Rhein-Pfalz Kreis Von herrschaftlich bis gruselig

Placeholder-Image

Rotweiße Fahnen mit dem dreizackigen Fischerspieß leuchteten über den geschmückten Straßen, das ganze Dorf war auf den Beinen. So präsentierte sich Gerolsheim am Kerwesonntag. Mit 45 Zugnummern zählte der Kerweumzug zu den umfangreichsten in der Region.

Zahlreiche Hoheiten gaben sich die Ehre: Neben der Weingräfin des Leiningerlandes, Sophie I. aus Sausenheim, und Miss Strohhut Sandra Jäger (Frankenthal) war auch die Weingräfin der Unterhaardt der Jahre 1959/60 gekommen. Die Gerolsheimerin Lina Krieg lebt schon seit 1965 in München. Gemeinsam mit Sophie I. fuhr sie nun in einer prächtigen, von zwei edlen braunen Rössern gezogenen Kutsche durch ihren Heimatort. In noblen Cabriolets und festlichen Gewändern präsentierten sich Vanessa I. vom Dirmsteiner Karnevalsverein Die Gaumekitzler und Meike Bruch, die Blumenkönigin 2012 der Beindersheimer Laienspielgemeinschaft. Die Pfälzische Weinprinzessin 2008/09, Tamara Müller, ist ein Gerolsheimer Gewächs und zeigte sich bodenständig in Jeans und T-Shirt auf einem bunten Wagen, der die Vorzüge der Region anpries. An der Spitze des Umzugs, gleich nach dem Feuerwehrwagen, waren Ortsbürgermeister Erich Weyer (FWG) und Gemeinderatsmitglieder positioniert. Mit Riesling und Weißherbst führten sie den Zug an. Aus Philippsburg waren die Badner Schalmeien angereist, die unter anderem mit „Baby Elephant Walk“, „My Baby Balla Balla“ und dem Reinhard-Mey-Hit „Über den Wolken“ die Zuhörer begeisterten. Aus Mannheim kam der Fanfarenzug der Löwenjäger, aus Speyer die Guggemusik Brezelkracher. Als der Zug Fahrt aufgenommen hatte, fiel der Vorsitzenden des Ortskartells, Irmgard Gurdan, ein Stein vom Herzen. Sie war mit der Vorbereitung der Veranstaltung bis zuletzt beschäftigt gewesen und konnte nun das Ergebnis in Ruhe an sich vorbeiziehen lassen. Zum Beispiel den Beitrag der Krabbelgruppe Willi Würmchen und der Kindergartenkinder hoch auf dem Wagen des Kita-Fördervereins sowie Ehrenbürger Adolf Buch mit seiner Frau Ilse in einem weinroten Citroën-Oldtimer von 1933. So ging es Schlag auf Schlag. Vorbei zogen die Line-Dancer vom Rhein-River Country Club Hassloch mit ihrer rollenden Bar, der Männergesangverein mit dem Alarmruf „Wir wollen nicht untergehen“ sowie die farbenfrohen karnevalistischen Abordnungen der Gaumekitzler, der Dirmsteiner Narrengilde und der Heuchelheimer Strunzer. Die Hundefreunde vom HSV Dirmstein boten eine beeindruckende Show mit ihren Hunden, die trotz des Trubels diszipliniert ihren Führern bei allerlei Befehlen folgten. Die Dirmsteiner Hexen und der Sensenmann der Laienspielgemeinschaft, der einen Gehilfen mit einem Pranger dabei hatte, sorgten für ein bisschen Grusel. So mancher wurde vom Straßenrand herangezerrt und bekam den Block um Hals und Handgelenke gelegt. Ein schöner Wagen des Schützenvereins Gerolsheim, ganz in Weiß die Aikido Kampfsportler und der TuS Gerolsheim waren mit von der Partie, ebenso die originelle rollende Bierzapfanlage der Feuerwehr. „Der Pulverlöschgeräteanhänger wurde zum Durstlöscher umgebaut“, erläuterte Dominik Quandt von der Brandschutztruppe. Irmgard Gurdan war zufrieden. Am Kerweplatz angekommen, sagte sie: „Es hat alles prima geklappt, wir hatten eine gute Teilnahme.“ Dagegen sind die Schwestern Magdalena Doberstein und Maria Rodach etwas enttäuscht. Die Seniorinnen aus Gerolsheim und Dirmstein finden, dass es mit der Kerwe allgemein immer weniger wird. Auch seien nicht mehr so viele Höfe geöffnet wie früher und zu wenige Musikzüge beim Umzug dabei. (enk)

x