Rhein-Pfalz Kreis Verteidigen, nicht hinter Töpfen verstecken

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Ludwigshafen

. Es sei schon komisch, sich ständig selbst zu begegnen, meint Clemens Körner, als eines der Großplakate auf der Autofahrt in die Rheinauen vorbeizieht. Der Landrat hat sich als „Lieblingsort“ für das Treffen mit der RHEINPFALZ verzweigte Altrheinarme und viel (vereiste) Natur ausgesucht. Die Rheinauen machen für Körner einen bedeutenden Kreisanteil aus, ziehen sie sich doch von Mechtersheim im Süden bis nach Bobenheim-Roxheim im Norden. „In Roxheim hätten wir vom Seerestaurant Bader aus auf die Rheinauen gucken können und hätten im Warmen gesessen“, sinniert der Landrat angesichts der Temperaturen. Dschungelatmosphäre kommt beim Anblick vereister Altrheinarme nicht gerade auf – dabei schätzt der 57-Jährige vor allem das quirlige Tierleben und das dichte Grün dieses Landstrichs. „Egal – diese Winterlandschaft hat auch was. Und der nächste Sommer kommt bestimmt.“ Der nächste Winter auch – und da wäre Körner gerne immer noch Landrat. Seine Amtszeit endet am 19. November. Deshalb geht er dieses Mal ein wenig angespannter ins Rennen, meint er – nicht ganz so sportlich jedenfalls wie beim Wahlkampf vor acht Jahren. „Der Ehrgeiz ist schon da, es wieder zu packen. Ich möchte gerne weiter Landrat sein und an die Erfolge der ersten Amtszeit anknüpfen.“ Ein Arbeitsschwerpunkt war die Sparkassenfusion. Wichtig sei ihm aber auch gewesen, die Infrastruktur im Kreis auszubauen, den Katastrophenschutz zu verbessern, ein Klimaschutzkonzept zu entwickeln, die Flüchtlingskrise zu meistern und den Fremdenverkehr zu beleben. Apropos Tourismus: Körner macht sich jetzt Gedanken, ob das mit dem Termin in den Rheinauen klug war. Weniger wegen der kalten Nasen, mehr wegen der Werbung und so. „Ich bin mir nämlich gar nicht sicher, ob Förster und Umweltschützer es gerne haben, wenn viele Leute ihren Ausflug hierher machen.“ Touristisch sei das Gebiet nie vermarktet worden. Es sollen bewusst keine Gaststätten entstehen. Hier soll die Natur faszinieren. Touristisch erschlossen ist die Weinstraße. Vielleicht könnte es ja in acht Jahren zu einem Abschiedsporträt in die Reben gehen? Körner grinst. „Sie denken an die zweite Stufe der Gebietsreform. Die wird meiner Meinung nach aber nicht so schnell kommen. Das Gutachten dazu sollte 2017 fertig werden. Das ja. Aber wir haben gerade erst die Bögen abgegeben. Antworten auf Fragen zu Verwaltungs- und Kreisstrukturen.“ Körner kann sich deshalb nicht vorstellen, dass die Expertise bald auf dem Tisch liegt. Und erst recht nicht, dass die Ergebnisse so schnell in ein Gesetz fließen, das es braucht, wenn Landkreise und Städte zusammengelegt werden sollen. Da muss der Landrat weiter seinen Wingert in Kleinniedesheim hegen, wenn es mit der Expansion des Kreisgebiets erst mal nichts wird. Doch schon auf den bestehenden 305 Quadratkilometern gibt es genug zu tun, findet Körner. Ganz oben auf seiner Agenda steht der Breitbandausbau für ein schnelles Internet. Der Kreis soll schließlich nicht nur ein schöner Ort zum Wohnen, sondern auch ein attraktiver Arbeitsstandort sein. Auch für Landwirte – wenn schon kein Wein wächst, zeichnet sich die Region doch immerhin als Gemüsegarten Deutschlands aus. Am Herzen liegt Körner auch, dass das Klimaschutzkonzept umgesetzt, die Naherholung vernünftig geregelt und Integration weiter gelebt wird. „Da störe ich mich schon sehr an der Stimmungsmache von Rechts. Sie ist nicht förderlich, wenn man will, dass geflüchtete Menschen im Rhein-Pfalz-Kreis ein Zuhause finden.“ Um noch mal auf Kleinniedesheim zurückzukommen: Auf seinem Wahl-Flugblatt hat er es nicht stehen, aber es soll trotzdem kein Geheimnis bleiben: Die Sache mit dem Landratswein findet Körner prima und wenn er im Amt bleibt, sollen mit Hilfe des Weinguts Merkel weitere Jahrgänge abgefüllt werden. Essen und Trinken – beides schätzt der Dudenhofener außerordentlich. Deshalb hatte er sich zunächst überlegt, in seine Küche zu laden. In Absprache mit seiner Frau hat er die Idee dann aber verworfen. „Des hätt glei widder so verfressen ausgesehen“, pfälzert er. Doch dass die Küche zumindest sein heimlicher Lieblingsplatz ist, scheint unumstritten. Seine Familie schätzt es, wenn er zum Essen lädt. Und er schätzt es, seine Familie an einem Tisch zu haben. „Meine Frau hat trotzdem Angst, dass meine Kochlust Blüten treibt, wenn ich nicht mehr gewählt werde.“ Ganz hinter seinen Töpfen verstecken will sich der Landrat aber gar nicht im Fall einer Niederlage. Körner will dann einen Job in der freien Wirtschaft. Plan B sozusagen. Heute ist ein Platz am warmen Herd sehr verlockend. Inzwischen sind die Nasen sehr, sehr kalt. Die Füße auch. Da hilft es auch nichts, dass wir – nach einem Abstecher über die Tongruben – nun am Strand stehen. „Fast wie Sylt, oder?“, sagt Körner und lacht. Fast. Hinter uns steht die Sun-See-Bar und nicht die Sansibar. Immerhin: Die Kreisform hat Ähnlichkeit mit dem Inselumriss. Körner hat das festgestellt, als er mal Aufkleber für sein Regentschaftsgebiet drucken lassen wollte. Die Bar hat geschlossen. Und eine geschlossene Eisschicht überzieht den Badesee bei Mechtersheim. Aufs Glatteis begibt sich der Landratskandidat nicht. Ein Schild der Gemeindeverwaltung verbietet es ohnehin. Sicherheit wird jetzt ein Thema – auch im übertragenen Sinn. Denn daran habe er – außer an Gewicht – seit seiner Wahl 2009 gewonnen. Solche Aussagen sind typisch für Körner, der immer wieder ernste Themen mit ein bisschen Selbstironie und Witz verquickt. Seine Art ist direkt, und das will er auch so. Körner möchte ein Landrat zum Anfassen sein. Einer, den sich jeder anzusprechen traut. „Das Staatsmännische liegt mir nicht so. Auch wenn ich mich nach meiner ersten Wahl ein bisschen wie ein kleiner Bundespräsident gefühlt habe, als Freunde fragten, ob sie mich noch duzen dürften.“ Inzwischen habe er die Rolle für sich definiert. Und möchte sie weiter ausfüllen. Dafür wirbt er und nimmt es hin, sich selbst ab und an in die Großplakataugen zu schauen.

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