Dudenhofen
Verkehrshelfer im Einsatz: Wie Schülerlotsen Kinder schützen
Es ist 7.30 Uhr an einem Donnerstag, als Kerstin Mache und Maik Hohmann ihren Platz einnehmen. Sie stehen an der Iggelheimer Straße vor der Clemens-Beck-Grundschule in Dudenhofen. Beide sind Schülerlotsen und unschwer an ihren gelben Westen mit der Aufschrift „Verkehrshelfer“ sowie der Lotsenkelle zu erkennen. Um diese Uhrzeit ist es noch recht ruhig vor der Schule. Mache und ihr Kollege haben Zeit für einen Plausch. Nach und nach treffen Kinder zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Tret- beziehungsweise E-Roller ein. Die Schülerinnen und Schüler warten auf dem Gehweg, bis Maik Hohmann und Kerstin Mache auf die Straße getreten sind und Autofahrer damit zum Anhalten bitten.
„Wir dürfen den Verkehr nicht abrupt anhalten“, erklärt Kerstin Mache. Was sie dürfen und was nicht, haben die Schülerlotsen von der Polizei gelernt. Immer zu Beginn des Schuljahrs werben Organisatorin Mache und ihr mittlerweile rund 20 Personen umfassendes Helferteam bei Elternabenden um neue Schülerlotsen. Die Polizei bietet anschließend eine Schulung für die neuen Lotsen an, die in ihrem Hilfsdienst versichert seien. „Die meisten Autofahrer sind sehr nett und verstehen die Notwendigkeit. Nur vereinzelt gibt es Menschen, die sich aufregen“, berichtet Kerstin Mache. An diesem Morgen verhalten sich alle Autofahrer respektvoll, halten an, wenn die Lotsen auf die Straße treten. Der ein oder andere grüßt mit einem Winken.
Aufgabe gleich, Anforderungen verändert
Nach Angaben der Deutschen Verkehrswacht gibt es bundesweit rund 50.000 Schülerlotsen. Der Dienst gilt als „eines der erfolgreichsten Projekte der ehrenamtlichen Verkehrssicherheitsarbeit“. Die Aufgabe der Schülerlotsen habe sich nicht wesentlich verändert, allerdings seien die Anforderungen gestiegen. Während 1953 zur bundesweiten Einführung der Schülerlotsen etwas mehr als 1 Million Autos gemeldet waren, habe sich deren Zahl in den 60er-Jahren bereits verzehnfacht. „Heute fahren mehr als 48 Millionen Pkw in Deutschland“, heißt es von der Verkehrswacht, die als besondere Herausforderung die sogenannten Elterntaxis nennt, die vor Schulen für ein gefährliches Verkehrschaos sorgen können.
Auch in Dudenhofen wird es an der Zufahrt zum Parkplatz an der Schule etwas unübersichtlich. Dort setzen manche Eltern ihre Kinder, die mit dem Auto gebracht werden, ab. Die meisten kommen an diesem Morgen jedoch zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Roller. Um 7.45 Uhr ist vor der Schule besonders viel los. Kinder strömen von allen Seiten zum Schuleingang. Manche werden von ihren Eltern begleitet, andere kommen allein. Ein Junge mit dem Fahrrad grüßt die Lotsen. Autos, Schulbusse, Traktoren, die Schlange von Fahrzeugen reißt nicht ab. Die Schülerlotsen merken auch, wenn es auf den umliegenden Bundesstraßen Sperrungen gibt oder einen Unfall gab. Dann nutze mancher die Iggelheimer Straße, um die Stelle zu umfahren und an sein Ziel zu kommen.
Ein Aha-Erlebnis und ein schönes Gefühl
Die Schülerlotsen sind nur am Morgen aktiv, an fünf Tagen die Woche. Nachmittags sei der Bedarf geringer, die Kinder hätten zu unterschiedlichen Zeiten Schulende und die Schülerlotsen stehen auch nicht unbedingt zur Verfügung, weil sie berufstätig sind. Kerstin Mache arbeitet bei John Deere in Mannheim. Die Mutter von drei Kindern steht meist am Donnerstag mit der Lotsenkelle am Straßenrand, weil sich das am besten mit ihrem Familien- und Berufsalltag vereinbaren lässt. Der 44-Jährigen ist als Organisatorin wichtig, dass sich die Lotsen ihren Dienst-Tag flexibel einteilen können. „Das funktioniert eigentlich super“, sagt Mache, die seit sieben Jahren als Schülerlotsin aktiv ist und den Dienst begann, als ihr erstes Kind in die Schule kam.
Maik Hohmann ist seit einem Jahr dabei – seit sein Kind die Clemens-Beck-Grundschule besucht. Dem 38-Jährigen sind Traditionen wichtig – die Schülerlotsen gibt es in Dudenhofen nach Angaben der Grundschule seit etwa 17 Jahren. „Das ist das, wo ich mich einbringen kann. Es ist ein schönes Gefühl, Gutes zu tun. Besonders, wenn es mit Kindern zu tun hat“, sagt Hohmann. Kerstin Mache stimmt ihm zu, sie sieht angesichts des Verkehrs in der Iggelheimer Straße die Schülerlotsen als notwendig an. Ihr Aha-Erlebnis sei gewesen, als sie ihre Tochter das erste Mal zu Fuß zur Schule begleitet habe und den Weg aus den Augen ihres Kindes gesehen habe. „Es ist etwas anderes als für Erwachsene“, sagt Mache. Ihren Angaben zufolge sind nicht nur Eltern von Grundschulkindern Schülerlotsen. Es gebe auch eine Frau, die keine Kinder mehr in der Schule habe, sich aber dennoch als Lotsin engagiere. Einen weiteren guten Aspekt hat der Dienst auch: Man sei an der frischen Luft, sagt Hohmann. Um Punkt acht Uhr endet der Schülerlotsendienst, die Kinder strömen ins Schulhaus. Maik Hohmann und Kerstin Mache haben ihren ersten Feierabend und entschwinden mit „schönen Rückmeldungen“ von Kindern, Eltern und Autofahrern in ihren Arbeitstag.