Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Umfrage in Kindergärten: Löst die Kita-App das Schwarze Brett ab?

Zu Facebook, Instagram und Twitter gesellt sich auf so manchem Spartphone eine Kita-App hinzu. Erzieher informieren damit die El
Zu Facebook, Instagram und Twitter gesellt sich auf so manchem Spartphone eine Kita-App hinzu. Erzieher informieren damit die Eltern über Neuigkeiten im Kindergarten. Foto: Robert Günther/dpa

Die Gemeinde Dirmstein will Zettelwirtschaft und Kommunikationslücken beenden. Zumindest in ihrer Kindertagesstätte Himmelszelt. Eine sogenannte Kita-App soll eingeführt werden, damit immer alle auf dem gleichen Kenntnisstand sind und datenschutzrechtlich trotzdem alles in Ordnung geht. Wir haben weitere Einrichtungen im Frankenthaler Umland nach ihren bevorzugten Kommunikationsformen gefragt.

Der Elternbeirat der Kita Himmelszelt ist an die Gemeinde mit dem Wunsch nach einer solchen App herangetreten, um den Informationsfluss zu verbessern. Im Frühjahr hatte es Probleme gegeben, als es kurzfristig zum Personalengpass gekommen war und manche Eltern von plötzlich verkürzten Öffnungszeiten und Notbetrieb überrascht wurden. Im Zuge der Kitaerweiterung hat die Gemeinde für WLAN gesorgt, einige Tablets, damit die App von jeder Kita-Gruppe bedient werden kann, sollen noch angeschafft werden.

Dann stand nach Angaben der Kindergartenleitung die vierwöchige Testphase an und die Entscheidung, mit welchem Anbieter man zusammenarbeiten will. Die Erzieherinnen versprechen sich von der App vor allem einen schnellen und lückenlosen Austausch mit den Eltern. Denn im Gegensatz zum System der Rücklaufzettel könne hier nichts und niemand verloren gehen.

Für Kitas sind mehrere Apps auf dem Markt

Findige Programmierer – oft sind es selbst Eltern – haben die Marktlücke erkannt und solche Smartphone- und Tablet-Anwendungen auf den Markt gebracht. Je nach Anbieter und Komfort der App fallen Nutzungsgebühren zwischen zehn und 50 Euro im Monat an. Die Miniversion der App KigaRoo stellt für neun Euro den Dokumentenversand für kleine Einrichtungen mit bis zu acht Kindern sicher.

Die vom Anbieter Stay Informed programmierte Komfort-App soll sogar Dokumente übersetzen können und Eltern die Möglichkeit für eine Rückmeldung, beispielsweise im Krankheitsfall, geben. Katharina Fraunhofer von Stay Informed nennt ein Beispiel für den großen Vorteil der App gegenüber Briefen und Telefonketten: „So kann ich mit einem Klick alle Eltern darüber informieren, wann genau wir vom Ausflug zurückkommen.“

An technischen Voraussetzungen genüge neben dem Internetanschluss ein einziges Endgerät, beispielsweise ein PC im Büro der Leitung. Weitere Geräte wie Smartphones oder Tablets machen die Nutzung jedoch deutlich komfortabler und ermöglichen das Absetzen von Kurzinfos unterwegs. Datenschutz und Sicherheit garantieren alle Anbieter. Innerhalb der Einrichtung vergibt das System verschiedene Rechte. So kann die Leitung Benutzer an- und abmelden, und Gruppenleiter erhalten ein abgestuftes Editorenrecht zum Verschicken von Nachrichten.

Jedes Kind hat ein klassisches Postfach

„Wir sind am Überlegen“, berichtet Renate Kärcher vom Lambsheimer Kindergarten Junkergasse. In einer Elternbeiratssitzung war das Thema „papierlose Elterninfos“ schon auf der Agenda. Was hier möglich ist, müsse mit dem Träger, der protestantischen Kirchengemeinde, diskutiert werden. Erste Priorität habe der Datenschutz.

Klassisch mit schwarzem Brett, Mitteilungsheften und Elternbriefen läuft es laut Matthias Dewald im Integrativen Gemeindekindergarten Bobenheim-Roxheim. Damit nichts verloren geht, hat jedes der 80 Kinder ein Postfach. Als integrative Einrichtung sei der direkte, oft tägliche Austausch mit den Eltern ohnehin notwendig.

Kurz vor der Anschaffung einer App steht der katholische Kindergarten Edith Stein in Bobenheim-Roxheim. Konkretes wird vom Bischöflichen Ordinariat entschieden. Sehr stark ist nach Angaben der stellvertretenden Leiterin Iris Geib das Interesse der Eltern an dieser Kommunikationsform. Im Rahmen ihres Qualitätsprogramms dokumentiert die Kita bereits heute den Austausch und das Meinungsbild der Eltern. Zusätzlich hängen an der Metallwand Infozettel, und jedes Kind bekommt Infopost in sein Briefkästchen.

Datenschutz ist wichtiger Aspekt

Sehr gut ohne App kam bisher der protestantische Kindergarten Arche Noah in Beindersheim aus. Leiterin Yvonne Piard setzt aufs persönliche Elterngespräch und empfindet die elektronische Kommunikation als zu anonym. Wichtige Themen und Informationen würden an der Pinnwand ausgehängt und über Elternbriefe verteilt.

Kritisch in puncto Datenschutz sieht die Großniedesheimer Kitaleiterin Bettina Hauck den Einsatz von Apps in Kindergärten, da bereits bei Fotoaufnahmen nicht alle Eltern ihr Einverständnis gäben. Die direkte Ansprache sei hier immer noch der kürzeste Weg. Nicht so gute Erfahrungen habe man mit der Kommunikation per E-Mail gemacht. Oft sei zu hören gewesen: „Das habe ich nie bekommen.“ Daher arbeite man mit Infobriefen und persönlicher Ansprache. Zurzeit ist eine Gruppe wegen Umbaus ausgelagert. Für spontane Raum- und Terminänderungen eigne sich dann immer noch das Telefon.

Miteinander reden hat Vorrang

Die Gerolsheimer Kindertagesstätte Naseweis geht laut Leiterin Doris Offenbecher in Sachen Kommunikation den pragmatischen Weg. Wer seine E-Mail-Adresse hinterlegt habe, bekomme alle Infos auf diesem Weg. Familien, die das nicht wünschten, erhielten nach wie vor Papiernachrichten im Briefkasten des Kindes. Zusätzlich habe jede Gruppe ein Schwarzes Brett, und allgemeine Infos hingen im Eingangsbereich aus.

Für Claudia Reche-Krämer, Leiterin der Heßheimer Kindertagesstätte, ist der Austausch mit den Eltern über die modernen Kanäle ein schwieriges Thema: „Wir sehen uns in einer Erziehungspartnerschaft mit den Eltern, und in Partnerschaften sollte man miteinander reden“, sagt sie. Natürlich existierten auch im Heßheimer Kindergarten informelle WhatsApp-Elterngruppen, die sich hin und wieder als nützlich erwiesen. Um allgemeine Informationen zu verbreiten, verteilt die Kita drei bis vier Elternbriefe pro Jahr. Da könne man sich bei Bedarf auch einen E-Mail-Versand vorstellen, so Reche-Krämer.

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