer Folienfabrik in Bad Dürkheim. Es gebe für ihn nichts Schlimmeres, als von einem Ereignis keine Bilder liefern zu können. „Ich habe immer Angst, etwas zu versäumen“, gesteht er. Dass manche seine Arbeit hart an der Grenze zur Sensationsgier ansiedeln, will er so nicht stehenlassen: Für ihn stehe das Recht der Öffentlichkeit auf Information an erster Stelle. Aus Krisenherden und vom Kriegsgeschehen zu berichten, „das ist auch nichts anderes“, findet er. Dennoch gebe es für ihn Grenzen: „Auf meinen Aufnahmen sehen Sie kein Blut, keine Schwerverletzten oder Toten.“ Sein Hauptkunde sei seit vielen Jahren der Südwestrundfunk, aber auch private Fernsehsender wie RTL, Sat 1 oder N24. Auch bei der Videoplattform Youtube im Internet sind viele seiner Beiträge zu sehen – eine weitere, kleinere Einnahmequelle. Doch inzwischen rentiere es sich nicht mehr so, klagt Hanna und nennt dafür mehrere Gründe. Jeder könne heute mit Smartphone oder Tablet-PC Filmbilder von Katastrophen und Unfällen liefern. Zweitens hätten viele Sender fusioniert und zahlten nur noch einmal für seine Beiträge. Und vor allem sei es seit der Einführung des Digitalfunks wesentlich schwieriger geworden, an Informationen über Polizeieinsätze zu kommen. Den Polizeifunk abzuhören, sei heute nicht mehr möglich. So ist Hanna davon abhängig, dass ihn die Beamten per SMS über größere Einsätze informieren. Doch während die Zusammenarbeit mit der Polizei in Baden-Württemberg gut funktioniere, sei es mit den Ordnungshütern in Rheinland-Pfalz schwieriger. Die Solidarität unter Kollegen sei aber groß, und man informiere sich gegenseitig über Geschehnisse. Tag und Nacht unterwegs – nicht jede Familie macht das mit. Nach dem Scheitern einer 14-jährigen Ehe sei er jetzt wieder in einer Beziehung, sagt der Vater von drei Kindern. Und manchmal werde seine Arbeit auch gewürdigt: Nach seinem gefährlichen Einsatz in Harthausen habe er einen Dankesbrief von der SWR-Redaktion bekommen. Darin stehe: „Wir sind froh, dass Sie vor Ort sind.“