Römerberg RHEINPFALZ Plus Artikel Volkshochschul-Leiterin: „Thema Bildung steht bei mir ganz oben“

Will einen Theaterworkshop anbieten: Sigrid Ellenberger vor dem Zehnthaus in Römerberg.
Will einen Theaterworkshop anbieten: Sigrid Ellenberger vor dem Zehnthaus in Römerberg.

Sigrid Ellenberger ist seit einigen Monaten Leiterin der Volkshochschule in Römerberg und sorgt mit dafür, dass es auch im nächsten Halbjahr fast 50 Kurse gibt.

Den Wunsch, immer etwas Neues zu lernen, teilt Sigrid Ellenberger offenbar mit vielen anderen Römerbergern: 55 Kurse der Volkshochschule mit 1750 Teilnehmern hat es im vergangenen Jahr in Berghausen, Heiligenstein und Mechtersheim gegeben. Damals war noch Michael Siegel für den örtlichen Zweig der Volkshochschule im Rhein-Pfalz-Kreis zuständig, der nach rund drei Jahren, in denen er anfangs mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen hatte, das Ehrenamt Ende 2022 wieder abgab.

Sigrid Ellenberg sah, dass ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gesucht wird, und entschied sich, ihren Hut in den Ring zu werfen und wurde im Frühjahr vom Verbandsgemeinderat mit der Aufgabe betraut. Dabei wohnt die 59-Jährige erst seit Mitte des vergangenen Jahres in Römerberg, genauer gesagt in Heiligenstein. Zuvor lebte sie viele Jahre in der Freiburger Gegend. Gebürtig stammt Ellenberger aber aus der Pfalz: Geboren ist sie in Ludwigshafen, anschließend hat sie lange Zeit in Eisenberg im Donnersbergkreis gelebt. Ihr Haus im Badischen war ihr zu groß geworden, weshalb sie eine Wohnung suchte. Als sich die Möglichkeit ergab, nach Römerberg zu ziehen, nutzte Sigrid Ellenberger die Chance und ging zurück in die alte Heimat: „Die Pfalz ist eben die Pfalz“, erklärt sie ihren Schritt.

Berufung: Theater

Beruflich hat die 59-Jährige schon einiges gemacht: Bankkauffrau, Betriebswirtin oder psychologische Beraterin. Als Personalreferentin ist sie immer noch bei einem Unternehmen in Teilzeit angestellt und übt ihre Tätigkeit im Homeoffice aus. Ihre „Berufung“, wie sie sagt, ist aber das Schreiben von Romanen, Gedichten und vor allem Theaterstücken. Über das Mitspielen in verschiedenen Theatergruppen sei sie zur Regie gekommen. Als sie einen Vierakter von Oscar Wilde in einen Zweiakter umschreiben musste, um ihn für die Theatergruppe anzupassen, habe sie gedacht: „Das schreibe ich das nächste Mal lieber selbst.“ Gesagt, getan – mehr als ein Dutzend Theaterstücke stammen mittlerweile aus Sigrid Ellenbergers Feder und werden, wie sie sagt, in ganz Deutschland gespielt. Ein Theaterworkshop, das ist auch eine Idee, die ihr für die Volkshochschule in Römerberg vorschwebt. Ab Mai kommenden Jahres will sie einen solchen anbieten. Volkshochschulkurse hat Ellenberger auch schon in Freiburg gehalten, unter anderem in der Frauenbildung. „Ich bin ein Mensch, bei dem das Thema Bildung ganz weit oben steht“, sagt sie.

Sigrid Ellenbergers Aufgabe ist neben der Planung von Kursangeboten, darauf zu achten, dass organisatorisch alles glatt läuft. „Ich eröffne die Kurse, schließe die Räume auf und zu oder spreche mit Teilnehmern für ein Feedback“, sagt sie. Geeignete Räume zu finden, ist dabei durchaus eine Herausforderung, auch wenn sich die Bürgermeister um Unterstützung bemühen. „In allen Gemeinden des Kreises ist es für die Volkshochschule schwierig erwachsenengerechte Unterrichtsräume zu bekommen“, berichtet Juliane Kerzel-Kohn, die Leiterin der Kreisvolkshochschule. „Am Vormittag ist es noch problematischer, zumal der Raumbedarf gerade im schulischen Bereich wieder gestiegen ist.“ In Römerberg finden VHS-Kurse unter anderem im Zehnthaus in Berghausen, im Haus am Lindenplatz in Mechtersheim oder in der Turnhalle der Grundschule Heiligenstein statt.

Während die Leiter der Außenstellen der Kreisvolkshochschule vor Ort – wie Sigrid Ellenberger für Römerberg, Marita Detzner für die Orte der alten VG Dudenhofen und Gudrun Alter für Waldsee und Otterstadt – ehrenamtlich tätig sind und nur eine Aufwandsentschädigung bekommen, gibt es bei den Leitern der VHS-Kurse eine zunehmende Professionalisierung, wie Kerzel-Kohn beobachtet hat. „Es ist schwieriger geworden, Referenten zu finden“, sagt sie. Ein Grund sei, dass sich einige von ihnen während der Corona-Pandemie nach anderen Tätigkeiten umsehen mussten. Auch bei den Teilnehmern an VHS-Kursen hat Kerzel-Kohn Veränderungen bemerkt: „Es gibt kaum noch die klassischen Kurse für Hausfrauen wie Töpfern“, sagt sie. Die Mehrheit der Teilnehmer – zirka zwei Drittel – sei aber weiblich. Die meisten hätten die Familienphase schon hinter sich gelassen und mehr Zeit, sich neuen Themen zuzuwenden.

Neues und Klassiker

An der Römerberger VHS seien Sprach- oder Sportkurse die Dauerbrenner, berichtet Kerzel-Kohn. In einigen Kursen hätten sich „eingeschweißte Truppen“ gebildet, die sich schon seit Jahren treffen: Seniorengymnastik, Quilt-Gruppe oder Italienisch-Sprachkurse nennt sie als Beispiele. „Wir haben auch eine soziale Komponente neben der Bildung. Das zeichnet die VHS aus“, sagt sie.

Neben den Klassikern versuche die Volkshochschule auch immer, etwas Besonderes anzubieten. Mit dem örtlichen Kunst- und Kulturverein will die VHS demnächst Tiefdruck mit einer Druckerpresse anbieten. „Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal“, glaubt Kerzel-Kohn. Sigrid Ellenberger kann sich vorstellen, künftig noch mehr Kurse in den Bereichen Entspannung oder Kulinarik anzubieten. Auch weitere Fremdsprachen-Kurse fände sie reizvoll. Nicht alle Angebote der VHS finden allerdings genug Interessenten: Ein Kurs, bei dem Kinder und Jugendliche Techniken zum Vokabel-Lernen hätten kennenlernen können, musste mangels Anmeldungen ausfallen.

Bekannt gemacht wird das Angebot im Programmheft oder auf der Internetseite der VHS. Auch über einen bundesweiten Kursfinder sind die Fortbildungsangebote in Römerberg zu entdecken. Das Programm für das erste Halbjahr 2024 erscheint demnächst, es sind aktuell 44 Angebote geplant.

Im Netz

Kurse der VHS-Außenstelle Römerberg finden sich unter www.vhs-rpk.de, Menüpunkt „Außenstellen“, Römerberg.

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