Römerberg
Veteranen der Kommunalpolitik sagen Ade
Dass sie für die CDU kommunalpolitisch aktiv geworden sind, war für die beiden Römerberger sozusagen alternativlos: „Mein Vater war schon für die CDU im Gemeinderat“, erzählt Günter Walburg. Und auch Paul Eichstetter führt sein Engagement bei den Christdemokraten auf seine „rabenschwarze Familie“ zurück. Bei ihrem ersten Einzug in den Gemeinderat 1974 waren nicht nur die beiden Männer noch jung – Walburg 33, Eichstetter 26 – auch die Einheitsgemeinde Römerberg bestand erst seit fünf Jahren. Bei der Aufstellung der Listen und der Verteilung der Beigeordnetenposten sei noch penibel auf den Proporz zwischen Berghausenern, Heiligensteinern und Mechtersheimern geachtet worden, erzählen sie. Ein Glücksfall war nach Walburgs Auffassung, dass damals der aus Lingenfeld stammende Kurt Hinderberger Bürgermeister war. „Er war sehr ausgleichend“, sagt er. Heute sind die Unterschiede zwischen den Ortsteilen stärker verwischt. Der Heiligensteiner Walburg wohnt mittlerweile in Mechtersheim und umgekehrt der Mechtersheimer Eichstetter in Heiligenstein.
Die erste Frau im Rat
Getagt habe der Rat damals im Filmsaal der Heiligensteiner Grundschule, erinnert sich Walburg. Das Zehnthaus, wo die Sitzungen heute stattfinden, gab es noch nicht. Die CDU hatte noch eine klare Mehrheit und besetzte 13 der 21 Ratssitze. Das Gremium war männlich dominiert, wie sich beide erinnern. Mit Irma Weidel sei die erste Gemeinderätin hinzugekommen. „Sie hat sich im Kreise der Männer aber wohl gefühlt“, blickt Walburg zurück, der damals auch in den Kreistag gewählt wurde. Er und Eichstetter haben auch miterlebt, als die ersten Mitglieder der Grünen in den Rat einzogen. Diese seien im Vergleich mit deren heutigen Vertretern noch „etwas heftiger“ gewesen, so Walburgs Eindruck. Mit „Petra-Kelly-Stil“ umschreibt Eichstetter das Auftreten der ersten Grünen-Gemeinderätinnen.
Das Klima im Rat war in den fünf Jahrzehnten, die beide Kommunalpolitiker erlebt haben, nicht immer so harmonisch, wie dies meistens in den vergangenen Jahren der Fall war. „Ich kann mich noch an Haushaltsreden erinnern, bei denen ich gezittert habe“, sagt Eichstetter. Walburg ist vor allem eine Sitzung vor fast 30 Jahren in Erinnerung geblieben, bei der es darum ging, ob eine große Halle – die heutige Rhein-Pfalz-Halle – oder zwei kleine gebaut werden sollten. Die CDU sei damals in der Opposition gewesen, habe aber die mitregierenden Grünen überzeugen können, gegen die Zwei-Hallen-Lösung zu stimmen. „Das war die lauteste Sitzung, die ich erlebt habe“, erinnert sich Walburg. Ratsmitglieder seien schimpfend aufgestanden, hätten ihre Stühle wütend weggeschoben. Dennoch: „Man konnte sich hinterher immer noch in die Augen schauen“, zieht Walburg eine positive Bilanz, was das Miteinander im Rat angeht. Und Paul Eichstetter sagt: „Ich bin stolz darauf, immer ein gutes Verhältnis mit allen gehabt zu haben. Man geht schließlich nicht in den Gemeinderat, um Krach zu kriegen.“ Dass es heute weniger Streit im Rat gibt, hängt für Walburg auch damit zusammen, dass die finanzielle Ausstattung der Gemeinde schlechter geworden ist. Dadurch gibt es kaum noch die Möglichkeit, sich über die unterschiedliche Verwendung von Geld in die Haare zu bekommen. „Je weniger Spielraum da war, umso ruhiger wurde es“, ist Günter Walburgs Eindruck.
