Dudenhofen
Vom Rathaus ins Café: Was Jürgen Hook für die Zukunft plant
Ein Samstagmorgen im Januar in der Küche der Familie Hook im Spargeldorf: Auf der Küchenzeile stehen die Zutaten für das Backen ordentlich aufgereiht: Mehl, Zucker, Eier, Marmelade, Butter, Nüsse, Teigroller, Schaber, Messer. An der Seite heizt der Backofen vor. Jürgen Hook trägt Schürze. „Das muss immer sein, genauso wie das Vorrichten der benötigen Zutaten und des Geschirrs“, antwortet er auf den fragenden Blick des Besuchers.
Hook greift sich ein Blech. Den Boden hat er bereits mit saftigem braunem Teig belegt. Mit einer Gabel sticht er immer wieder in den Teigboden. „So kann die Füllung später gut durchziehen“, erklärt er, bevor er ein Glas Latwerge öffnet und die Masse auf dem Teigboden gleichmäßig verstreicht. Flugs rollt er dann ein frisches Stück Teig aus, nachdem er Mehl auf die Arbeitsplatte gestreut hat. Den entstandenen Fladen schneidet er mit einem gezackten Messer in Streifen. Diese drapiert er in einem Rautenmuster über der Füllung und bis zum Rand. Dann putzt er das Blech, reinigt seine Hände vom Mehlstaub, tippt Garzeit und Temperatur am Backofen ein und schiebt das Blech in die Röhre.
Alles läuft in geübten Bewegungen ab. Das macht der Mann nicht zum ersten Mal. Jetzt darf seine Linzer Torte 40 Minuten backen. Sie ist eine von vieren, die er an dem Tag fertigt. 40 Minuten lang kann Hook nun von seiner süßen Leidenschaft, seinen Plänen und der Bedeutung des Backens für die ganze Familie erzählen.
Abschalten beim Kneten und Verzieren
„Wir waren sieben Kinder daheim: Meine Mutter hat immer gebacken, die Klassiker. Ich selbst war lange Junggeselle, habe allein gewohnt in einer Kellerwohnung unter einer Bäckerei, und irgendwann ging das los bei mir“, erinnert er sich. Seitdem gehört das Backen – und ein wenig Kochen – zu ihm wie die Politik, das Bürgermeisteramt und diverse Ehrenämter. Backen sei für ihn mehrfach wichtig: Er esse Kuchen gerne, und mit frisch gebackenem Kuchen gelinge es einfach, anderen eine Freude zu machen.
Seine Familie, die Familien der Geschwister, die Nachbarn profitierten regelmäßig davon. Gerne bringe er Selbstgebackenes ins Büro mit. „Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen können Nervennahrung immer gut gebrauchen“, weiß er. Und ihm selbst tue Backen unheimlich gut. „Wenn ich hier stehe, rühre, knete und verziere, entspanne ich, kann total abschalten. Das brauche ich“, bekennt er.
Termininfo via Whatsapp
Rezepte findet der Hobby-Bäcker vor allem in (alten) Kochbüchern, privaten Sammlungen, aber auch im Netz. Zudem improvisiert er gerne. „Alles, was der Kühlschrank hergibt. Das gilt auch beim Kochen“, ergänzt er. „Die Linzer Torte heute ist ein Rezept von Oma Anna meiner Frau“, verrät er. „Sie kommt aus dem Hasepuhl in Speyer“, bestätigt Gattin Petra. Sie genießt das Hobby ihres Mannes wie alle im privaten Hook-Kosmos.
Hook berichtet, dass er die Termine seiner Backtage – in der Regel alle 14 Tage, drei Wochen – in die Verwandtschafts-Whatsapp-Gruppe schickt. „Kurz danach blinkt es auf: Ich will einen, ich auch, ich auch.“ Deshalb backt er immer mehrere. Für seine Kinder backt der Papa jedes Jahr deren Lieblingskuchen – mit Namen obendrauf.
Wettstreit zwischen Vater und Tochter
Donauwellen, Russischer Zupfkuchen, Rahm- und Käsekuchen zählen neben der Linzer und Nussecken zu den Favoriten von Jürgen Hook. Torten sind nicht ganz so des Bürgermeisters Ding. „Zu aufwendig und zu zeitraubend“, urteilt er. Das überlässt er seiner Tochter Ronja. Beim Backen stacheln sich Vater und Tochter gegenseitig regelmäßig an: „Wir batteln uns das ganze Jahr über“, erläutern sie. Es gibt Punkte für Optik, Geschmack und Form des Backwerks. Bis zu zehn Punkte sind dabei zu ergattern.
„Für die Waldweihnacht im vorigen Jahr haben mein Vater und ich allein 25 Kuchen an zwei Tagen hier in der Küche gebacken“, berichtet die 27-Jährige. „Da hat es aber hier nicht mehr so sauber ausgesehen wie jetzt“, unterstreicht ihr Vater. Sauberkeit ist beiden ganz wichtig in der Küche. „Wer hier arbeitet, muss auch aufräumen“, lautet die Ansage.
Bereits Räume ausgesucht
Weil es am Backofen so gut miteinander klappt, sind Vater und Tochter festen Willens, den Traum vom eigenen Café mit selbst gebackenem Kuchen in Dudenhofen umzusetzen. „Das ist definitiv mein Ziel nach meiner Amtszeit als Bürgermeister“, versichert Jürgen Hook. Er hatte das schon einmal geplant, sogar bereits ein Objekt im Auge und erste Vorgespräche geführt. Dann habe ihn seine erste Wahl zum „ersten Bürger“ seiner Heimatgemeinde ausgebremst. 2029 endet die aktuelle Wahlperiode. Anschließend serviert er Kaffee und Kuchen.
Der Backofen piept. 40 Minuten sind um. Die Backzeit ist vorbei, das Gespräch beendet. Hook holt unter anerkennendem Blick von Tochter und Ehefrau die frische Linzer heraus. Das Backwerk duftet lecker. Der Bäcker strahlt. Dieser Kuchen wäre kein Ladenhüter im Café Hook.