Bobenheim-roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Uferweg am Silbersee soll für Spaziergänger tabu sein

Ein Schwarzmilan holt einen toten Fisch aus einem See. Diese seltene Greifvogelart kommt laut Natuschützern im Umfeld des Silber
Ein Schwarzmilan holt einen toten Fisch aus einem See. Diese seltene Greifvogelart kommt laut Natuschützern im Umfeld des Silberseepfads vor.

Der naturnahe Weg zwischen dem Südufer des Silbersees und dem Hinteren Roxheimer Altrhein bleibt gesperrt. Davon haben sich die Bobenheim-Roxheimer Christdemokraten am Mittwoch überzeugen lassen. Denn die Argumente gegen eine Öffnung wiegen schwer.

Er ist gerade einmal 1,2 Kilometer lang und führt von der Silbersee-Liegewiese bis zu dem Zaun, mit dem die Firma Willersinn ihr Gelände seit einiger Zeit schützt. Seit Jahren soll der frühere Spazierweg nicht mehr benutzt werden, weil immer wieder Bäume umstürzen oder Äste abbrechen. Seit etwa zwei Jahren zwingt dazu eine Absperrung.

Um die Verkehrssicherheit herzustellen, müssten so viele Bäume gefällt werden, dass die Naturschutzbehörden ihr Veto einlegen würden, glaubt der Baumpflegesachverständige Michael Ziegler aus Speyer. Denn: Gerade weil die Bäume nicht verkehrssicher sind, sind sie ökologisch wertvoll. Vögel, Säugetiere und Insekten lieben solche alten Weiden und Pappeln mit weichem Holz. Und man darf sicher davon ausgehen, dass sich diese Tiere in dem sich selbst überlassenen Baumstreifen schon reichlich eingenistet haben.

Auch die Biotopbetreuerin Petra Jörns ist überzeugt davon, dass der Schaden für die Tierwelt – vor allem für Vögel wie Schwarzmilan und Grauspecht – enorm wäre, würden die alten Habitatbäume entfernt. Spaziergänger mit Hunden würden die ufernahen Brutmöglichkeiten für Graugans und Wasserralle zunichte machen.

Michael Remmele hartnäckig

Trotzdem haben die Gemeinderatsfraktionen von CDU und FWG mehrfach gefordert, dass der Weg wieder für Menschen geöffnet wird. Zuletzt war mit den Vogelbeobachtern und deren wertvollen Arbeit für die Forschung argumentiert worden. Denn die kämen nicht mehr an die bisherigen Beobachtungsposten heran, hieß es.

Und so trat am Mittwoch im Umweltausschuss der Gemeinde Michael Remmele (CDU) kampfeslustig an, die Expertenmeinungen infrage zu stellen. „Tiere werden immer als so sensibel beschrieben“, sagte er. Dabei passten die sich doch ganz gut an die Menschen an, und diese wiederum müssten Natur erleben dürfen statt von ihr ausgesperrt zu werden. „Vor Jahrzehnten war in dem Gebiet viel mehr los, und trotzdem waren Tiere da“, meinte Remmele. „Wir wollen den Weg einfach nur auf dem Stand von früher erhalten.“

Biologin plädiert für Besucherlenkung

Petra Jörns hatte sich aus Rödersheim-Gronau in die Sitzung zugeschaltet und versicherte, dass auch die Behörden Interesse daran hätten, Natur erfahrbar zu machen. „Aber es ist nun mal so, dass die Gemeinde diesen Weg schließen muss, weil das im Bewirtschaftungsplan für das FFH- und das Vogelschutzgebiet so vorgesehen ist“, sagte Jörns und betonte auf Nachfrage der CDU-Fraktion, dass dies rechtlich bindend sei. Hartnäckige inhaltliche Wiederholungen von Michael Remmele konterte die Naturschutzmanagerin des Rhein-Pfalz-Kreises schließlich damit: „Das Beste wäre, die Gemeinde würde sich endlich um ein touristisches Gesamtkonzept zur Besucherlenkung kümmern, damit Naturschutz und Erholung unter einen Hut gebracht werden.“

Jörns zufolge ist die intensive Freizeitnutzung des Vorderen Roxheimer Altrheins nicht mehr rückgängig zu machen. Aber dann müssten wenigstens der Komplex Hinterer Altrhein sowie Ochsenlache und Silbersee-Ostufer störungsfrei gemacht werden. Mit Aussichtspunkten, Infotafeln und der Ertüchtigung vorhandener Wege könne man Besucher dorthin lenken, wo Freizeitaktivitäten nicht so problematisch seien. Sogar eine Aufwertung des Gebiets als Vogel-Tourismus-Zentrum sei denkbar.

Am Ende sind sich alle einig

Ein Konzept, das Erholung, Tourismus und Naturschutz im Silberseegebiet in Einklang bringen sollte, gibt es schon in Form des Bebauungsplans, der aber 2020 vom Oberverwaltungsgericht für unrechtmäßig erklärt wurde. Daran erinnerte in der Sitzung der Erste Beigeordnete Frank Peter (CDU). Die Gemeinde will demnächst mit der an den Plänen maßgeblich beteiligten Firma Willersinn als Seeeigentümerin erörtern, ob es noch andere Möglichkeiten für ein vielseitiges Nutzungskonzept gibt.

Nach einer Sitzungsunterbrechung zog die CDU-Fraktion den Antrag auf Wegöffnung zurück. Einstimmig fasste der Ausschuss den Beschluss, dass die Gemeinde mithilfe eines darauf spezialisierten Büros ein Besucherlenkungskonzept angehen soll. Der umstrittene Uferpfad soll dabei „ergebnisoffen berücksichtigt“ werden.

Noch kann man erkennen, wie der Pfad durch den Baumstreifen verläuft. Der Weg am See muss aufgegeben werden, sagt eine Biologin.
Noch kann man erkennen, wie der Pfad durch den Baumstreifen verläuft. Der Weg am See muss aufgegeben werden, sagt eine Biologin.
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