Rhein-Pfalz Kreis „Und dann werde ich still“
Wenn ich eine Krippe betrachte, werde ich still. Ich nehme ja Anteil an der intimen Situation einer jungen Familie – direkt nach der Geburt. Ich bin berührt im Herzen. Und nicht nur von dem, was ich sehe. Auch von dem, was auf den ersten Blick nicht sichtbar ist: Dass Gott in diesem Kind Mensch wird. Sich gleich macht mit uns Menschen. Und das lässt mich noch stiller werden. Da spielt es für mich auch keine Rolle, wie die Krippe aussieht – ob es die in Waldsee ist, künstlerisch bis ins letzte Detail ausgestaltet. Oder ob es die Krippe in Neuhofen ist, die einst Pfarrer Mattes mit Kindern getöpfert hat und an all deren Figuren inzwischen ein Eckchen fehlt. Ich fühle mich eher als Ochs vorm Berg oder dummer Esel – ohne den beiden biblischen Tieren mit dieser Assoziation zu nahe kommen zu wollen ... Aber ich frage mich, ob das wirklich alles so passiert sein kann. Ochs und Esel kommen gar nicht im Lukasevangelium vor ... Aber in der Bibel? Das schon. Jetzt haben Sie mich aus dem Tritt gebracht. Aus meiner Zweiflerrolle und der Frage, ob sich damals vor über 2000 Jahren alles so ereignet hat, wie es uns die Weihnachtsgeschichte erzählt. Für mich ist das gar keine Frage, ob das in der Krippe Dargestellte als historische Wahrheit beweisbar ist. Das ist ein Anspruch, der für unsere Zeit heute typisch ist, den aber weder die Weihnachtsgeschichte noch andere biblische Geschichten erfüllen. Ja erfüllen wollen. Das macht es aber nicht einfacher. Schauen wir mal im Geiste auf eine Krippe. Der Stall als Herberge scheint ja noch plausibel. Aber... Stopp. Sie sagen Stall. Da fängt es ja schon an, was man sich vorstellen kann und was nicht. Waren Sie schon mal in Bethlehem? Nö. Da gibt es weite Hirtenfelder und die Ställe sind Felsüberhänge oder kleine Höhlen. Der Stall ist kein Fachwerkgebäude mit Schneehäubchen. Aber wir dürfen das so darstellen, weil wir die Weihnachtsgeschichte inkulturiert haben. Sie angenommen haben. Wir glauben: Die Weihnachtsgeschichte hätte auch bei uns passieren können. Hätte? Ist. Sie i s t passiert. Und Josef steht da so fromm neben dem Kind und glaubt an den Heiligen Geist? Er wollte Maria ja schon verlassen, weil sie ein Kind bekommt, das nicht von ihm ist. Aber der Engel hat ihm klar gemacht, Jesus braucht auch ihn als Vater. Er ist also geblieben. Der hat es gut gehabt. Der hatte einen Engel, der ihn auf den richtigen Weg gebracht hat. Ich will auch einen Engel. Ich manchmal auch. Oha! Zweifeln Sie etwa? Kommen Sie, so ein klitzekleines bisschen kommt auch Ihnen die Weihnachtsgeschichte unglaubwürdig vor. Oder? Sie ist glaubwürdig. Sie ist es würdig, geglaubt zu werden – in dem Sinne, dass sie es wert ist, geglaubt zu werden. Die Botschaft, die in ihr steckt, ist glaubenswert: Gott wird Mensch, um uns zu erlösen. Und das gilt nicht nur für die Mächtigen, die Privilegierten, sondern für alle Menschen. Deshalb bekommen die Hirten, die weit unten in der Gesellschaft stehen, als erstes davon Kunde. Die haben aber auch ’nen Engel gekriegt ... (lacht) Sogar eine ganze Engelsschar. Und sehen Sie, wenn Gott für die Allerletzten Mensch wird, kann keiner sagen: für mich nicht. Und das lässt mich vor der Krippe still werden: Für mich ist Gott Mensch geworden. Und wenn in die Stille die Zweifel schreien? Wissen Sie, Sie können zweifeln. Sie können aber auch einfach staunen – so wie Sie es eingangs beschrieben haben: ergriffen und mit glänzenden Augen. Das Staunen sitzt tief im Herzen. Der Zweifel im Kopf. Aber als Mensch sind Sie nicht nur Kopf.