Lambsheim
Umlaufsperren auf Radwegen: Leser sagen ihre Meinung
Besonders die Barrieren am Eppsteiner Weg an den Einmündungen der Straßen Im Feldchen, Am Fuchsbach und Brandweg sind der Gemeinderatsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen ein Dorn im Auge, weil Radfahrer Vorfahrt haben und trotzdem abgebremst werden. Auch andernorts im Dorf stellen die Grünen die rot-weißen Bügel infrage. Sie verweisen auf Richtlinien und Empfehlungen von Fachleuten und fordern von der Verwaltung, das umweltfreundliche Radfahren zu fördern statt zu gängeln. Was meinen die Leser?
„Sie sind stellenweise gefährlich angebracht“, schreiben Olaf Steffens und Sylvia Drangsal zum Thema Umlaufsperren. Martin Hirsch meint, sie seien besonders für Rollstuhlfahrer, Radfahrer mit Gepäcktaschen oder Fahrradanhänger sowie Lastenräder und Tandems schwer zu passieren. „Beim Durchfahren kann man hängenbleiben, sein Rad beschädigen und sich verletzen. Selbst wenn man das Rad neben sich schiebt, wird es eng“, kritisiert er.
„Eine einzige Katastrophe“
Die 85-jährige Anna Lee hält besonders die Barrieren Im Feldchen für überflüssig. „Für ältere Radfahrer ist das ständige Ab- und Aufsteigen eine große Verunsicherung beziehungsweise Belastung.“ Simone Riegel vermutet: „Diese Umlaufsperren sind von der Lobby der Automobilindustrie aufgestellt worden, damit mehr umweltfreundlich denkende Menschen aufs Auto umsteigen.“ Die Barrieren seien eine einzige Katastrophe. „Viele Radler fahren verständlicherweise deshalb auf der Straße und nicht auf dem Radweg“, schreibt sie.
Benjamin Peikert räumt ein: An manchen Stellen, zum Beispiel am Lambsheimer Friedhof, könne die Umlaufsperre dem Schutz der Fußgänger dienen. An anderen, wie am Eppsteiner Weg, „nehmen sie dem Radfahrer faktisch die Vorfahrt“. Ralf Wittmann meint zu den Sperren am Friedhof: „Wer hier durchfahren möchte, sollte Erfahrungen aus dem Kunstradsport mitbringen.“
Peter Heß berichtet, besonders an der Kreuzung Im Feldchen/Eppsteiner Weg habe er mehrfach erlebt, dass sich Autofahrer im Recht fühlten und Radfahrer bedrängten, die eigentlich Vorfahrt haben. „Richtig nervig“ findet Ralf Wittmann die beiden Sperren an dieser Stelle. Sie stünden nur 1,40 Meter auseinander und überlappten sich um 80 Zentimeter. „Die unnötige Krönung stellt dann noch der Übergang von Radwegplatten zu Wiese und Erdboden dar“, schreibt er. Dadurch bestehe die Gefahr, zu stolpern oder wegzurutschen.
Von der Entfernung der Umlaufsperren Im Feldchen Richtung Bahnübergang rät Lars Pletscher dagegen ab, da auf diesem Teilstück viele Kinder spielten „und hier ein Entfernen zu einem erheblichen Gefahrenherd führen könnte“.
Zukunftsfähiges Gesamtkonzept für alle
Benjamin Peikert sieht eher ein strukturelles Problem. Die Umlaufsperren zeigten, wie von der Politik in den vergangenen Jahren die Prioritäten bei der Verkehrsplanung falsch gesetzt worden seien. „Wenn wir mehr Menschen zum Radfahren motivieren wollen, braucht es keine Privilegien für Radfahrer, aber jene sollten zumindest gleichwertig behandelt werden.“ Auch Olaf Steffens und Sylvia Drangsal vermissen „ein intelligentes, auf Fußgänger, Rad- und Autofahrer abgestimmtes Gesamtkonzept, das in die Zukunft ausgerichtet ist“. Ralf Wittmann sieht in der Aufgabe „unsere gesellschaftspolitische Verantwortung für nachfolgende Generationen“.
Wie könnte so ein Konzept aussehen? Peter Heß fordert: „Weg mit den unsinnigen Hindernissen für Radfahrer und an der unübersichtlichen Einfahrt Im Feldchen ein Stoppschild für Autos.“ Lars Pletscher plädiert dafür, den Übergang an dieser Stelle farblich zu markieren, um so zu signalisieren, dass der Radverkehr Vorrang genießt. Martin Hirsch schlägt zusätzlich ein Radfahrer-Symbol auf der Straße sowie Markierungsstreifen, Fahrbahnschwellen oder eine Erhöhung des Radwegs vor.
Benjamin Peikert wünscht sich unter anderem breite Radwege und – wo nötig – auch bauliche Veränderungen wie Poller und Randsteine, „und zwar zu Lasten derer, von denen Gefahr, Lärm und CO2 ausgehen.“ Ralf Wittmann findet, man könnte die Umlaufsperren generell nicht rechtwinklig zur Fahrtrichtung, sondern im 45-Grad-Winkel anbringen. „Natürlich in weitem Abstand, nicht überlappend und ohne Stolperstellen.“ Zudem brauche es Öffentlichkeitsarbeit durch Politik und Verbände, um den Stellenwert der Radfahrer im Straßenverkehr zu verändern. „Haben die Holländer auch geschafft“, kommentiert Wittmann.
Nicht ins Ausland, nur nach Maxdorf schaut Udo Bentz. „Ich bin mal den 750 Meter langen Heideweg mit dem Rad abgefahren“, berichtet der Lambsheimer. „Da gibt es neun Straßeneinmündungen und keine einzige Barriere!“ Dafür, dass die Bauverwaltung von Beschwerden der Radfahrer nichts gehört haben will, gibt es nach Ansicht von Bentz einen einfachen Grund: „Weil die Leute keine Hoffnung haben, dass das irgendetwas bewirkt. Respekt vor den Grünen, dass die das Thema mal aufgegriffen haben.“
Gemeinde will Arbeitsgruppe gründen
Ob Umlaufsperren in Lambsheim entfernt werden oder nicht, entscheidet sich erst, nachdem nach den Sommerferien eine Verkehrsschau mit Vertretern von Gemeinde, Verbandsgemeinde und Behörden stattgefunden hat. Nach Angaben von Verbandsbürgermeister Michael Reith (SPD) hat der Ältestenrat der Ortsgemeinde festgelegt, dass ein „Runder Tisch Verkehrssituation“ gebildet wird. Er soll am 5. Juli erstmals tagen und eine Liste mit Verkehrsthemen erstellen, die in Lambsheim angegangen werden sollen. Dazu gehört offenbar auch die Situation vor der Grundschule beziehungsweise Gemeindekita. Im Verlauf der Beratungen werde dann geklärt, ob ein Planungsbüro beauftragt wird, so Reith.