VG Römerberg-Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Vor der Wahl: Dauerläufer mit Startschwierigkeiten

Hier gefällt’s ihm: Matthias Hoffmann vor dem neu gestalteten Zehnthaus in Berghausen.
Hier gefällt’s ihm: Matthias Hoffmann vor dem neu gestalteten Zehnthaus in Berghausen.

Wenn Matthias Hoffmann irgendwann auf sein politisches Leben zurückblickt, dann wird er das Jahr 2021 wahrscheinlich am liebsten aus seinem Gedächtnis streichen wollen. Ganz anders könnte es mit 2022 aussehen – zumindest dann, wenn er die anstehende Wahl zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen gewinnen sollte.

Klar, die Corona-Pandemie hat im vergangenen Jahr allen zu schaffen gemacht. Für Matthias Hoffmann hat sie viel von dem weggenommen, was er an seinem Amt als Römerberger Ortsbürgermeister zuvor geschätzt hat, nämlich den persönlichen Kontakt und Austausch mit den Bürgern. Dann kam der Sommer mit dem verheerenden Unwetter über Mechtersheim und in der Folge Hoffmanns folgenschwere Entscheidung, als Schutz vor Starkregen einen Wall errichten zu lassen, der – wie man mittlerweile weiß – nicht nur von zweifelhafter Standfestigkeit ist, sondern auch zum großen Teil auf Privatgelände steht. Und zu allem Überfluss traf den Römerberger mit dem Tod seiner Mutter noch ein privater Schicksalsschlag.

Es lässt sich also mit Fug und Recht behaupten, dass es 2022 nur bergauf gehen kann für Matthias Hoffmann. Er ist jedenfalls entschlossen, den Blick nach vorne zu richten. Die Wahl des Mechtersheimers zum Verbandsbürgermeister würde natürlich all jene Lügen strafen, die in Anbetracht der Wall-Affäre der Meinung sind, Hoffmann sei für das Amt ungeeignet. Dass der 58-Jährige das selbst ganz anders sieht, daran lässt er keinen Zweifel: Gerade das vergangene Jahr habe ihn viel gelehrt, sagt er.

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„Zuhören und Anpacken“

Als Hauptgrund weshalb er für das Amt des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde kandidiert, nennt er die wichtige Rolle, die dieser auch für die Ortsgemeinden spielt – zum Beispiel in der Kommunikation mit der Straßenbaubehörde LBM. Das habe er in seiner Zeit als Ortsbürgermeister immer wieder festgestellt. Als Bürgermeister der VG würde er außerdem alles dafür tun, die Personalsituation der Verwaltung zu verbessern und so dafür zu sorgen, dass die so oft beklagte stockende Umsetzung geplanter Projekte in den Ortsgemeinden schneller vorankommt. „Zuhören und Anpacken“ hat Hoffmann als sein Motto gewählt – nachdem „Verstehen und Handeln“ als „zu akademisch“ verworfen worden sei.

Dass er selbst nicht aus der Verwaltung kommt, sondern 40 Jahre bei der BASF in der Pflanzenschutzforschung im Agrarzentrum Limburgerhof tätig war, sieht Hoffmann mehr als Vor-, denn als Nachteil. „Ich habe vielleicht einen anderen Blick auf die Strukturen“, sagt er. Diese glaubt er nach zahllosen Gesprächen mit Verwaltungsmitarbeitern mittlerweile gut zu verstehen. Und er hält sie für optimierbar. „Synergistische Effekte“ – dieser Ausdruck fällt im Gespräch mehrfach – hält Hoffmann für möglich. „Da ist noch Luft nach oben“, sagt er.

Den Job aufgegeben

Seinen Job bei der BASF hat Hoffmann schon Ende 2020 aufgegeben, weil das Amt des Römerberger Ortsbürgermeisters so viel Zeit in Anspruch nahm. Wie will er im Falle seiner Wahl zwei Bürgermeisterämter unter einen Hut bringen? „Bei Manfred Scharfenberger war das ja auch der Fall. Das ist schon machbar. Es gibt vieles, was sich in den Abläufen überdeckt“, sagt Hoffmann. Für die tägliche Arbeit sieht er sogar „große Vorteile“.

Klar ist für den gebürtigen Mannheimer, der seit mehr als 30 Jahren mit seiner Frau in Römerberg lebt und drei erwachsene Kinder hat: „Das Amt des Römerberger Ortsbürgermeisters würde ein sehr wichtiger Teil bleiben, mit klaren Zeiten, an denen ich vor Ort präsent bin.“ Andererseits sollen auch die übrigen Ortsgemeinden nicht zu kurz kommen. Auch wenn viele Römerberger noch dem Verlust der Eigenständigkeit nachtrauern, wäre der Mechtersheimer durchaus bereit, weitere Kompetenzen an die Verbandsgemeinde abzugeben, zum Beispiel die Trägerschaft der Grundschulen. Hoffmann ist überzeugt, dass sich so vieles effizienter und kostengünstiger organisieren lässt, wovon auch die finanzschwächeren Orte profitieren würden. Da sind sie also wieder, die „synergistischen Effekte“.

Das Thema Digitalisierung hat der 58-Jährige verinnerlicht. Ob im RHEINPFALZ-Gespräch oder in Sitzungen, fast immer hat Matthias Hoffmann sein Tablet parat, um bei Bedarf schnell etwas recherchieren zu können. Auch in seinem Wahlkampf will er Online-Termine einstreuen. Und in sozialen Netzwerken meldet er sich ohnehin oft zu Wort, wenn es um Römerberg geht.

Sich Zeit zu nehmen für die Bürger, ihre Probleme zu lösen, das ist Hoffmann wichtig. Auch deshalb ist die harte Kritik wegen des Mechtersheimer Walls nicht spurlos an dem Grünen vorübergegangen. Er betont, dass er damals niemanden übergehen wollte und nur das Beste für die Bürger im Sinn hatte. „Ich bin eigentlich ein Mensch, der Harmonie mag. Es tut mir weh, wenn alle auf Konflikt gebürstet sind“, sagt er. Trotz der nicht optimalen Ausgangssituation gibt sich Hoffmann kämpferisch: „Wahlkampf ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf“, betont er.

Politische Vita

Seit 22 Jahren ist Matthias Hoffmann für die Grünen in der Kommunalpolitik aktiv, davon 15 Jahre im Gemeinderat und seit 2014 auch im Verbandsgemeinderat. 2019 ist er zum ehrenamtlichen Ortsbürgermeister gewählt worden. 2014 hatte er sich gegen Manfred Scharfenberger (CDU) schon einmal – damals noch erfolglos – um das Amt des Ortsbürgermeisters beworben.

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