Rhein-Pfalz Kreis Unglücke bewegen
Es schließt einen weißen Fleck in der Geschichte von Stadt und BASF: das Buch „Als wäre das Ende der Welt da“ von Lisa Sanner, das die beiden Explosionskatastrophen in der BASF von 1921 und 1948 aufgreift. Gestern ist es im Stadtarchiv vor über 80 Interessierten vorgestellt worden.
Die Doktorarbeit von Lisa Sanner ist Band 42 der Reihe der Veröffentlichungen des Stadtarchivs Ludwigshafen. Die Autorin, Jahrgang 1983, zeigte sich ganz gerührt angesichts des großen Interesses an ihrem fast 500 Seiten dicken Werk. Ein Foto des Oppauer Explosionskraters von 1921, so erzählte sie, war der Auslöser für ihre Abschluss- und später auch Doktorarbeit. „Ich habe mich noch nie mit Katastrophen beschäftigt, schon gar nicht aus wissenschaftlicher Perspektive“, sagte die Historikern. Sie begann zu recherchieren und stellte fest, dass es sehr wenige Informationen über beide Explosionsunglücke gab. „Genau das war der Reiz für mich. Ich wollte dann alles ganz genau wissen“, verriet sie. Sechs Jahre lang haben die Katastrophen sie begleitet und in die Archive der Region geführt. Herausgekommen ist ein lesenswertes Buch mit zahlreichen Illustrationen, das die beiden gewaltigen Industrieunglücke in die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge der jeweiligen Zeit einbettet. „Man muss den Kontext der Katastrophen kennen, um sie zu verstehen“, sagte Sanner. Bei ihren Recherchen hat Lisa Sanner viele Parallelen zwischen den beiden Unglücken herausgearbeitet: Beide Explosionen ereigneten sich drei Jahre nach dem Krieg in angespannter wirtschaftlicher und politischer Lage, in derselben Firma und während der französischen Besetzung der Pfalz. Zum Teil waren sogar dieselben Menschen betroffen. „Die Katastrophen trafen eine verwundbare Gesellschaft, die eigentlich gar nicht die Kraft zur Bewältigung hatte“, erläuterte sie. Doch gab es in beiden Fällen eine überwältigende Welle der Hilfsbereitschaft. 1921 wurde der Krater sogar zum beliebten Ausflugsziel – eine frühe Form von Katastrophentourismus. Die Neugierigen wurden als „Hyänen des Schlachtfelds“ bezeichnet. Und auch die Schuldfrage wurde nie geklärt. Noch Fragen? Das Buch ist beim Stadtarchiv und im Buchhandel für 25 Euro erhältlich.