Harthausen
Vom Tabakdorf zum Wirtschaftsstandort
Schausts Einschätzung ist aufgrund der aktuellen Zahlen leicht nachvollziehbar. Die heute rund 70 ansässigen Betriebe haben im vergangenen Jahr knapp 1,5 Millionen Euro Gewerbesteuer ins Gemeindesäckel gespült. Ein ernstes, aber inzwischen oft zu konstatierendes Dilemma: Wie in den anderen Ortsgemeinden in der Verbandsgemeinde (VG) Römerberg-Dudenhofen lässt sich diese Einnahmequelle nicht oder nur sehr schwer weiter ausschöpfen. Das heißt im Klartext: Die übergeordneten Planungsbehörden halten weitere Gewerbegebiete in der Tabakgemeinde gegenwärtig nicht für genehmigungsfähig. „Dementsprechend sieht die Überarbeitung des Flächennutzungsplans der VG keine weiteren Flächen vor“, stellt Schaust nüchtern fest.
Erschwerend hinzu kommt, dass es aktuell kaum noch Interesse an Neuansiedlungen von Gewerbe bei den Königskindern gibt. „Zur Zeit besteht kaum Nachfrage“, muss Schaust in seiner ersten Bestandsaufnahme seit seinem Amtsantritt im September feststellen. Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist derzeit nicht gerade rosig. Diese unbefriedigende Situation zeigt sich mit ihren Auswirkungen bis in kleine Gemeinden wie Harthausen.
Start mit „Kohlplatte und Rinderplatz“
Die Geschichte der Gewerbegebiete in der Tabakgemeinde begann vor gut 50 Jahren. Der Anlass war derselbe wie in den Nachbargemeinden: Aussiedlung aus dem Ort, um Platz zu schaffen für die weitere innerörtliche Entwicklung, besonders das Schaffen von Wohnraum. Das erste Gewerbegebiet – fünf Hektar groß – in Harthausen heißt „Kohlplatte und Rinderplatz“ und liegt an der Modenbachstraße westlich der Hanhofer Straße (K26). Es enstand1977. In dem Jahr war auch schon der erste Spatenstich gesetzt worden. Dann dauerte es allerdings fast 20 Jahre, bis weitere Gebiete ausgewiesen wurden. 1996 entstand das Gewerbegebiet „Pfaffensee“ mit rund 2,9 Hektar Fläche. Das Interesse war dann aber groß, der Platz wurde schnell knapp. Schon 1997 war am „Pfaffensee“ eine Erweiterung fällig. Der Bebauungsplan für weitere rund 3,3 Hektar erhielt damals Rechtskraft. Das bisher jüngste Gewerbegebiet „Ost“ – es bietet zirka zwei Hektar Fläche – konnte ab 2001 besiedelt werden.
Nach Angaben beider Bürgermeister – Harald Löffler (CDU) äußerte sich in den letzten Tagen seiner Amtszeit ebenfalls noch in einem RHEINPFALZ-Gespräch – sind alle Gebiete aktuell voll belegt. Es gebe aber hier und da geringfügig noch Lücken, so Schaust.
Radsport, Gemüsebau, Aluminiumguss
28 Betriebe geben als Adresse „Am Pfaffensee“ an, rund um die Adolf-Cuntz-Straße liegen zehn Betriebe, an der „Kohlplatte“ sind es sieben, und 15 Unternehmen sitzen an der Schönbrückstraße. Eine genaue Anzahl an existierenden Arbeitsplätzen kann nicht genannt werden. „Die Betriebe sind nicht verpflichtet, uns Arbeitsplätze und die Anzahl der Arbeitnehmer zu melden“, teilt Schaust mit.
Interessant ist der vielfältige Branchenmix am Wirtschaftsstandort Harthausen: Von Autoreparatur und Autoteilen über Radsport, Inkassounternehmen, Werbeagentur bis hin zu Aluminiumguss, Heizungsbau und – nicht zu vergessen – Gemüsebau sowie Garten- und Landschaftsbau reicht die bunte Palette. Die Autoreparatur- und -verkaufsfirma Willi Satler ist 1993 gegründet worden. Satler ist damals der erste Betrieb am „Pfaffensee“. Als bislang jüngster Betrieb kam 2024 die GS Elektrotechnik GmbH in der „Kohlplatte“ hinzu.
Lob für gute Erreichbarkeit
Die ansässigen Unternehmen zeigen sich grundsätzlich zufrieden am Standort. Stefan Füger, Geschäftsführer und Inhaber der Firma Motorrad Hook, lobt stellvertretend für weitere Kollegen die Lage, die gute Erreichbarkeit sowie den Spirit und die Gemeinschaft der Selbstständigen am Ort. Immer wieder bemängelt wird die für viele von Füger und Kollegen noch nicht als optimal angesehene Versorgung mit Internet beziehungsweise Glasfaseranschluss.
Die Gemeinde Harthausen muss neben ihrer Funktion als beliebte Wohngemeinde auch die Entwicklung als Gewerbestandort sichern. Schaust hat zwar gegenüber der RHEINPFALZ das „Großprojekt Kita-Neubau“ als wichtigste Herausforderung seiner Amtszeit genannt. Zusammen mit seinen beiden Beigeordneten darf er daneben jedoch das Wohl der Unternehmen im Dorf nicht aus den Augen verlieren. Er betont, ein offenes Ohr für deren Anliegen zu haben. Wie in seiner ersten Amtszeit plant er persönliche Besuche der Betriebe bei allen Firmenjubiläen, Aktionstagen, Neu- und Wiedereröffnungen. „Das kam damals ganz gut an“, sagt er. Vielleicht bietet sich ihm ja bald eine Gelegenheit dazu. Einer der wenigen der Verwaltung bekannten Leerstände ist schon lange der ehemalige Schlecker-Markt am Ortseingang von Dudenhofen neben dem seit 2009 bestehenden Netto-Markt an der Adolf-Cuntz-Straße. Über eine neue Nutzung der Fläche wird immer wieder spekuliert. Zu dem Objekt könne er derzeit nichts sagen, relativiert der Ortschef. Ein Bauantrag zur Nutzungsänderung sei der Verwaltung auch nicht bekannt.