Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Verfrühter Abschied: Wenn der Partner zu früh geht

Auf dem Friedhof im Ortsteil Roxheim hat Familienvater Dennis seine letzte Ruhestätte gefunden.
Auf dem Friedhof im Ortsteil Roxheim hat Familienvater Dennis seine letzte Ruhestätte gefunden.

Der Verlust eines geliebten Menschen gehört zu den schlimmsten Erfahrungen, die es gibt. Stirbt auch noch die feste Säule der Familie viel zu früh, kommen für die Hinterbliebenen zu der Trauer schnell existenzielle Nöte hinzu. Eine Extremsituation. Passiert ist genau das einer Familie aus Bobenheim-Roxheim.

„Wir sind mit unserem alten Opel Corsa spontan nach Waldfischbach zum Campen gefahren, das waren die schönsten zwei Tage“, erzählt Chantal Hupp. So spontan, das sei typisch für ihren Mann gewesen. Sie erinnert sich zwar an zahlreiche schöne Momente dieser Art mit Dennis. Doch gefragt nach einem besonderen Ausflug ist ihr zuerst dieser eingefallen. Später, als Rentner, wollten sie sich die Polarlichter in Norwegen anschauen. „Wir hatten viele Zukunftspläne dieser Art“, sagt die 43-Jährige.

Sie sitzt an ihrem Esstisch mitten in einem frisch renovierten gemieteten Haus, als sie von Dennis erzählt. Alles hier erinnert sie an ihn. „Die Küche hat er selbst geplant und aufgebaut.“ Das Möbelhaus habe sogar ein Foto davon machen wollen, weil sie so gut gelungen sei. Dennis habe immer für die Familie gekocht, eine ordentliche Küche sei ihm wichtig gewesen. „Er war immer für die Familie da und hat sich selbst hintangestellt.“ Erst im Mai ist die Familie hier eingezogen. Dennis habe das ganze Frühjahr zusammen mit der Vermieterin in Eigenregie renoviert. „Er war von März bis Mai täglich hier“, erzählt seine Frau. Alles zusätzlich zur körperlich anstrengenden Arbeit bei einem ortsansässigen Bauunternehmen. Essen kann Chantal Hupp an dem Tisch schon seit Monaten nichts mehr. „Es war die letzte Sache, die wir zusammen getan haben“, berichtet die Witwe. Seit Dennis nicht mehr da ist, hat sie deutlich abgenommen.

„Er war fit, er war nicht müder als sonst“

Die Geschichte der Hupps, die hätte eine mit Happy End werden sollen. Dennis ist in der Region früher als DJ unterwegs, auf einer dieser Partys lernt Chantal ihn kennen. Ein Paar werden die Wormserin und der Bobenheim-Roxheimer aber erst einige Jahre später, beide waren vorher immer in anderen Beziehungen. 2012 kreuzen sich ihre Wege wieder, und sie fangen an, sich zu daten. Zehn Jahre später heiraten die beiden. Ihr gemeinsamer Sohn ist mittlerweile fünf Jahre alt. Zum Familienglück gehört auch die 14-jährige Lia, die Mutter Chantal aus einer früheren Beziehung mitgebracht hat. Die Familie erfüllt sich mit dem Einzug ins Haus – wenn auch nur zur Miete – einen Traum und ist glücklich.

Nichts spricht am 4. Juli dafür, dass Dennis sterben wird. Nach dem gemeinsamen Abendessen besucht er zusammen mit Sohn Yannick die Großeltern. Später sitzt er mit Chantal noch auf der Terrasse, ehe er schlafen geht. „Er war fit, er war nicht müder als sonst“, sagt seine Frau. Es sei nicht ungewöhnlich gewesen, dass er sich im Hochsommer im Schlafzimmer unter dem Dach einfach auf den Fußboden gelegt habe und dort eingeschlafen sei. So auch an diesem Tag. Als Chantal ihn findet, liegt Dennis in schlafender Position auf dem Boden.

Mietkosten bereiten Witwe Sorgen

Als Todesursache wird später eine Lungenembolie festgestellt. Hupp, die seit 2010 als Medizinische Fachangestellte in der Kardiologie arbeitet, macht sich Vorwürfe. „Warum habe ich das nicht gemerkt“, fragt sie sich. Erst ein paar Wochen vor seinem Tod sei Dennis bei einer Untersuchung gewesen, bei der nichts gefunden worden sei.

