Mutterstadt
Verkaufsoffener Sonntag: Es bleibt ruhig im Gewerbegebiet
Das hat Klaus Hübner, Leiter des Mutterstadter Ordnungsamts, auch noch nicht erlebt – und er macht den Job schon eine ganze Weile. Nur vier Händler öffnen morgen am verkaufsoffenen Sonntag in dem rund zwölf Hektar großen Gewerbegebiet An der Fohlenweide. Etwa 70 Betriebe sind dort laut Gemeinde ansässig. Darunter sind zwar etliche, die keine typischen Händler für solche Aktionen sind. Dennoch kam bei vergangenen verkaufsoffenen Sonntagen schon mal Volksfeststimmung auf. Dann kam Corona, der Einzelhandel musste Umsatzverluste hinnehmen. Im Spätjahr vergangenen Jahres gab es wieder einen Verkaufssonntag, allerdings unter Corona-Bedingungen und mit mäßigem Erfolg. Diesen Sonntag vermiest eigentlich keine Bestimmung das Einkaufsgefühl, und das war auch ein Grund, warum der Gemeinderat dem verkaufsoffenen Sonntag zustimmte. Man hofft, so den Einzelhandel zu stärken.
Morgen öffnen Henry’s Auktionshaus, das Modehaus Niebel, das Bassetti-Outlet und das Sesselhaus. Den verkaufsoffenen Sonntag hat Henry’s initiiert und den Antrag bei der Gemeinde gestellt. „Es ist schade, dass nicht so viele Händler mitmachen, denn je mehr Angebot da ist, desto größer ist das Interesse an so einem Tag“, sagt Vorstandsmitglied Sascha Wendt. „Die bisherigen verkaufsoffenen Sonntage wurden eigentlich immer sehr gut angenommen.“ Darum möchte Henry’s noch zwei weitere im Spätjahr beantragen. Wendt kann aber nachvollziehen, dass etwa die Geschäfte im unmittelbaren Umkreis des Real-Markts nicht mitmachen, denn der habe an einem solchen Aktionstag viele Kunden in diesen Bereich des Gewerbegebiets gelockt. Henry’s selbst partizipierte laut Wendt nicht so stark von der Laufkundschaft des Markts, viele Kunden kämen gezielt ins Auktionshaus.
Frequenzbringer fehlt
„Wir waren schon überrascht, dass so wenige mitmachen. Es wäre schon besser, wenn mehr geboten werden würde“, sagt auch Fabienne Henseler, Marketingmanagerin bei Niebel. Dennoch wolle man die gute Laune hochhalten. Der Verkaufstag sei gut beworben worden, darum sei man zuversichtlich, dass viele kommen. Gleiches gilt für das Bassetti-Outlet im Niebel-Laden, in dem italienische Heimtextilien angeboten werden. „Für die Zukunft hoffen wir, dass wieder mehr mitmachen“, sagt Henseler.
Das schließt der Drogeriemarkt dm, dessen Filiale geschlossen bleibt, nicht aus. Auch wenn sich die Unternehmensleitung auf Anfrage zu den Gründen nicht äußern möchte, lässt sie verlauten, dass das keine grundsätzliche Entscheidung für künftige verkaufsoffene Sonntage sei. Ebenso möchte das Schuhhaus Bödeker bei solchen Tagen wieder dabei sein. „Wir haben uns diesmal dagegen entschieden, weil kein Geschäft in unserem Bereich des Gewerbegebiets öffnet“, sagt Mona Bäder, Assistentin der Bödeker-Geschäftsleitung. Mit der Real-Markt-Baustelle vor der Tür seien die Bedingungen schon seit Ende Januar nicht optimal, „aber die Umsatzverluste sind weitaus weniger als befürchtet“, so ihr Fazit.
Mitarbeitern ihre Auszeit lassen
Für den Adler-Modemarkt hingegen sei es für die Entscheidung gegen eine Öffnung schon ausschlaggebend gewesen, dass der ehemalige Real-Markt derzeit geschlossen ist. Man erwarte zu wenig Kundschaft, teilt ein Unternehmenssprecher mit. Sobald der Markt wieder geöffnet habe, werde man bei solchen Aktionen wieder mitmachen.
Auch die Jysk-Filiale, ehemals Dänisches Bettenlager, bleibt geschlossen. Als Grund nennt Unternehmenssprecher Michael Rotermund auch hier, dass der Real-Markt als guter Frequenzbringer an diesem Tag fehle. Zudem öffneten sehr wenige Händler. „Auch haben wir erst jetzt erfahren, dass der verkaufsoffene Sonntag stattfindet“, sagt Rotermund.
Bei Fahrrad Koch liegen die Gründe woanders. Die Geschäfte des Fachhändlers liefen trotz Pandemie sehr gut, konnten sogar gesteigert werden, sagt Inhaber Udo Koch. In dieser Zeit sei aber immer wieder Personal wegen Krankheit oder Quarantänen ausgefallen. „Es waren anstrengende Jahre“, sagt er, darum möchte er seinen Mitarbeitern sonntags ihre Auszeit lassen. „Wir brauchen alle unsere Erholungszeit, was aber nicht heißt, dass wir grundsätzlich gegen einen verkaufsoffenen Sonntag sind.“
Andere sind schon lange nicht mehr dabei
Andere Händler wie der Obst- und Gemüseladen Vollreif oder das Künstlerbedarf-Geschäft Boesner öffnen schon seit einigen Jahren nicht mehr an solchen Aktionstagen. Es sei einfach nicht wirtschaftlich gewesen. „Es soll aber nicht der Eindruck entstehen, als wären wir gegen solche Tage oder als hätten wir das nicht nötig. Nein, die vergangenen Jahre haben uns wehgetan“, sagt Thorsten Kolz, Leiter der Boesner-Filiale in Mutterstadt. Es sei nur leider so, dass wenig Kunden den Weg ins Geschäft, das ganz am Anfang des Gebiets liegt, gefunden haben. „Das meiste war vor dem Real-Markt los“, sagt er. Auch die erhoffte Werbewirkung, also dass Kunden erstmals auf das Geschäft aufmerksam werden, habe sich nicht eingestellt.