Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Vogelgrippe: Rund 30 infizierte Tiere müssen verenden

Stecken sich Nutzvögel wie Hühner mit dem H5N1-Virus an, verenden die Tiere in der Regel.
Stecken sich Nutzvögel wie Hühner mit dem H5N1-Virus an, verenden die Tiere in der Regel.

Die Vogelgrippe (H5N1) hat einen Kleinstbetrieb im mittleren Rhein-Pfalz-Kreis heimgesucht. Knapp 30 Tiere hatten sich dort mit dem hochansteckenden Virus infiziert. Die Kreisverwaltung als zuständige Veterinärbehörde gibt vorerst Entwarnung und appelliert nun an die Geflügelhalter in der Region, wachsam zu sein.

Die Vogelgrippe ist zurück im mittleren Kreis. Knapp 30 Tiere eines kleinen Geflügelbetriebs mussten getötet werden, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Das haben das Mainzer Umweltministerium und der Kreis mitgeteilt. Und trotzdem ist die Kreisverwaltung froh, das Schlimmste vorerst vermieden zu haben. „Die Ausbreitung wurde durch zügiges Handeln verhindert“, erklärt Anita Lozina, Pressesprecherin der Kreisverwaltung, auf Anfrage. Nach dem Verdacht auf Vogelgrippe wurden die Tiere des Betriebs getestet. „Unmittelbar nach dem positiven Befund mussten leider alle betroffenen Vögel getötet werden.“

Die Vögel hatten sich mit der sogenannte Aviäre Influenza vom Subtyp H5N1 infiziert, weil sie zuvor wohl mit Wildvögeln in Berührung gekommen waren. „Das Risiko von Ansteckungen in Geflügelhaltungen und Vogelbeständen durch direkte und indirekte Kontakte zu Wildvögeln, wird als hoch eingestuft“, betont Lozina. Von daher seien Infektionen derzeit nicht ungewöhnlich.

Betrieb muss alte Ställe abreißen

Für den betroffenen Kleinstbetrieb hat der Ausbruch der Vogelgrippe weitreichende Folge. Neben dem Verlust der 30 Tiere muss der Betrieb seine alten Ställe abreißen und alle Bereiche der Tierhaltung reinigen und desinfizieren. Und auch die umliegenden Geflügelbetriebe im Rhein-Pfalz-Kreis befinden sich in erhöhter Alarmbereitschaft.

Dabei muss zwingend „der Kontakt von Hausgeflügel mit Wildvögeln vermieden werden“, betont Lozina. Wildvögel könnten etwa durch Futter und Wasser angelockt werden, daher sollten zum Beispiel Hühner nicht im Freien gefüttert werden. „Außerdem können gerade bei Kleinsthaltungen Netze über die Freigehege des Hausgeflügels gespannt werden, um den Kontakt mit Wildvögeln zu vermeiden“, rät die Pressesprecherin.

Einzelne Betriebe werden geprüft

Auch die Behörde will ihren Teil dazu beitragen, die Ausbreitung des Virus präventiv zu verhindern. Die Kreisverwaltung kontrolliere derzeit ausgewählte Betriebe im Umkreis von zehn Kilometern, erklärt Lozina. Die Behörde prüfe dort, ob alle Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden, und testet einzelne Tiere auf das Virus. Wenn in einem Betrieb plötzlich vermehrt Tiere verenden oder klinische Anzeichen auftreten, die auf Vogelgrippe schließen lassen, sind die Tierhalter verpflichtet, das zuständige Veterinäramt zu informieren, heißt es vonseiten der Kreisverwaltung.

Umweltministerin Eder ruft zur Prävention auf

Auch die rheinland-pfälzische Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) ruft alle Geflügelhalter „zum Schutz ihrer Tiere auf, die Vorgaben der Veterinärämter einzuhalten und ihre betrieblichen Sicherheitsmaßnahmen kritisch zu prüfen.“ Die Tierhalterinnen und Tierhalter würden eine hohe Verantwortung bei der Bekämpfung der Geflügelpest tragen, wird die Umweltministerin in einer Pressemitteilung zitiert. „Die Bestände müssen nun bestmöglich geschützt werden, um Tierleid und wirtschaftliche Verluste zu verhindern“, betont Eder weiter.

Auch die Bundesregierung versucht, mit verschiedenen Aktionen die Ausbreitung der Vogelgrippe einzudämmen. Auf Initiative des Bundeslandwirtschaftsministers Cem Özdemir (Grüne) wird derzeit der sogenannte interdisziplinäre Dialog als Baustein zur Bekämpfung der Tierseuche noch weiter intensiviert, teilte das Ministerium mit. Özdemir habe sich dazu am Donnerstag mit Expertinnen und Experten der Veterinärmedizin ausgetauscht, um Aktivitäten gegen das Seuchengeschehen noch besser zu verzahnen. In dem Gespräch sei es nach Auskunft des Ministeriums vor allem um die Lage in Deutschland sowie um geeignete Vorsorgemaßnahmen gegangen. „Die Vogelgrippe führt uns eindringlich vor Augen, wie untrennbar die Gesundheit von Menschen, Tieren und unserer Umwelt miteinander verwoben sind. Wenn wir eng zusammenarbeiten und Wissen bündeln, erhöhen wir unsere Erfolgschancen gegen die Seuche“, sagt Özdemir.

Bislang keine Übertragung auf Menschen

Das als Vogelgrippe bekannte Influenzavirus befällt Geflügeltiere wie Hühner oder Puten, aber auch Wild- und Ziervögel. Das Virus ist hochansteckend. Hat sich ein Tier infiziert, verläuft die Krankheit fast immer tödlich. Die Vögel leiden an Atemnot, Apathie, Durchfall und sterben in den allermeisten Fällen. Es gibt bislang keine Medikamente gegen die Viren und keine schützenden Impfstoffe. Seit mehreren Wochen nehmen die Fallzahlen der Geflügelpest in ganz Deutschland wieder leicht zu, sagt das Mainzer Umweltministerium.

Menschliche Infektionen mit Vogelgrippe-Viren sind hierzulande nach offiziellen Angaben bislang aber nicht bekannt. Eine Übertragung des Erregers über infizierte Lebensmittel sei laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zwar „theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich“. Gleichwohl sollte bei der Zubereitung von Geflügelfleisch grundsätzlich auf Hygieneregeln geachtet werden. Der Erreger wird durch gründliches Durcherhitzen des Fleisches und der Eier abgetötet.

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