Rhein-Pfalz Kreis Von Blubberblasen und Wahrheitskörnern

Mutterstadt. Die Sängerszene des Dorfs trifft sich am RHEINPFALZ-Stand der Redaktion vor Ort in Mutterstadt, Bürgermeister und stellvertretender Landrat geben sich die Ehre, Einheimische und Zugewanderte plaudern bei einem Kaffee über ihre „Lieblingsgemeinde“. Zwischenzeitlich brodelt dann die Gerüchteküche sehr heftig, bis so manche Blubberblase mit ein paar Körnern Wahrheit zum Platzen gebracht wird.
Um das Haus hinter dem blau-weißen Zeitungs-Zelt steht ein Gerüst. „Schon seit Monaten“, wie gleich mehrere Besucher berichten. „Und was des koscht!“ Ja, die Gemeinde muss Geld haben, meint so mancher kopfschüttelnd. Auch Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) wird damit konfrontiert, als er die Redaktion vor Ort auf dem Wochenmarkt begrüßt. Und kann das Gerücht ausräumen. Also nicht, dass die Gemeinde Geld hat, sondern dass die Gemeinde das Gerüst Geld kostet. Das denkmalgeschützte Haus – die alte Post – saniert ein privater Investor. „Der hat lange mit der Denkmalbehörde verhandelt wegen der ganzen Bestimmungen. Es ist nicht so leicht, so ein altes Haus zu renovieren, er wäre bestimmt selbst gerne schon fertig“, sagt der Bürgermeister. Puff – die erste Blubberblase ist geplatzt. In Mutterstadt wird gerast. Die Autos fahren viel zu schnell durch den Ort. Auch etwas, an dem sich einige Redaktions-vor-Ort-Gäste stören. Schneider berichtet von Messungen. „Oft wird die Geschwindigkeit höher eingeschätzt als sie ist.“ Puff ... Aber: Tatsächlich gebe es Zeiten, in denen Fahrer verkehrssündigen, mit 80 Sachen durch die Straßen brettern. Oft am Abend. Gemunkelt wird auch über die Bürgerinitiative gegen Geruchsbelästigung in Mutterstadt. „Jetzt, wo es vom Zeller her nicht mehr so stinkt, sollen sie sich an Gemüsegerüchen vom Feld stören und Unterschlupf bei Gemeindebediensteten suchen, weil sie zu Hause nicht mehr schlafen können“, berichtet Hans-Werner Weber und lacht verschmitzt. Der Mutterstadter wünscht sich, dass die Gemeinde noch mal die Pläne überdenkt, den Platz an der Neuen Pforte nach der Ortskernsanierung für Radfahrer zu öffnen. „Wie ist denn da die Rechtslage, wenn ein Radler einen Fußgänger überfährt?“ Außerdem sollten die Mitarbeiter des Ordnungsamts mehr Präsenz zeigen, mehr auf der Gasse sein und weniger in ihren Büros, findet Weber. „Die Leute wollen sie ansprechen können und dazu nicht extra ins Rathaus müssen.“ Kein Gerücht: Rudolf Reinmuth hat seine Liselotte von der Pfalz auf dem Brezelfest gefunden. Eine Frau, die so überzeugend war, dass der Odenwälder vor Jahren die Rheinseite gewechselt hat. Leider ist seine Frau verstorben. „Mit ihr wäre es viel schöner – aber ich genieße das Leben in Mutterstadt und die vielen Angebote hier.“ Mit am schönsten sei es im alten Försterhäuschen an der Walderholung. Ab 14 Uhr träfen sich da immer die Rentner, und „da werden Sprüche geklopft – sagenhaft!“. Ansonsten genießt Reinmuth seine Karte ab 60, mit der er mit öffentlichen Verkehrsmitteln die Region erkunden kann. Und einmal im Monat geht’s damit dann doch rüber: in den Odenwald. Nein, kein Lügenmärchen: Konrad Heller (CDU) ist jetzt Landrat. Er vertritt den seit Ende dieser Woche im Urlaub weilenden Clemens Körner. Und deshalb entschwindet er nach einem Plausch auch ganz schnell in Richtung Lu: Regierungsgeschäfte im Kreishaus führen. Vorbei am großen Schild auf dem Marktplatz. Und um dessen Inhalt geht es natürlich auch. Es zeigt nämlich, wie Mutterstadt aussehen soll, wenn die ganze Baggerei in der Ortsmitte endlich rum ist. Die Anwohner sehen den Staub und Lärm gelassen. Das wird nämlich was, wenn das mal fertig ist. Richtig spitze! Da sind sich die Mutterstadter einig. Nur dass sie bis dahin keinen eingezeichneten Fußgängerüberweg und schon gar keine Ampel haben, das finden einige gar nicht so lustig. „Gerade für ältere Menschen ist es schwer, über die Straße zu kommen“, sagt Hannelore Diemer. Bürgermeister Schneider verteidigt die aktuelle Regelung: 90 Prozent der Fußgänger seien eh nicht an der Fußgängerampel über die Straße gegangen. „Wenn wir einen Zebrastreifen machen, konzentriert es sich auf einen Punkt.“ Mit Tempo 30 laufe es eigentlich gut. Und für ewig sei die Regelung ja nicht. Wenn die Ortsmitte erst fertig ist, wird es zwei Querungshilfen in der Ludwigshafener Straße geben. Die dann hoffentlich auch besser genutzt werden als die Ampel. Ob Betty Stützels Wunsch in Erfüllung geht, ist noch nicht klar: „Ich hoffe, dass der Verkehr nach dem Umbau etwas in den Hintergrund rückt, er ist schon sehr mächtig.“ Viel mehr Kritik und Gerüchte hatten die Besucher am Stand auch nicht mehr vorzubringen. Sie wohnen gern in ihrer Gemeinde: „Super.“ „Lebenswert.“ „Ich bin richtig zufrieden.“ „Hier hat man alles, was man braucht.“ „Es ist viel besser als in der Stadt.“ „Hier geh’ ich nicht mehr weg.“ Sie sind voll des Lobes. Mutterstadt muss wirklich schön sein. Selbst der überzeugte Schauernheimer Lothar Distler ist hier sesshaft geworden. Es ist aber auch wirklich gemütlich in seinem Innenhof, wohin er zum selbstgebackenen Erdbeerkuchen lud. Lecker. Ohne Flachs!