Verkehr, Betreuungsplätze und zuletzt zunehmend die Starkregenproblematik waren Themen, welche die Gemeinderatsmitglieder in den vergangenen Jahrzehnten beschäftigten. Die wahrscheinlich schwierigste Entscheidung, vor der die beiden Römerberger in ihrer Laufbahn als Ratsmitglieder standen, war jene über die Fusion der Gemeinde Römerberg mit der Verbandsgemeinde Dudenhofen – eine Entscheidung mit der noch heute viele Römerberger hadern. Während Paul Eichstetter sich enthielt, stimmte Walburg zu – mit großen Bauchschmerzen: „Das Herz hat gesagt nein, aber ich habe keine Möglichkeit gesehen, die Fusion zu verhindern“, erinnert er an den Druck, den das Land auf die Kommunen ausgeübt hat beziehungsweise die Lockmittel wie Hochzeitsprämie, die damals eingesetzt wurden.
Nicht an Ortsspitze gestrebt
24 Jahre lang, von 1989 bis 2013, war Günter Walburg Fraktionsvorsitzender der CDU im Gemeinderat. Als Bürgermeister hat er hingegen nie kandidiert. „Es wäre sicher möglich gewesen, aber ich habe es nicht angestrebt“, sagt der 82-Jährige. Gereizt hätte ihn das Amt schon, aber es sei auch sehr zeitintensiv und er sei zu gerne Lehrer gewesen, um den Beruf dafür zu opfern. „Ich war kurz davor, Beigeordneter zu werden“, erinnert sich Paul Eichstetter. „Aber meine Frau stand nicht dahinter. Da war die Sache erledigt.“
Die Entscheidung, diesmal nicht mehr für den Gemeinderat zu kandidieren, hat Günter Walburg im Laufe der zurückliegenden Legislaturperiode getroffen. „Wenn man die 80 überschritten hat, dann reicht es auch“, findet er. Eichstetter ließ sich hingegen als bekannter Name noch einmal auf die CDU-Liste mit aufnehmen, aber nur auf einem hinteren Platz. Obwohl die Römerberger ihn einige Plätze nach vorne wählten, ist auch für ihn damit die Zeit im Rat beendet.
Günter Walburg wird es ohne Gemeinderat nicht langweilig. So liest er zum Beispiel ehrenamtlich im Seniorenheim vor. Das politische Geschehen will er weiter vor Ort verfolgen, künftig dann als Zuhörer im Rat, wenn dieser alle paar Wochen Dienstagabends im Zehnthaus zusammentritt. Anders Eichstetter: „Ich werde nicht so oft da sein“, kündigt er an. Der Grund: seine Enkelin. „Dienstag ist Opa-Tag“, sagt er.
Zur Person
Günter Walburg ist 82 Jahre alt, stammt aus Heiligenstein und wohnt mit seiner Frau in Mechtersheim. Er war Lehrer an allen Römerberger Grundschulen und von 1979 bis 2004 Leiter der Grundschule in Heiligenstein. Außer im Römerberger Gemeinderat war er für die CDU auch 40 Jahre im Kreistag. Ehrenamtlich war er zudem unter anderem als Mitglied des Beirates der Jugendstrafanstalt Schifferstadt und als langjähriger Vorsitzender des TuS Heiligenstein tätig. Er ist zudem immer noch Vorsitzender des Heiligensteiner Kirchenbauvereins. Für sein Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet.
Paul Eichstetter ist 76 Jahre alt, Witwer und Opa zweier Enkelinnen. Er stammt aus Mechtersheim und wohnt in Heiligenstein. Beruflich war als Buchdrucker und Vollzugsbeamter tätig. Ehrenämter hat er unter anderem in Mechtersheim bei KJG und CAJ sowie beim MGV Cäcilia ausgeübt. In der Kirche war er ebenso in mehreren Funktionen ehrenamtlich tätig wie politisch bei der CDU. Außer im Gemeinderat war er auch im Verbandsgemeinderat und ist nach wie vor Mitglied des Seniorenbeirats.