Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ex-OB Klaus Weichel geehrt: Er hat die Stadt verändert

Oberbürgermeisterin Beate Kimmel überreicht ihrem Vorgänger Klaus Weichel das Barbarossasiegel.
Oberbürgermeisterin Beate Kimmel überreicht ihrem Vorgänger Klaus Weichel das Barbarossasiegel.

Er ist braun gebrannt, wirkt völlig entspannt, genießt offenbar den Ruhestand: der frühere Oberbürgermeister Klaus Weichel. Jetzt wurde er für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Im Gespräch mit der RHEINPFALZ berichtet der 70-Jährige, dass ihm das neue Leben anfangs gar nicht so leicht gefallen ist. Immerhin war er von 2007 bis 2023 Oberbürgermeister von Kaiserslautern und somit immer voll eingespannt. „Ich musste mich erst einpendeln“, sagt der Sozialdemokrat.

Als stellvertretender Vorsitzender des Bezirkstags sei er aber sehr gut ausgelastet. „Das ist eine erfüllende Aufgabe, die mich Woche für Woche mindestens 20 Stunden ehrenamtlich fordert.“ Zudem habe er eine Familie, „mit der es nie langweilig wird“. Und einen Hund, einen Broholmer, der schon morgens um sechs Uhr Bewegungsdrang verspürt und ausgeführt werden will. „Ich laufe jeden Tag zehn Kilometer, das tut gut“, so Weichel. Und dann sind da noch seine drei Oldtimer, mit denen er an Ausfahrten teilnimmt, wie demnächst bei den Kaiserslautern Classics. Und seine Liebe zur Gartenarbeit.

An die Universität zurückgekehrt

Was ihn umtreibt, ist der Wahlerfolg der AfD in der Region. „Ich habe ganz viel über dieses Phänomen gelesen, habe auch die Wahlen analysiert.“ Zusammen mit einem kleinen Team sei er dabei, eine Strategie zu entwickeln, um gegen diese „Katastrophe“ anzugehen. „Wir brauchen eine Strategie, um die verschiedenen AfD-Narrative zu entlarven“, gibt er die Marschrichtung vor. „Und wir müssen im Grunde da schon in den Schulen anfangen.“ Ganz lassen kann er die Politik nicht. Deshalb bringt er sich an der RPTU im Fachbereich Sozialwissenschaften in Seminaren, wo es um Kommunalpolitik geht, ein, als Co-Referent von Professor Marcus Höreth.

Am Mittwoch konnten selbst Menschen, die ihn schon lange gut kennen, einen anderen Klaus Weichel erleben. Einen sentimentalen. Einen sehr gerührten. Weichel wurde eine besondere Ehre zuteil. Im kleinen Kreis von Weggefährten verlieh Oberbürgermeisterin Beate Kimmel ihrem Parteifreund und Vorgänger das Barbarossasiegel. Damit ehrt die Stadt Persönlichkeiten, die sich in besonderem Maße um Kaiserslautern verdient gemacht haben. Und da Kimmel ihm viel zu verdanken hat – er war ihr größter Förderer –, wurde auch sie so emotional wie nur selten.

„Viele Ideen und Visionen für die Stadt“

Weichel sei jemand, der seine Heimatstadt immer voranbringen wollte, „Potenziale erkannt hat“. Geholfen habe ihm dabei seine außergewöhnliche Stärke, hochkomplexe Zusammenhänge schnell zu verstehen. Und seine Leidenschaft für die Sache. „Du hattest viele Ideen und Visionen für die Stadt“, sagte sie zu Weichel, den sie seit über 30 Jahren kennt, dessen persönliche Referentin sie war, als er der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd vorstand. Dabei, das betonte Kimmel ausdrücklich, sei es Weichel als OB immer wichtig gewesen, Haltung zu zeigen. Beispielsweise auch bei der Integration von Geflüchteten.

„Wir ehren einen Menschen, der mit Weitblick, Haltung und mit einem außergewöhnlichen Engagement weit über das eigene Amt hinaus gewirkt hat. Wenn man heute auf Kaiserslautern blickt, sieht man eine Stadt, die sich verändert hat“, betonte Kimmel. Weichel habe immer an das Potenzial Kaiserslauterns geglaubt. Deshalb sei mit ihm, dem promovierten Biologen, auch die Konversion gelungen: von der Industriestadt zu einem Hochschulstandort mit renommierten Forschungseinrichtungen, einer engen Verbindung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

„Kaiserslautern durch schwierige Zeiten geführt“

„Du hast Kaiserslautern durch schwierige Zeiten geführt. Durch wirtschaftliche Herausforderungen. Durch gesellschaftliche Veränderungen. Und durch große Transformationsprozesse“, attestierte die Oberbürgermeisterin ihrem Vorgänger. Weichel habe sehr früh erkannt, welches Potenzial in den Hochschulen und den Forschungseinrichtungen steckt. Heute sei die enge Zusammenarbeit von Hochschulen, Instituten, der Science and Innovation Alliance und Unternehmen beinahe selbstverständlich. Weichel habe mitgeholfen, Brücken zu bauen.

Kimmel bezeichnete Weichel auch als Wegbereiter dafür, dass auf dem ehemaligen Pfaffgelände ein modernes Zukunftsquartier entsteht. Und sie verwies auf seine zahlreichen Ehrenämter: Hauptvorsitzender des Pfälzerwald Vereins, Mitbegründer des Vereins Zukunftsregion Westpfalz, Vorstandsvorsitzender des DRK-Kreisverbandes Kaiserslautern-Stadt. Kimmel schloss mit den Worten: „Du hast die Stadt vorangebracht, Kaiserslautern verdankt Dir viel.“

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