Mutterstadt
Unfall, Brand, Unter-Wasser-Einsatz: Kreisfeuerwehrtag bietet Action und Einblicke
Die Sonne steht steil am Himmel, keine einzige Wolke trübt das Blau, als am Sonntag auf der Neustadter Straße in Mutterstadt ein Feuerwehreinsatz den nächsten jagt. Doch weder eine Brandserie noch eine Unfallhäufung im Straßenverkehr sind die Ursache für den Auflauf der Rettungskräfte. Der Grund für die Action ist der erste Kreisfeuerwehrtag in Mutterstadt seit mehr als 15 Jahren.
Das Szenario: Direkt vor dem Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Mutterstadt hat ein Auto einen Fahrradfahrer angefahren. Der Radler liegt eingeklemmt unter der Vorderachse des Wagens. Doch Hilfe naht bereits, das Martinshorn des Einsatzfahrzeugs der Freiwilligen Feuerwehr Schifferstadt ertönt. Kurz darauf hält der Wagen schon an der Unfallstelle. Die erste von drei Schauübungen zeigt ein nicht seltenes Szenario, sagt Moderator Markus Keßler von der Schifferstadter Wehr. Seine Kollegen sind besonders gut für die sogenannte technische Hilfeleistung ausgerüstet. Dazu zählen verschiedene Geräte, um ein Auto behutsam anzuheben und Teile der Karosserie aufzuschneiden.
Innerhalb weniger Minuten gerettet
Die Mitarbeiter der Rettungsdienste von Deutschem Roten Kreuz (DRK) und Malteser Hilfsdienst müssen schließlich schnell an eine verletzte Person herankommen. Das gelingt bei der Schauübung mit dem Verkehrsunfall innerhalb weniger Minuten. Dazu trägt nicht zuletzt die „gute Kommunikation“ zwischen den verschiedenen Organisationen bei, wie Moderator Markus Keßler betont.
Bevor die nächste Übung beginnt, ist ein wenig Zeit, um sich auf dem benachbarten Parkplatz eines Lebensmittelmarkts umzuschauen. Dort sind rund zwei Dutzend Fahrzeuge verschiedener Rettungsdienste ausgestellt. Außer Feuerwehren aus dem Rhein-Pfalz-Kreis gehören dazu unter anderem das Technische Hilfswerk (THW), Ortsverband Ludwigshafen, und der Maltester Hilfsdienst aus Schifferstadt. Sascha Jülly, der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Mutterstadt, sagt im Gespräch mit der RHEINPFALZ, dass rund die Hälfte der 24 Feuerwehren im Kreis am Wochenende vertreten ist. Hinzu kommen die Berufsfeuerwehren Mannheim und Ludwigshafen sowie Angehörige der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) Neuhofen.
Am Samstag sind Wettkämpfe der Jugendfeuerwehren gelaufen; das Kommando hatte dabei Axel Fischer, stellvertretender Brand- und Katastrophenschutzinspekteur (BKI) des Kreises. Am Sonntag sind drei Schauübungen geboten: Verkehrsunfall, Gebäudebrand (Jugendfeuerwehr Limburgerhof) und Höhenrettung (Jugendfeuerwehr Mutterstadt).
Die Feuerwehr Mutterstadt steht nach Auskunft von Jülly gut da: „Wir haben 68 aktive Wehrleute und 23 Kinder und Jugendliche in der Jugendfeuerwehr“, teilt er mit. Das Feuerwehrgerätehaus wurde erst 2005 gebaut und vor dem Kreisfeuerwehrtag extra nochmal frisch gestrichen, wie er sagt. In zwei Wochen gibt es für die Wehr ein neues Drehleiterfahrzeug. Dann würden erstmal Kollegen in der Bedienung geschult, bis das Fahrzeug eingesetzt und sein Vorgänger ausgemustert werden kann, erklärt Jully. Der Korb des Neuzugangs könne ein größeres Gewicht tragen, was wichtig für die Rettung von schwergewichtigen Personen sei.
An den Wettkämpfen der Jugend am Samstag haben auch die Mutterstadter teilgenommen. Auf der Liste von Rainer Schädlich, dem Brand- und Katastrophenschutzinspekteur (BKI) des Kreises, stehen zehn Jugendfeuerwehren als Teilnehmer. Die Teams Schifferstadt eins, Speyer eins und Römerberg belegten die Plätze eins bis drei.
Auch Taucher zeigen ihr Können
Gut klappt auch der Löschangriff von sieben Mitgliedern der Jugendfeuerwehr Limburgerhof am frühen Sonntagnachmittag auf einen Kasten aus Metall, der ein Gebäude symbolisiert. Mittels einer Nebelmaschine steigt Rauch beziehungsweise Dampf aus dem Teil auf – und die Nachwuchsfeuerwehrleute legen in Windeseile Schläuche aus, um mit C-Rohren den Angriff auf den Brand zu beginnen. Dutzende Schaulustige verfolgen das Geschehen. Nach rund fünf Minuten heißt es dann: Feuer aus. Nebenan steht das Element Wasser ebenfalls mit Mittelpunkt. Angehörige der DLRG Neuhofen haben dort einen Wassertank mit Bullaugen aufgestellt, in den immer wieder Taucher hineinsteigen und – in Kooperation mit einer Art Unter-Wasser-Drohne – verschiedene Einsatzszenarien durchspielen, wie Frank Markgraf, der stellvertretende Einsatzleiter, erklärt.
Zu den Attraktionen auf dem Supermarktparkplatz, der sich bereits am Sonntag ab 14 Uhr zusehends leert, zählen neue Motorräder der Malteser aus Schifferstadt. Notfallsanitäter Frederic Leonhardt lässt gerne Besucher darauf zur Probe sitzen und erklärt die Technik der Zweiräder, die nur dank Spenden hätten angeschafft werden können. Wichtig sei für die flexiblen Einsatzfahrzeuge, etwa bei Staus oder bei Flutkatastrophen wie ihm Ahrtal, dass sie nun in die Alarmierungsketten integriert werden. Laut BKI Schädlich laufen die Planungen dafür gerade.