Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Verein könnte Gelände verlieren: Brieftauben bald heimatlos?

Brieftauben in einer Voliere.
Brieftauben in einer Voliere.

In Zeiten von Messenger-Diensten, E-Mails und Co. wirkt das Hobby Brieftaubenzucht ein wenig aus der Zeit gefallen. Dennoch gibt es in Dudenhofen ein kleiner werdendes Grüppchen, das dieser Leidenschaft frönt – und diese nun durch eine Entscheidung der Gemeinde bedroht sieht.

„Brieftauben sind auch als Rennpferde des kleinen Mannes bekannt“, sagt Dieter Pook, der Vorsitzende des Brieftaubenvereins 05424 „Heimweh“ Dudenhofen. Auch wenn sie heute nicht mehr zur Nachrichtenübermittlung eingesetzt werden, werde ihre Zucht und Haltung sowie das Veranstalten von Wettflügen seit mehr als 150 Jahren als Freizeitbeschäftigung geschätzt. Seit 2022 gelte das Brieftaubenwesen in Deutschland sogar als immaterielles Kulturerbe, weist der 69-Jährige auf die Bedeutung seines Hobbys hin, dem er seit einem halben Jahrhundert nachgeht. In Dudenhofen sind die Taubenfreunde seit 1953 in einem Verein organisiert. Die damals noch steigenden Mitgliederzahlen hätten in den 1980er Jahren den Wunsch nach einem eigenen Gelände nach sich gezogen. 1986 bekam der Verein eine Fläche am heutigen Heiner-Wolf-Weg zugewiesen und baute dort in Eigenleistung ein Vereinsheim, das 1990 eingeweiht wurde.

Schon lange ohne Nachwuchs

Doch der Brieftaubenverein hat schon lange ein Nachwuchsproblem. Mittlerweile ist nur noch ein kleines Grüppchen übrig. Rund 15 Mitglieder, davon kaum mehr als eine Handvoll aktive, gibt es laut dem Vereinsvorsitzenden noch. Aus Speyer und St. Leon-Rot, wo es überhaupt keine Treffpunkte für die örtlichen Taubenfreunde mehr gibt, kommen Mitglieder mittlerweile nach Dudenhofen. Das Vereinsheim dort wird als Einsatzstelle der Reisevereinigung Südpfalz genutzt. Das heißt, dort werden die Brieftauben vor ihren Flügen hingebracht, um sie elektronisch zu registrieren und anschließend in einen Lkw zu verladen, der sie zum Startpunkt ihrer Reise transportiert – teils mehrere hundert Kilometer entfernt. In wenigen Monaten könnten die Vereinsmitglieder den für ihr Hobby essenziellen Stützpunkt verlieren.

Der Hintergrund: Der 1987 mit der Gemeinde geschlossene Pachtvertrag hatte eine Laufzeit von 35 Jahren, berichtet Pook. Vor zwei Jahren sei er deshalb beim Dudenhofener Bürgermeister Jürgen Hook (SPD) gewesen. Mit Blick auf das Alter und die Anzahl der Mitglieder habe man sich darauf verständigt, den Pachtvertrag nur zwei Jahre zu verlängern, sagt der Vereinsvorsitzende. Doch dabei gab es offenbar ein Missverständnis: Während Pook davon ausging, dass der Pachtvertrag nun immer im Zwei-Jahres-Rhythmus verlängert wird, bis es den Verein irgendwann nicht mehr gibt, war der Bürgermeister der Annahme, dass die Brieftaubenfreunde das Gelände zwei Jahre später nicht mehr brauchen.

Vorsitzender Dieter Pook vor dem Vereinsheim.
Vorsitzender Dieter Pook vor dem Vereinsheim.

Laut Bürgermeister Hook gibt es in Dudenhofen etliche Vereine, die gerne ein eigenes Vereinsheim hätten, unter anderem den Natur- und Vogelschutzverein. Vor rund einem Jahr habe der Ortsgemeinderat deshalb in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, den Pachtvertrag nicht zu verlängern, sondern das Gelände anderweitig zu vergeben, sagt Hook. Noch größer als bei Pook war die Überraschung und der Schock offenbar bei anderen Vereinsmitgliedern, die nichts von dem auslaufenden Vertrag wussten und in der jüngsten Ortsgemeinderatssitzung ihre Angst vor dem Verlust des Vereinsheims und damit der Möglichkeit, ihr Hobby auszuüben, formulierten. Er verstehe die Emotionen, entgegnete der Bürgermeister. „Es ist uns nicht leichtgefallen“, sagte er. Verantwortlich ist für ihn allerdings der Vorstand des Vereins, er weise jegliche Schuld von sich.

Um Zeit für eine Lösung zu gewinnen hat der Dudenhofener Rat laut Hook den Pachtvertrag jüngst bis Ende März 2025 verlängert, doch dann könnte endgültig Schluss sein für die Brieftaubenzüchter. Besonders bitter: Das in Eigenleistung erbaute Vereinsheim könnte an die Gemeinde fallen. „Hätte der Taubenverein vor zwei Jahren den Wunsch nach einem längeren Pachtvertrag geäußert, hätte man drüber reden können“, sagt der Hook. Doch mittlerweile sei das Gelände dem Natur- und Vogelschutzverein zugesagt.

Runder Tisch geplant

Wie geht es nun also weiter? „Wir sind an einer Lösung interessiert“, betont der Ortschef. Er wolle einen runden Tisch mit dem Brieftaubenverein sowie dem Natur- und Vogelschutzverein einberufen. Dass sich beide Vereine das Gelände teilen, wie zwischenzeitlich angedacht, scheint schwierig zu sein. „Beide Vereine haben viele Gerätschaften. Das funktioniert nicht“, bedauert Hook. Ein anderes Gelände, auf das die Taubenfreunde ausweichen könnte, ist nicht in Sicht.

Für den Dudenhofener Taubenverein würde der Verlust des Grundstücks und des Vereinsheims wohl das Aus bedeuten. „Ein paar würden wahrscheinlich direkt aufhören“, sagt Vorsitzender Pook. Denn die nächstgelegene Alternative, um die Tauben in ihre Boxen einzusetzen, wäre in Bellheim. Der Dudenhofener Verein braucht außerdem Platz, um die Transportboxen zu lagern sowie Lkw und Anhänger abzustellen. Die Mitglieder seien angesichts der Entscheidung der Gemeinde „stinksauer“, berichtet Pook.

Zu was „500 Gramm Federn, Muskeln und Knochen“ imstande sind, fasziniert den Schifferstadter auch nach 50 Jahren Taubenzucht und -haltung noch immer. Innerhalb kürzester Zeit könnten die Tiere von Hunderten Kilometer entfernten Orten nach Hause finden. „Davor habe ich Respekt“, sagt Pook, der hofft, dass er dieses Wunder der Natur auch in Zukunft noch hautnah erleben darf.

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