Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Ukraine-Krieg: Volle Kirchen und große Hilfsbereitschaft

Symbol für den Frieden: Die Regenbogenfahne vor der katholischen Kirche in Dudenhofen.
Symbol für den Frieden: Die Regenbogenfahne vor der katholischen Kirche in Dudenhofen.

So voll wie in den vergangenen Tagen waren viele Kirchen in der Region schon lange nicht mehr. Mit Friedensgebeten reagieren sie auf die Suche der Menschen nach Trost angesichts des Kriegs in der Ukraine. Aber auch konkrete Hilfsaktionen für die erwarteten Flüchtlinge und für die Ukrainer, die in ihrer Heimat ausharren, gibt es aus den Gemeinden schon.

Vor der katholischen Kirche in Dudenhofen hängt seit einigen Tagen die Regenbogenfahne. Nicht zum ersten Mal: Pfarrer Jens Henning hatte sie kürzlich schon einmal anbringen lassen, um damit die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare symbolisch zu unterstützen. Diesmal allerdings steht die Friedensbotschaft, die mit der Fahne verbunden ist, im Vordergrund. Denn der Krieg in der Ukraine beschäftigt die Gemeindemitglieder sehr, wie der Geistliche festgestellt hat. „Die Menschen brauchen einen Ort und die Möglichkeit, ihrer Wut und Trauer Ausdruck zu geben“, sagt Henning. Deshalb haben er und sein Pastoralteam das Thema Krieg nicht nur am Wochenende in den – so der Pfarrer – sehr gut besuchten Gottesdiensten angesprochen. Es gibt auch seit einigen Tagen in den Gemeinden der Pfarrei Heilige Hildegard Friedensgebete, die von den Gemeindemitgliedern vor Ort organisiert werden. Der Ablauf sei ganz unterschiedlich, erklärt Henning: Es würden Lieder gesungen, aber es gebe auch Momente des Schweigens, Kerzen würden angezündet und natürlich Gebete gesprochen. Das nächste Friedensgebet wird ein ökumenisches sein: am Sonntag, 6. März, um 19 Uhr auf dem Lindenplatz in Mechtersheim. Anschließend soll eine Menschenkette mit Kerzen von der katholischen zur protestantischen Kirche gebildet werden.

Messdiener sammeln

In Limburgerhof hat die protestantische Kirchengemeinde schon vor rund zwei Wochen mit der Planung von Friedensgebeten begonnen, als sich die Situation an der russisch-ukrainischen Grenze zuspitzte. Pfarrer Martin Grimm lädt für den Donnerstag, 3. März, ab 11 Uhr zu einem Friedensgebet mit dem Dekan im Ruhestand Hans Scheffel in die protestantische Kirche ein. Als Termin wurde bewusst der Markttag in Limburgerhof ausgewählt, damit sich Marktbesucher spontan dem Friedensgebet anschließen können. „In jeder Begegnung ist der Krieg das erste Thema“, begründet Grimm, warum Friedensgebete wichtig sind. In der katholischen Kirche in Limburgerhof hat es bereits am Montag ein solches Gebet gegeben. „Sehr viele Männer, Frauen und Jugendliche aus unserer Pfarrei sind gekommen, um für den Frieden zu beten. Es war eine sehr dichte Atmosphäre“, berichtet Pastoralreferentin Doris Heiner von der Pfarrei Hl. Christophorus Waldsee. Ein Zeitzeuge habe erzählt, wie im Zweiten Weltkrieg die Bomben auch in der Vorderpfalz vom Himmel fielen. Eine Sammlung für die Ukraine sei gut angenommen worden. Messdiener aus Waldsee hätten außerdem begonnen, Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel und andere wichtige Dinge für die Ukraine zu sammeln und an die Deutsch-Ukrainische Gesellschaft sowie den Caritasverband Mannheim abzugeben. Eine Fortsetzung der Friedensgebete sei geplant: als nächstes am Montag, 7. März, um 19 Uhr in Waldsee.

