Rhein-Pfalz Kreis Trinken bis der Arzt kommt
«Fussgönheim.» Die Gemeinde will einen Arzt im Ort ansiedeln. Wenn es klappt, muss dafür die Gaststätte in der Mehrzweckhalle weichen. Dort soll die Praxis hin. Das hat der Ortsgemeinderat am Mittwoch beschlossen. Dem ASV Fußgönheim schmeckt das gar nicht.
Jürgen Hummel und Tarik Sarigene sitzen im Ratszimmer hinten auf den Besucherplätzen. Immer wieder lachen sie, tauschen sich kurz aus. Die Vorsitzenden des ASV Fußgönheim wollen wissen, ob das Vereinsheim des Klubs in der Jahnstraße eine Zukunft hat. Noch hoffen sie. Bis Punkt 10 der Tagesordnung an der Reihe ist, dauert es eine ganze Weile. Dann verfinstert sich ihr Blick zusehends. „Der Rat ist bereit, die Gaststätte zu schließen“, sagt Bürgermeisterin Marie-Luise Klein (SPD). Die Gemeinde möchte einen Hausarzt nach Fußgönheim locken, Klein befindet sich in Gesprächen mit zwei Interessenten. Wenn die Kassenärztliche Vereinigung eine Zulassung erteilt und der Arzt sich vertraglich verpflichtet, sich in Fußgönheim niederzulassen, soll der Pachtvertrag gelöst und das Lokal in der Mehrzweckhalle zur Praxis umgebaut werden. Das Gebäude gehört der Gemeinde, sie verpachtet auch das Lokal. Nachdem der Planungs- und Bauausschuss über das Vorhaben beraten hatte und die RHEINPFALZ berichtete, bemängelten die ASV-Vorsitzenden, nicht angehört worden zu sein und erst spät von den Plänen erfahren zu haben. „Was ist ein Verein ohne Vereinsheim?“, fragten sie. „Die Gaststätte ist Treffpunkt für alle.“ Eine Bürgerin habe eine Unterschriftenaktion „zum Erhalt der ASV-Gaststätte“ gestartet, sagt Klein in der Ratssitzung. 170 Menschen hätten unterzeichnet, auch einige, die nicht in Fußgönheim zu Hause sind. Klein erwähnt das zwar, geht dann aber doch mehr oder weniger über die Liste hinweg und misst ihr kaum Bedeutung zu. Hummel und Sarigene auf den Zuschauerplätzen verziehen keine Miene. „Die Besucherzahlen der Gaststätte waren sehr überschaubar“, sagt Klein. Darin sind sich die meisten im Rat einig. Die Gemeinde habe viele Möglichkeiten geprüft, um einen Platz für die Praxis zu finden, bei keiner sei es jedoch möglich gewesen. „Wäre die Gaststätte eine gut gehende Gaststätte, wären wir vielleicht gar nicht auf die Idee gekommen“, sagt SPD-Fraktionschef Thomas Bauer, „aber sie ist einfach unwirtschaftlich.“ In den vergangenen Jahren wechselte oft der Pächter, das Ergebnis war stets von wirtschaftlichen Verlusten geprägt. Besonders emotional fällt die Stellungnahme des Beigeordneten Klaus Weiler (CDU) aus. „Ich habe mir den Kopf zerbrochen, wohin wir sonst gehen könnten“, sagt er, „das können sich alle vorstellen. Gerade bei mir.“ Als Beigeordneter ist er für die Mehrzweckhalle zuständig. Zugleich ist er dem ASV sehr verbunden – er war jahrelang als Funktionär im Verein aktiv und ist das Bindeglied zur Politik. Weiler schaut zu den Besuchern der Sitzung, zu Hummel und Sarigene. Seine Zerrissenheit ist ihm anzumerken. „Es ist unheimlich wichtig, einen Arzt zu bekommen. Das ist fast wie ein Sechser im Lotto“, sagt Weiler. „Ich stehe hinter diesem Beschluss.“ Wenn sich die Chance ergibt, müsse man einfach zugreifen. Gefühle müssten da hinten anstehen. „Es lag am Besuch der Gaststätte“, sagt er, „oder besser: am Nicht-Besuch.“ Bürgermeisterin Klein dankt Weiler für seine ehrlichen Worte. Sie stellt in Aussicht, weiter nach anderen Möglichkeiten Ausschau zu halten. Außerdem: „Ob die Praxis kommt, ist nicht von uns abhängig, sondern von der kassenärztlichen Zulassung.“ Dann lässt sie abstimmen – eine Enthaltung, der Rest sagt Ja. Kommt der Arzt, muss die Gaststätte weg. Hummel und Sarigene stehen auf und verlassen den Raum.