Speyerer Umland
Verwaltungen wollen mehr Normalität im Rathaus wagen
Die Älteren werden sich erinnern: Es gab Zeiten, in denen die Bürger einfach ins Dudenhofener Rathaus spazieren und eine Nummer fürs Bürgerbüro ziehen konnten, wo sie dann je nach Andrang nach längerer oder kürzerer Wartezeit bedient wurden. Doch seit die Wörter „Corona“ und „Pandemie“ zu den meistgenutzten hierzulande gehören, sind solche Spontanbesuche passé. Seitdem heißt es: Termin buchen und dann tage-, manchmal auch wochenlang ausharren, bis sich die Rathaustür für den Bürger öffnet.
Am 20. September soll sich das ändern: Dann sollen Vorsprachen im Bürgerbüro in Dudenhofen auch wieder ohne Termin möglich sein, wie die Verbandsgemeindeverwaltung mitteilt – allerdings nur vormittags zwischen 7.30 und 12 Uhr. „Wir wollen versuchen, von der festen Terminierung wegzukommen und ein zusätzliches positives Angebot für Bürger zu machen, die nicht auf einen Termin warten können“, sagt der büroleitende Beamte Stefan Schall. Nachmittags (montags 13 bis 16 Uhr und donnerstags 13 bis 18 Uhr) sollen Geschäfte im Bürgerbüro hingegen weiterhin nur mit Termin erledigt werden können. Und es gibt weitere Einschränkungen: So ist für die Kfz-Zulassung weiterhin ein Termin nötig. Gleiches gilt laut Schall für Anliegen im Standesamt und bei Friedhofsangelegenheiten. Immerhin: In allen anderen Bereichen stehen die Türen der Rathausmitarbeiter offen.
Das Bürgerbüro in Römerberg bleibt hingegen weiterhin ganz geschlossen. „Dafür haben wir momentan nicht die personelle Besetzung“, erklärt Schall. Zwei Mitarbeiterinnen aus dem Bürgerbüro-Team seien derzeit von dort abgezogen, um sich um die Bundestagswahlen – speziell um die vielen Briefwähler – zu kümmern. Die üblichen Corona-Regeln wie Maskenpflicht und Hygienevorschriften gelten im Rathaus weiterhin. Außerdem werden nach wie vor die Kontaktdaten aller Menschen erfasst, die etwas dort zu erledigen haben.
„Die Inzidenzen gehen weiter hoch. Das sehen wir mit einer gewissen Sorge“, hat Schall eine mögliche Verschlechterung der Corona-Lage im Blick. Sollte es neue Einschränkungen geben, die von Land und Bund vorgegeben werden, dann trete der Krisenstab zusammen und entscheide über neue Maßnahmen. „Aber wir wünschen uns alle, dass es gut läuft und sich die Lage nicht weiter verschlechtert. Wir sind ein Dienstleistungsbetrieb und versuchen das Bestmögliche anzubieten.“
Neues Modell
Das versucht auch nach eigenem Bekunden die Verwaltung der Verbandsgemeinde Rheinauen. Der dortige büroleitende Beamte Detlef Schneider hatte vor einigen Wochen angekündigt, dass sein Haus nach den Sommerferien schrittweise in den Normalbetrieb übergehen wolle. Doch aktuell können Geschäfte in den Rathäusern weiterhin nur nach Terminvereinbarung erledigt werden. „Wir wollen ein neues Öffnungszeitenmodell umsetzen“, sagt Schneider zum Stand der Dinge. Details will er noch nicht verraten, da das Konzept erst noch am 15. September dem Hauptausschuss der Verbandsgemeinde vorgestellt werden soll. Doch es sei – ähnlich wie in Dudenhofen – eine Mischung aus freien Öffnungszeiten und Zeitfenstern mit Terminvergabe geplant. Hintergrund seien die Erfahrungen aus der Corona-Zeit – viele Bürger fänden die Möglichkeit, einen festen Termin buchen zu können gut – und auch eine gewisse Vorsicht mit Blick auf die steigenden Inzidenzen.
Nach der Ausschusssitzung soll das Modell zügig, sprich noch im September, umgesetzt werden. Auch Rats- und Ausschusssitzungen sollen laut Schneider dann wieder in Präsenz stattfinden. Die Verbandsgemeinde Rheinauen hatte in Lockdown-Zeiten konsequent auf Videokonferenzen gesetzt. Derzeit werde bei den Fraktionen abgefragt, ob diese Bedenken gegen eine Rückkehr zu Präsenzsitzungen haben. Danach sieht es laut Schneider derzeit nicht aus. Für die Sitzungen soll voraussichtlich die 3G-Regel gelten.
Die Einführung dieser Regel für Rathausbesuche – dass also nur Geimpfte, Genesene und Getestete hinein dürfen – ist übrigens weder in Dudenhofen noch in Waldsee ein Thema. „Das vorzuschreiben werden wir nicht hinkriegen“, sagt Schneider. Dem Bürger müsse ermöglicht werden, die nötigen Geschäfte zu erledigen. „Wenn jemand einen Pass beantragen will, dann kann ich ihn nicht zurückweisen, weil er nicht geimpft oder getestet ist.“
Keine Gedanken über weitere Öffnungen muss sich die Verbandsgemeindeverwaltung in Lingenfeld machen. Dort war das Rathaus während der Pandemie nie geschlossen.