Rhein-Pfalz-Kreis
Vom Rasen zur naturnahen Grünfläche: So gelingt Biodiversität im heimischen Garten
Sitzt man im Garten von Peggy Christmann, macht sich sofort ein Wohlgefühl breit. Die Sonne scheint und spiegelt sich im kleinen Teich. Auf den Gartenstühlen lässt es sich wunderbar entspannen. „Das ist mein Rückzugsort. Hier kann ich vom Alltag etwas abschalten“, sagt die 49-Jährige, die mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Schifferstadt lebt. Gerade jetzt im Mai, wenn fast alle Pflanzen blühen, wird ihr Garten zu einem Ort der Ruhe und Erholung.
Doch bei genauerem Beobachten erkennt man sehr viel Leben und Trubel im Grün mitten im Schifferstadter Wohngebiet. Eine kleine Libelle dreht ihre Kreise um den Teich, Bienen schwirren von Blume zu Blume und kleine Insekten wuseln am Boden umher.
Strukturen für Biodiversität
Denn Peggy Christmanns hat einen naturnahen Garten hinter dem Haus. Seit nun schon 17 Jahren arbeitet die freiberufliche Hebamme in ihrer Freizeit an der knapp 500 Quadratmeter großen Fläche, um dort mit kleinen Strukturen und besonderer Auswahl der Pflanzen für mehr Biodiversität zu sorgen. Dafür hat sie in diesem Jahr den Wettbewerb „Naturnahe Gärten“ des Rhein-Pfalz-Kreises gewonnen.
Aber was zeichnet einen naturnahen Garten überhaupt aus? „Allen voran ist die Verwendung von heimischen Bäumen, Sträuchern und Wildpflanzen das aller oberste Gebot. Denn davon sind die hierzulande beheimateten Tiere abhängig“, sagt Christmann. Wollbienen, Sandbienen oder auch Glockenblumen-Scherenbienen seien auf bestimmte heimische Pflanzen angewiesen.
Von Nistkästen bis Holzhecken
Zudem müsste man auch einige Kleinstbiotope für die Tiere in den Garten einbauen. „Geeignet ist etwa eine Benjes-Hecke – also eine Hecke, die aus locker aufeinandergestapelten Ästen und Zweigen besteht. Aber auch Dachziegel oder eine Trockenmauer sind als Lebensräume für kleinere Insekten ideal“, nennt Christmann ein paar Beispiele. Außerdem hat sie einen Teich im Garten, mehrere Nistkästen für Vögel und, sogar das Dach der Garage ist begrünt.
Verwendet wird nur umweltfreundliches Material, das vorzugsweise aus der Region kommt. Und natürlich benutzt Christmann auch keinen chemischen Dünger oder Pestizide. „Einen naturnahen Garten zu haben, bedeutet nicht, dass man alles chaotisch vor sich hinwachsen lässt. Man muss sich schon ein bisschen mit dem Thema befassen und ein bestimmtes Wissen aufbauen“, betont die 49-Jährige.
Sieger beim Wettbewerb
Das hat sie gemacht – und holt für ihren Beitrag zu Insektenvielfalt und Biodiversität den Sieg beim Wettbewerb „Naturnahe Gärten“. Die Grünfläche von Christmann überzeugte den Rhein-Pfalz-Kreis als Organisator „durch sein harmonisches Miteinander von Naturnähe und Erholungsnutzung“, wie es in der Begründung der Jury heißt. „Das hat mich schon stolz gemacht. Eine schöne Anerkennung“, sagt sie. Die Sieger-Plakette hängt vor der Tür an der Hauswand.
Christmann hat schon 2008 angefangen, ihren Garten umzugestalten. „Das war vorher alles eine große Rasenfläche mit kleinem Gemüsebereich, in dem Bohnen angebaut wurden“, erzählt die 49-Jährige. Für sie sei klar gewesen, dass der Garten lebendiger werden müsse, damit er „nicht nur mir, sondern auch vielen verschiedenen Tieren gefällt.“
Erfolgreiche Beobachtungen
Seitdem habe sich natürlich viel verändert und weiterentwickelt. „Fertig ist ein naturnaher Garten nie“, betont Christmann. Erst vor etwa fünf Jahren legte sie einen zwei Meter tiefen Teich an. „Der ist nicht nur Heimat für viele Lebewesen, sondern bietet auch eine gute Möglichkeit, sich im Sommer abzukühlen.“
Die gelungene Biodiversität ist im Schifferstadter Garten beinahe unübersehbar. „Die Raupen des Zitronenfalters beispielsweise sind abhängig vom Faulbaum. Weil in meinem Garten einer steht, könnte das natürlich der Grund sein, warum hier Zitronenfalter herumfliegen“, erklärt sie. Aufgrund der verschiedenen Kleinstbiotope gelte Ähnliches für Bienen und andere Insekten. Die 49-Jährige hat auch schon neue Pläne für ihren Garten im Kopf. „Ich hätte gerne eine reine Sandfläche mit wenig Bewuchs.“ Denn viele Wildbienen nisten in klebrigem Sand.
Gutes Beispiel für andere
Christmann will mit ihrem naturnahen Garten als gutes Beispiel vorangehen. „Es freut mich, dass der Wettbewerb des Kreises nochmal die Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt hat“, sagt sie. Generell merke sie, dass die naturnahe Art der Grünflächennutzung salonfähiger werde. „Vor ein paar Jahren – als solche Gärten noch nicht so populär waren – galt ich als Exotin. Da hieß es immer: Die Peggy und ihre Wildnis.“ Es sei gut, dass sich das Bewusstsein dafür mittlerweile verbessert hat.
Trotzdem sei das Potenzial für Biodiversität in deutschen Privatgärten riesig – und noch lange nicht ausgeschöpft. „Es reichen oft schon kleine Dinge aus, um einen Beitrag zu mehr Biodiversität zu leisten“, erklärt die 49-Jährige. „Man muss den Garten nicht komplett umkrempeln.“ Aber es sei wichtig, dass sich private Gartenbesitzer darüber bewusst sind, dass „man für ein Stück Land verantwortlich ist. Und dieser Verantwortung sollte man schon auch im Sinne der Natur gerecht werden“, betont Christmann.
Garten der Zukunft?
Außerdem sei eine naturnahe Grünanlage in gewisser Weise auch ein Garten der Zukunft, erklärt die Schifferstadterin. „Denn neben mehr Biodiversität sind solche Gärten auch deutlich klimaresistenter. Ich muss weniger gießen und habe mehr Zeit zum Entspannen“, sagt Christmann, während sie auf dem kleinen Holzsteg in ihrem Garten sitzt. Sie hängt ihre Füße ins kühle Teichwasser und genießt die Sonne. Hier, in ihrer kleinen grünen Oase, mitten im Wohngebiet.