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Aus Passions- werden Friedensgebete

„Der Gottesdienst war proppenvoll“, berichtet Sabine Tarasinski vom vergangenen Wochenende. Die Pfarrerin der protestantischen Kirchengemeinde Heuchelheim-Niedesheim lädt anlässlich des Kriegs in der Ukraine außerdem jeden Freitag bis zur Karwoche für 18 Uhr zu einem Friedensgebet in die Heuchelheimer Kirche ein. Damit will sie etwas tun für die Menschen, die nicht nur „schreckensstarr“ zu Hause sitzen, sondern sich solidarisch zeigen wollen. Die Idee sei daher gewesen, die eigentlich geplanten Passionsgebete in Friedensgebete, bei denen es auch aktuelle Informationen zur Lage in der Ukraine geben soll, umzuwandeln. Die Menschen hätten aber nicht nur ein großes Bedürfnis, gemeinsam zu beten, sondern wollten auch konkret helfen und zum Beispiel Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung stellen. Aktuell könne sie allerdings nur an andere Stellen und Hilfsorganisationen verweisen, berichtet die Pfarrerin. Im Gottesdienst habe es extra eine zweite Kollekte speziell für die Ukraine gegeben, bei der eine große Summe zusammengekommen sei.

Eine ökumenische Form des Friedensgebets gibt es in der Pfarrei Seliger Paul Josef Nardini, zu der auch Lingenfeld und Schwegenheim gehören. Es findet am Sonntag, 6. März, in der katholischen Kirche in Sondernheim statt. „Viele sind beunruhigt und blicken sorgenvoll in die Ukraine. Besonders bei den älteren Gemeindemitgliedern kommen Erinnerungen an die Kriegs- und Nachkriegsjahre wieder hoch“, schildert Pastoralreferent Thomas Bauer seine Eindrücke. Das Friedensgebet in Sondernheim sei zustande gekommen, weil sich eine ehrenamtlich Engagierte mit der konkreten Bitte darum an die Pfarrei gewandt habe.

„Ernüchtert aufgewacht“

„Ich habe Tränen in den Augen gehabt“, beschreibt Jens Henning seine eigenen Gefühle, als er vom Einmarsch der russischen Truppen in der Ukraine erfahren habe. Bis zuletzt habe er gehofft, dass es bei der Drohgebärde von Russlands Präsident Putin bleibt. „Ich war ein Verfechter von ,Wandel durch Annäherung’. Jetzt bin ich ernüchtert aufgewacht“, sagt der Dudenhofener Pfarrer. Um möglicherweise bald ankommenden Flüchtlingen zu helfen, haben sich die Verantwortlichen in der Pfarrei schon konkret Gedanken gemacht und sind in Gesprächen mit dem Kreis und der Verbandsgemeinde: So sollen bei Bedarf in den ehemaligen Pfarrhäusern in Berghausen und Heiligenstein Flüchtlinge einquartiert werden. In Harthausen gibt es eine ehemalige Schwesternwohnung, die genutzt werden könnte. Und auch im Dudenhofener Pfarrhaus existiert eine leerstehende Wohnung. „Das Gute ist, dass die Häuser recht groß sind, so dass auch größere Familien darin unterkommen könnten“, sagt Henning. Um die Wohnungen auf Vordermann zu bringen, kann die Pfarrei auf Hilfe zählen. Nach einem Aufruf in den sozialen Medien hätten viele – auch Handwerker – ihre Hilfe angeboten.

Die Regenbogenfahnen als Symbol gegen den Krieg werden derweil weiter vor den Kirchen wehen. Und im Fall des Dudenhofener Gotteshauses wird es womöglich bald noch eine weitere Farbkombination zu sehen geben, was laut Henning auf den Vorschlag von Landrat und Gemeindemitglied Clemens Körner (CDU) zurückzuführen ist: Die Kirche soll nämlich in den ukrainischen Nationalfarben Blau und Gelb angestrahlt werden.

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