Rhein-Pfalz Kreis Und jährlich grüßt das Bon-Debakel ...
Feste in Mutterstadt und insbesondere die Kerwe Ende August sind seit jeher Quell steter Freuden und gleichsam logistische Herausforderungen. Um bei dieser aufwendig inszenierten Art des Bon-Erwerbs am Abend nicht Hunger zu leiden oder in einer der langen Schlangen sich dürstend dem Warteschicksal anheim geben zu müssen, ist es angeraten, sich recht früh mit der geschätzten Menge an Bons für den Rest des Abends einzudecken – inklusive des jeweiligen Pfands! Denn diese völlig aus der Zeit gefallene Regelung ist ein Alleinstellungsmerkmal Mutterstadts. Ein solches gereicht gemeinhin zum Vorteil für denjenigen, der es besitzt. In diesem Falle jedoch erweist es sich als gewaltiger Schuss in den Ofen. Um leere Gläser gegen volle tauschen zu können, müssen selbige erst einmal abgegeben werden, was – Sie ahnen es bereits – erneut in unsäglichem Warten in ebenso langer Schlange mündet. Doch der Bon-Vorratkäufer hat immerhin einen Vorsprung: Er spart das marternde Schlangestehen an der Kasse und kann sich direkt zum Ausschank bequemen. Wo es – sehr zum Frust der meisten Vereine – nicht immer zügig vorangeht. Aber auch dies ist nicht neu und trifft den Festbesucher dieserhalb nicht unerwartet. Dass der Zorneskamm bei den Besuchern trotzdem schwillt, ist eine zutiefst menschliche und deshalb äußerst nachvollziehbare Gemütsregung. Das Pfandsystem, über das auch dieses Jahr wieder an vielen Stellen zu Recht geschimpft und das mit unverhohlenem Unverständnis quittiert wurde, ist ein Beweis dafür, wie man es schaffen kann, einen maximalen Verwaltungsaufwand mit minimalstem Ergebnis zu erzeugen. Einfach formuliert: Warum einfach, wenn es auch saumäßig kompliziert geht? Auf diese Art und Weise werden Hunderte von Euro im Umlauf gehalten. Chapeau! Es führte schon dazu, dass an der Pfandkasse für mehr als eine halbe Stunde kein Bargeld vorhanden war, bis die nächsten Münzrollen beschafft waren. Konsequenzen? Fehlanzeige. Dabei wäre alles so einfach und hätte auch verhindert, dass für fremde Gläser Pfand kassiert werden kann. (Nun, dieses Jahr hat man sich durch einheitliche Ausgabe von Dubbegläsern zumindest dieses kostenintensiven Teilproblems entledigt.) Verkauft die Bons mit Pfandmarken. Gegen einen Getränkebon und ein leeres Gefäß erhält der Gast ein frisch gefülltes. Und wer am späten Abend noch im Besitz seiner Pfandmarke oder seines -chips ist, erhält den Pfand. So macht es die ganze Pfalz, ach was – die halbe Welt! Aber diesbezüglich scheint Mutterstadt, das war an dieser Stelle schon öfter Gegenstand nachdenklicher Betrachtungen, unbelehrbar. Allerdings sollten sich die Verantwortlichen des Themas trotzdem stellen. Der Besucherzustrom bei der Kerwe hat – trotz Grand Malör – gefühlt nachgelassen in den vergangenen Jahren. Und die Anzahl derer, die sich ob dieses Systems fassungslos an den Kopf greifen, wächst.