Die 43-Jährige unterbricht das Gespräch für einen Moment, um vor der Tür eine Zigarette zu rauchen. Anfangs habe sie oft an der Treppe ihrer Eingangstür gesessen und darauf gewartet, dass er zurückkommt. Blickt man von der Treppe nach oben, sei dort ein Stern zu sehen, den sie inzwischen nach dem Verstorbenen hat benennen lassen. „Ich habe das für die Kinder gemacht, damit sie zu ihm aufsehen können, wenn sie ihn vermissen“, erzählt sie. Die Witwe ist ganz in Schwarz gekleidet. Der Schmerz über den Verlust ihres Mannes ist greifbar. Sie sagt Sätze wie: „Ich vermisse es, von ihm in den Arm genommen zu werden.“

Zum Trauma, das die Familie nun verarbeiten muss, kommen existenzielle Ängste hinzu. Die Risikoversicherung decke zwar die Kreditschulden der Familie, die sie wegen des Einzugs hatten. 1500 Euro koste alleine aber die monatliche Miete des Hauses. „Wir haben uns damals viele Wohnungen angeschaut, aber schon eine Drei-Zimmer-Wohnung hätte 1200 Euro monatlich gekostet“, begründet Hupp die Entscheidung für das Haus. Nun wollen die Kinder nicht mehr ausziehen, weil dort noch all die Erinnerungen an den Vater sind.

Hunderte erweisen ihm die letzte Ehre

„Überwältigend“ sei die Anteilnahme von Freunden und Familie. Regelmäßig sei ihr Essen vorbei gebracht worden. Eine online gestartete Spendenkampagne bringt zumindest ein bisschen Geld ein. Doch der Tod von Dennis Hupp, der sein ganzes Leben lang in Bobenheim-Roxheim gelebt hat, sorgt auch weit über den üblichen Familien- und Freundeskreis hinaus für Aufsehen. Mehrere Hundert Menschen, unter anderem viele Arbeitskollegen, seien zur Trauerfeier auf dem Roxheimer Friedhof gekommen. So viele, dass die Feier nach draußen verlegt wurde. Das berichtet Ralf Hettmannsperger, protestantischer Pfarrer der Gemeinde. Er hat die Trauerfeier im Sommer geleitet und die Rede gehalten. Den Verstorbenen kannte er persönlich. „Dennis war bei uns schon im Kindergarten. Später hatte ich ihn auch im Religionsunterricht sitzen“, erinnert sich der Pfarrer. Vier Tage vor Dennis’ Tod habe er ihn noch in einem Baumarkt getroffen.

„Durch den Todesfall fällt der Haupternährer der Familie weg“, weiß Hettmannsperger, der nach dem Verlust seelsorgerisch für die zwei Kinder und Chantal Hupp dagewesen ist. Die Mutter hat bisher nur in Teilzeit gearbeitet. Ob sie in ihren Beruf zurückkehren kann, weiß sie noch nicht. Dort gebe es regelmäßig Reanimationen und nahezu täglich Lungenembolien. Derzeit sei ihre Angst sehr groß, wieder zu arbeiten und eine Panikattacke zu erleiden. „Man steht vor dem Abgrund und weiß nicht, wie es weitergeht“, sagt sie.

Dennis Hupp (links) mit den Kindern und Ehefrau Chantal.
Dennis Hupp (links) mit den Kindern und Ehefrau Chantal.

Pfarrer Hettmannsperger hat deshalb angeregt, die Spenden, die beim Kinderfest des Sozialvereins Kunterbunt Ende September gesammelt wurden, Familie Hupp zugute kommen zu lassen. Welche Summe das genau ist, könne der Verein erst nach der kommenden Vereinssitzung sagen. Fest steht Andrea Hettmannsperger, der Leiterin des Familienbüros des Vereins, zufolge aber bereits, dass der Sozialverein die Spenden aus eigener Tasche verdoppeln will.

Spende

Wer für Chantal Hupp und ihre Kinder über den Sozialverein Kunterbunt spenden möchte, kann das über folgendes Konto machen: Sparkasse Vorderpfalz, IBAN DE83 5455 0010 0001 9227 98, BIC LUHSDE6AXXX, Verwendungszweck: Familie Hupp

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