Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Unbekannte schießen auf Vögel

Röntgenaufnahmen der Ringeltaube, die bei der Wildvogelhilfe gelandet ist. Auf sie wurde in Frankenthal geschossen.
Röntgenaufnahmen der Ringeltaube, die bei der Wildvogelhilfe gelandet ist. Auf sie wurde in Frankenthal geschossen.

Wildvogelhelfer schlagen Alarm: Bei ihnen werden vermehrt Vögel mit Schussverletzungen abgegeben. Auf der Suche nach den Schützen ist die Polizei auf Zeugen angewiesen.

„Dieses Jahr habe ich schon vier Wildvögel in Pflege genommen, die angeschossen wurden“, sagt Sandra Manier, stellvertretende Vorsitzende der ehrenamtlichen Wildvogelhilfe, die aus der Wildvogel-Auffangstation Nonnenhof in Bobenheim-Roxheim hervorgegangen ist. In ihrer Wohnung in Rohrbach (Kreis Südliche Weinstraße) betreut sie derzeit zwölf Schwalben, sieben Wasservögel und zwölf rabenartige wie Elstern und Krähen.

Erst am vergangenen Donnerstag musste Manier eine Kanadagans aus Speyer einschläfern lassen. Der Wasservogel war zwei Wochen zuvor zu der Päpplerin gebracht worden. Er konnte nicht laufen, war abgemagert, hatte Durchfall. Er schafft es letztlich nicht zu überleben. Im Röntgenbild wird klar: Die Gans hatte eine alte Schussverletzung, vier Geschossteile steckten in ihrem Hüftbereich und im Hüftgelenk. „Es ist nicht klar, wann jemand, vermutlich sogar mit Schrot, auf den Vogel geschossen hat“, erklärt Manier. Sie habe trotzdem Anzeige gegen unbekannt bei der Polizei erstattet.

Verdächtiges melden

Stefan Heißler vom Sachbereich Einsatz bei der Polizeiinspektion Frankenthal sagt, die Ermittlungen in solchen Fällen seien oft schwierig, weil die Vögel oft erst gefunden werden, wenn sie verendet seien. Ermittlungsansätze ergeben sich demnach vor allem dann, wenn jemand etwas gesehen hat. Ohne Zeugen sei es schwer, die Tat zuzuordnen. Deshalb ruft Heißler Bürger dazu auf, verdächtige Wahrnehmungen der Polizei zu melden.

Kanadagans kämpft mit dem Tod: Das Tier konnte wegen seiner Schussverletzung nicht gerettet werden.
Kanadagans kämpft mit dem Tod: Das Tier konnte wegen seiner Schussverletzung nicht gerettet werden.

Neben einem Halsbandsittich aus Worms, der einen Durchschuss am linken Flügel aufwies und der am Ende eingeschläfert werden musste, wurde auch eine Ringeltaube aus Frankenthal mit frischen Schussverletzungen in diesem Jahr schon zu Manier gebracht. „Ich habe das Diabologeschoss aus der Taube entfernen lassen, nachdem sie eingeschläfert werden musste, und habe es mit der Anzeige bei der Polizei eingeschickt.“ Die Hoffnung: Spuren, die zu einer vielleicht schon bekannten Waffe führen, sodass ein Zusammenhang zwischen den Vorfällen erkennbar werden könnte.

Das sei allerdings äußerst unwahrscheinlich, sagt Polizist Heißler. Täter nutzten häufig Softair-Pistolen mit kleinen Plastikkugeln als Munition oder Luftdruckwaffen mit Diabologeschossen. Beide Waffenmodelle würden mit ihrem glatten Lauf keine Spuren auf den Kugeln hinterlassen. Es gebe keine markanten Merkmale, um die Kugeln einer bestimmten Waffe zuzuordnen. Dennoch verstoßen die Täter gegen das Tierschutzgesetz – und auch das Schießen im öffentlichen Raum kann laut Heißler eine Ordnungswidrigkeit darstellen.

Werden Flügel oder Gelenke zertrümmert, besteht für die Vögel wenig Hoffnung darauf, je wieder fliegen zu können.
Werden Flügel oder Gelenke zertrümmert, besteht für die Vögel wenig Hoffnung darauf, je wieder fliegen zu können.

Manier wünscht sich, „dass Menschen ihre Augen und Ohren offen halten, da dies ein Trend ist, den ich für verabscheuungswürdig halte – und ich befürchte, dass sich diese Vorfälle nur noch mehren werden. “ Gezielt würden die Gelenke der Tiere zertrümmert. „Da fliegt ein Vogel dann nie wieder“, zeigt sie sich bestürzt. Die Polizei nimmt die Vorfälle nach ihrem Empfinden ernst. Die ehrenamtliche Päpplerin hofft, dass die Polizei verständigt wird, wenn den Leuten etwas komisch vorkommt im Zusammenhang mit Wildvögeln. Wer sich von Vögeln zum Beispiel an Seen oder in Parks gestört fühle, solle daran denken, dass das der Lebensraum dieser Arten ist.

Noch Fragen?

Mehr Informationen zur Arbeit der Wildvogelhilfe und Verhaltentipps unter www.ehrenamtliche-wildvogelhilfe.de.

Mehr über die Arbeit der Wildvogelhelfer lesen Sie hier: Zwei Schwäne aus Ebertpark misshandelt

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