Rhein-Pfalz Kreis „Umsteigen in die Zukunft“

Kaffeepause am Steuer:
Kaffeepause am Steuer:
Herr Tachkov, Sie wohnen in Wachenheim und arbeiten in Ludwigshafen. Wie legen Sie den Weg zurück?

Teils mit dem Auto, teils mit dem Rad. Weil ich mit dem Rad zu lange für die Strecke brauche, so etwa eine Stunde, habe ich mir ein S-Pedelec – also ein schnelles E-Rad – gekauft. Damit bin ich deutlich schneller unterwegs und brauche kein Auto mehr – zumindest für den Weg zur Arbeit. Zu viele Leute fahren mit dem Auto zum Job. Wie lässt sich das ändern? Der Fokus des Projekts liegt auf der klimafreundlichen Mobilität und knüpft an das Ereignis des Hochstraßenabrisses an. Es geht darum, ein gutes Gesamtangebot bereitzustellen, damit ein Umsteigen in die Zukunft gelingt. Konkret bedeutet das? Es reicht nicht, einen Teil einer Wegstrecke zu gestalten, etwa einen guten Radweg, wenn am Arbeitsplatz Einrichtungen wie Duschen, Umkleiden oder ein Reparaturservice fehlen. Dafür müssen wir Anreize schaffen. Das Gesamtpaket muss stimmen. Es muss so attraktiv sein, dass man umsteigen möchte. Vielleicht sogar, dass der Weg zum Arbeitsplatz zum Erlebnis wird. Das Gleiche gilt für den öffentlichen Nahverkehr, auch da gibt es Verbesserungsmöglichkeiten. In der Studie wollen wir die Perspektive der Nutzer einnehmen und herausfinden, welche Bausteine wir anpacken müssen. Also ein ganzheitlicher Ansatz? Ganz genau. Wir betrachten alle möglichen Komponenten, die dazu führen, dass Alternativen wie Fahrräder, Pedelecs, E-Bikes, Busse oder Bahnen attraktiver werden im Vergleich zum Status quo Autofahren. Da gibt es diverse Bestandteile. Wichtig ist auch die Infrastruktur und wie man Verkehrsmittel verknüpfen oder kombinieren kann, also der intermodale Verkehr. Es geht um gute Zukunftslösungen und die Frage, welche Bedürfnisse und Präferenzen die Menschen haben. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die eigentlich bereitwillige Leute hindern, das Auto öfter oder immer stehen zu lassen. Für eine verstärkte Rad- und E-Bike/Pedelec-Nutzung zum Beispiel ist die Vorderpfalz mit ihrem flachen Gelände ja geradezu ideal. Wie ermitteln Sie Pendlerwünsche? Wir haben große Arbeitgeber als Partner und die Verwaltungen aus Ludwigshafen und dem Rhein-Pfalz-Kreis mit im Boot. Bei den Mitarbeitern dieser Institutionen erheben wir unsere Daten und haben da einen innovativen Ansatz. Und der sieht wie aus? Wir machen nicht irgendeine Befragung nach dem Motto „Was hättet ihr gerne, damit ihr künftig mit dem Rad fahrt?“ Stattdessen werden wir Online-Experimente durchführen. Diese ermöglichen es, die Auswahl zwischen Verkehrsmitteln und Mobilitätsoptionen – ÖPNV, Fahrrad/E-Bike, Fahrgemeinschaften, Auto und so weiter – zu simulieren. Dabei können die zur Auswahl gestellten Optionen unterschiedlichste Ausgestaltungen annehmen. Aufgrund des erfassten Auswahlverhaltens können wir dann ermitteln, welchen Nutzen denkbare Maßnahmen und Maßnahmenpakete den Pendlern stiften. Angelegt ist die Studie auf zwei Jahre – ein recht langer Zeitraum. Wir gehen bei der Studie natürlich auf die einzelnen Standorte ein. Von daher haben wir mehrere ähnliche, aber eben auch individuelle Untersuchungen. Das dauert seine Zeit. Im zweiten Jahr wird es Konzeptbeschreibungen geben, die zeigen, welche Kombinationen von Maßnahmen besonders interessant sind und wie sie umgesetzt werden können. Die Umsetzungen selbst sind nicht Teil des Projekts – hier sind im Anschluss die Projektpartner gefragt. Ich packe also mein Rad ins Auto, um damit in die S-Bahn zu steigen. In Ludwigshafen angekommen, radle ich zu meinem Arbeitgeber – wäre das so eine Kombination? Ja, wenn man die S-Bahn-Station nicht vor der Haustür hat. Möglicherweise stellt sich in diesem Fall die Frage, wo man sein Rad beim Arbeitgeber geschützt abstellen oder sich umziehen kann. Das müssen wir bei unseren Überlegungen berücksichtigen. Wie ist es denn bei Ihrem Arbeitgeber? Nach 25 Kilometern im Sattel sind Sie sicher verschwitzt. Bietet die Hochschule Duschmöglichkeiten an? Leider nein. Deshalb ist die Hochschule ja auch mit im Boot. Beim anstehenden Campus-Neubau könnten die Voraussetzungen geschaffen werden, dass künftig nicht so viele Leute wie bisher mit dem Auto kommen. | Interview: Steffen Gierescher

Philipp Tachkov
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