RÖMERBERG RHEINPFALZ Plus Artikel Vandalismus auf Gartengrundstücken: Mehr Randale aus Frust?

Was vom Spielhäuschen für Enkel und Urenkel übrig blieb: Reinhold Mehrhof ist schockiert über die Zerstörungswut der Täter auf s
Was vom Spielhäuschen für Enkel und Urenkel übrig blieb: Reinhold Mehrhof ist schockiert über die Zerstörungswut der Täter auf seinem Gartengrundstück.

Eine Spur der Verwüstung haben vor einigen Tagen mutmaßlich Jugendliche auf Gartengrundstücken in Römerberg hinterlassen. Entlädt sich immer häufiger der Corona-Frust? Die Kriminalstatistik zeigt eine Tendenz auf.

Reinhold Mehrhof ist immer noch geschockt, wenn er daran denkt, was Unbekannte vor gut einer Woche auf seinem rund 2500 Quadratmeter großen Gelände am Schänzelweg westlich von Berghausen angerichtet haben. Der Berghausener verbringt normalerweise fast jeden Tag auf dem Grundstück, auf dem er Obst und Gemüse anbaut und das er mit Gartenlaube und Spielgeräten für die sechs Enkel und Urenkel zu einer kleinen Oase gemacht hatte. Davon war fast nichts mehr übrig, nachdem sich – so die Vermutung der Polizei – fünf oder sechs Jugendliche in der Nacht auf Samstag, 27. Februar, Zugang zu dem umzäunten Gelände verschafft hatten, um dort zu randalieren. „Die haben alles zusammengeschlagen“, berichtet Mehrhof. Gläser, Maschinen, ein eigenes Spielhäuschen für die Kinder seien kaputt. Der 79-Jährige schätzt den Schaden auf bis zu 8000 Euro. „Der Garten ist mein Leben“, sagt der Römerberger, der begonnen hat, sein Grundstück wieder herzurichten.

Wie berichtet, ereigneten sich in der gleichen Nacht noch weitere Vorfälle. In der Nähe des Heiligensteiner Friedhofs wurden ein Garten- und ein Gewächshaus beschädigt und ein abgestelltes Auto übel zugerichtet. Am Ortsrand von Dudenhofen wurde ebenfalls in der Nacht auf jenen Samstag ein Hochsitz umgeworfen, ein Gartenhaus aufgebrochen und die Kabel einer Wildkamera durchtrennt.

Gut eine Woche später hat die Polizei immer noch keine Täter gefasst, wie Susanne Lause, Sprecherin der Polizeiinspektion Speyer, auf Anfrage sagt. Es werde noch ermittelt. Die Gegend, in der die betroffenen Gartengrundstücke liegen, sei bislang kein Schwerpunkt gewesen, wenn es um Vandalismus geht.

Nun liegt die Vermutung nahe, dass möglicherweise Jugendliche, denen in der Corona-Pandemie der Ausgleich an sinnvollen Freizeitbeschäftigungen fehlt, zunehmend Lust am Zerstören fremden Eigentums entwickeln. Doch ist die Zunahme solcher Fälle von Vandalismus tatsächlich eine mit Fakten belegbare Tendenz in den vergangenen Monaten? Thorsten Mischler, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Rheinpfalz, verweist dazu auf die Zahlen der Kriminalstatistik 2020 für die Vorderpfalz. Laut dieser ist im vergangenen Jahr die Anzahl der Sachbeschädigungen tatsächlich gestiegen: allerdings nur um 2,8 Prozent oder 185 Fälle. 6521 Delikte sind im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums registriert worden. Stärker haben Fälle von Hausfriedensbruch (plus 11,3 Prozent) und Beleidigungsdelikte (plus 10,1 Prozent) zugenommen. „Die Anstiege sind mit den Umständen der im Jahr 2020 vorherrschenden Pandemielage und einer damit einhergehenden Verlagerung der Gewaltkriminalität auf diese Delikte zu begründen“, heißt es in der Kriminalstatistik.

Geschädigter zahlt Belohnung

Die Anzahl der tatverdächtigen Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden an allen Straftaten hat 2020 hingegen leicht abgenommen. Das männliche Geschlecht ist übrigens stark überrepräsentiert. Die Aufklärungsquote für „Sonstige Straftatbestände“, worunter unter anderem Sachbeschädigung fällt, lag 2020 bei 60,1 Prozent. Allerdings: „Während bei Beleidigungen der Täter meist gleich mitgeliefert wird, ist bei Sachbeschädigungen die Aufklärungsquote traditionell geringer“, sagt Mischler. „Oft fehlen Zeugen und Spuren.“

Im Fall des Gartengrundstücks von Reinhold Mehrhof hat es Zeugen gegeben. Ein Nachbar habe die Taschenlampen der Gruppe gesehen und den Lärm gehört. Ob das reicht, um die Täter zu finden, wird sich zeigen. Mehrhof möchte dazu beitragen, indem er für Hinweise, die zur Überführung der Täter beitragen, eine Belohnung von bis zu 1000 Euro in Aussicht stellt. Bei der Polizei ist man eher skeptisch, was solche auf eigene Faust ausgelobten Belohnungen angeht: „Das kann auch Falschmeldungen zur Folge haben“, sagt Susanne Lause. Und auch für Mischler ist es „ein zweischneidiges Schwert“. Besser sei es, dies mit der Polizei abzuklären, so Lause.

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