Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Von Putin-Anhängern bedroht

Gegen Putin, für die Ukraine: Diese Einstellung teilen in Deutschland nicht alle.
Gegen Putin, für die Ukraine: Diese Einstellung teilen in Deutschland nicht alle.

Wer aus der Ukraine nach Deutschland flieht, der mag dem Krieg entkommen sein. Anfeindungen, sogar Bedrohungen oder gar Schlimmeres können Ukrainer aber auch hierzulande erleben. Denn es gibt auch in Deutschland Anhänger des russischen Präsidenten Putin, die in Menschen aus der Ukraine ihre Feinde sehen. Auch in Speyer und im Umland gab es schon Vorfälle.

Paul Neumann, Osteuropa-Kenner aus Römerberg, der viele ukrainische Flüchtlinge unterstützt und ihnen als Übersetzer hilft, ist es wichtig, das Thema öffentlich zu machen. Denn es ist seiner Ansicht nach zu wenig bekannt und Neumann sorgt sich konkret um eine Gruppe ukrainischer Kinder und Jugendlicher aus dem Speyerer Umland, die jüngst in Speyer von Altersgenossen bedroht worden seien. Einer, der die Realschule plus in Dudenhofen besuche, habe einen Mitschüler mit russischen Wurzeln, der bereits in der Vergangenheit durch Parolen der Sorte „Hoch lebe Putin“ oder „Nieder mit der Ukraine“ aufgefallen sei. Die Lehrer seien machtlos, könnten die auf russisch gesagten Dinge auch nicht verstehen. Der Junge sei oft von anderen Jugendlichen von der Schule abgeholt worden. Diese hätten den Ukrainer beschuldigt, den russischstämmigen Jugendlichen zu belästigen, sagt Neumann. Seitdem habe es mehrere Vorfälle bei zufälligen Treffen zwischen der ukrainischen und der russischstämmigen Gruppe in Speyer gegeben.

Um Ostern sei es dann zu zwei Vorfällen – davon einmal auf der Frühjahrsmesse – gekommen, wegen denen der Römerberger mit den ukrainischen Jugendlichen zur Polizei gegangen ist. Es habe Schubsereien gegeben, einmal habe einer aus der russischstämmigen Gruppe angedeutet, ein Messer aus der Tasche zu ziehen und gedroht zuzustechen. Bei der Polizei sei die Sache aufgenommen worden, aber mit der Begründung, dass der zuständige Sachbearbeiter in Urlaub war, sei nichts geschehen, berichtet Neumann rund eine Woche nach den Vorfällen. Er sorgt sich um die Sicherheit der ukrainischen Kinder und Jugendlichen.

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Die Polizei sagt zu dem Sachverhalt auf RHEINPFALZ-Anfrage Folgendes: Am 31. März gegen 18.50 Uhr seien drei junge Ukrainer im Alter zwischen von 13 und 15 Jahren bei der Polizei in Speyer erschienen und hätten gemeldet, dass sie bedroht worden seien. Nach Angaben der Jugendlichen seien diese mit dem Bus an den Postplatz nach Speyer gefahren und dort gegen 17.20 Uhr ausgestiegen. Dort seien sie auf mehrere Mitschüler getroffen, darunter einen 14-jährigen Deutschen, mit dem es in der Vergangenheit wiederholt zu Streitigkeiten gekommen war. Begleitet wurde dieser von einem 15-jährigen Deutschen, der auch die kasachische Staatsangehörigkeit trägt. In der Bahnhofstraße sei es zu einem Streitgespräch zwischen den beiden und den Ukrainern gekommen, in dessen Verlauf der 15-Jährige die Gruppe bedroht habe. „Im Rahmen der andauernden Ermittlungen werden nun Zeugen und der Beschuldigte zu der Sache und nicht zuletzt hinsichtlich des Motivs angehört“, teilt die Polizei mit. Bei den Ermittlungen hätten sich bislang „keinerlei Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Tat und den Staatsangehörigkeiten der Verfahrensbeteiligten“ ergeben.

Besorgte Eltern

Christian Wallner, der Leiter der Dudenhofener Realschule plus, bestätigt, dass es in der Vergangenheit zu Konflikten kam, bei denen ukrainische Schüler, von denen es 22 an seiner Schule gibt, beteiligt waren. Allerdings hätten die Vorfälle außerhalb des Schulgeländes stattgefunden. Die Probleme habe zudem der Jugendliche verursacht, der den russischstämmigen Schüler abgeholt habe, nicht der Dudenhofener Realschüler selbst. „Das ist kein schlimmer Schüler“, nimmt Wallner diesen in Schutz. Er bestätigt, dass sich die Mütter von zwei ukrainischen Schülern wegen der Bedrohungen gemeldet haben und ihre Kinder deshalb kurzzeitig nicht zur Schule schickten. „Da sind bei mir natürlich die Alarmglocken angegangen“, sagt Wallner. Er habe sich den russischstämmigen Jungen „zur Brust“ genommen und Konsequenzen angedroht, wenn dessen Kumpel noch einmal an die Dudenhofener Realschule käme. Er glaubt, mit seiner Ansage bei dem Jugendlichen durchgekommen zu sein.

Mit den Eltern der betroffenen Ukrainer habe es ein Gespräch gegeben, die Jugendlichen kommen seitdem wieder zur Schule. Ansonsten gebe es an seiner Schule „keinerlei Gewaltproblem“ ist Wallner überzeugt. Das Zusammenleben an der Schule sei auch nicht durch den Krieg zwischen Russland und der Ukraine belastet.

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