Dannstadt-Schauernheim / Römerberg
Treffen im Rhein-Pfalz-Kreis aus Leidenschaft fürs Kochen
„Wenn ich noch einmal auf die Welt komme, werde ich wieder Koch und Kellner“, sagt Johannes Pippert (72) aus Lauingen (Bayern) im Brustton der Überzeugung. 1974 hatte er zusammen mit 42 Teilnehmern an der Heidelberger Hotelfachschule die dreimonatige Ausbildung zum Küchenmeister begonnen und gehörte schließlich zu den glücklichen zwei Dritteln, die die Prüfung bestanden hatten. Sieben Männer haben sich nun zwei Tage lang auf Einladung des Dannstadt-Schauernheimers Günther Gronbach getroffen. Natürlich auch zum gemeinsamen Speisen – im Hotel Lösch Pfälzer Hof in Römerberg.
Aus ganz Deutschland angereist
Die Männer leben mittlerweile über die ganze Republik verteilt. Den in Ludwigshafen geborenen Bernd Graf hat es nach Prien am Chiemsee verschlagen. Dort hat er 20 Jahre lang das „Schützenhaus“ geführt. Peter Froitzheim ist aus Köln in die Pfalz angereist. Der 76-Jährige arbeitet nach wie vor und hat erst jüngst noch in den Sartory-Sälen die Karnevalisten unter anderem mit unzähligen Portionen Currywurst versorgt. Reiner Kleffmann hat vor Kurzem seinen „Quellenhof“ in Lübbecke (Nordrhein-Westfalen) an einen Nachfolger übergeben. Von neumodischen Trends in der Küche hält er nicht viel. Molekulares Kochen habe sich nicht durchgesetzt und beim Garverfahren „sous vide“ beanstandet der 70-Jährige durch die nötigen Kunststoffbeutel die fehlende Nachhaltigkeit.
Zu Zeiten ihrer Ausbildung war das noch kein Thema. Die Herren schwelgen beim Treffen in Erinnerungen und erzählen von der harten Prüfung, die sie ablegen mussten. Abverlangt wurden ihnen die Zubereitung eines Menüs nach Vorgabe, eine selbst gewählte Kür-Einheit sowie Kenntnisse in BWL, Recht, Rechnungswesen, Unternehmensführung, Personalmanagement und Ernährungslehre. Der Lehrer – ein wahrlich strenger Zeitgenosse, bei dem auch mal gerne ein bisschen Schikane im Spiel war: „Ich wurde bei meiner Prüfung gefragt, wie man ,Champignons‘ oder ,Worcestershiresauce‘ schreibt oder was genau ,Gänseweißsauer‘ ist“, erinnert sich Günther Gronbach. Zum Glück konnte es der Dannstadt-Schauernheimer von „Schwarzsauer“, bei dem traditionell Blut mitgekocht wird, ableiten und wurde schließlich durchgewunken. Überzeugt hatten wohl auch sein Lammrücken „Bäckerinnen Art“ und seine Pastete.
Kochleidenschaft auch im Ruhestand
Mindestens zehn Jahre Ausbildungs- und Berufserfahrung müssen mitgebracht werden, um überhaupt zugelassen zu werden, sowie das Mindestalter von 24 Jahren. Gronbach konnte durch genügend vorherige Lern- und Praxiszeit im „Schillerheim“ in Kirchheimbolanden und im Mannheimer Augusta-Hotel die Voraussetzungen erfüllen. Danach folgten Stationen in Westerland auf Sylt, wo er auch seine Frau Gertrud kennenlernte, sowie im Gasthaus Limburgerhof, dem Casino und der Betriebsgaststätte 1 der BASF in verschiedenen Funktionen als „Gardemanger“ beziehungsweise Küchenchef. Bevor er 2005 in Ruhestand ging, stand er noch ein Jahr der Firmen-Gastronomie mit seiner Expertise vom Schreibtisch aus zur Verfügung. Als kulinarischer Leiter des Dannstadter Ü-60-Männerstammtisches frönt der 70-Jährige seit vielen Jahren weiter seiner Kochleidenschaft.
„Im Gefängnis gelandet“ ist Walter Schemenauer und erzählt von seiner schönsten Zeit als zweiter Küchenchef in der Justizvollzugsanstalt Weiterstadt (Hessen). Mit 46 sei er Beamter geworden und das habe durchaus Vorteile gehabt. Mittlerweile genießt er den Ruhestand. Im Odenwälder Dreiländereck (Hesselbach) liegt Roland Grünvogels Landgasthof „Zum grünen Baum“, den mittlerweile Sohn und Schwiegertochter betreiben. „Wir Köche sind auch Künstler“, sagt er und meint damit nicht nur die Art und Weise, wie die Speisen auf den Tellern angerichtet sind, sondern auch ihre Entstehung. Hochwertige und heimische Zutaten gepaart mit italienischer Inspiration und ganz viel Liebe zum Kochen war die Erfolgsrezeptur von Johannes Pippert in seinem Lauinger „Kannenkeller“ mit Blick auf die Donau-Auen. Dieser wird nun von seinem Sohn weitergeführt.
„Ein wirklich schöner Beruf“
Pippert war auch derjenige, der die Gruppe 1999 zum 25. Jubiläum erstmals zu sich einlud. Seitdem finden Treffen im zweijährlichen Rhythmus statt. Zum 30. ging es nach Bangkok, wo die Kochtruppe ihren ehemaligen Klassensprecher, Otto Duffner, in seiner Schwarzwaldstube besuchte und ein Front-Cooking veranstaltete. Jeder hatte auf dem Flug dorthin einen Schinken im Gepäck. Ein weiteres Ziel war das italienische Neapel. Unterschiedliche Lebenswege, ein gemeinsamer Richtungsweiser und Begleiter: die Leidenschaft für den Herd. „Ein wirklich schöner Beruf“ spricht Pippert seinen ehemaligen Mitschülern aus der Seele. Einer, bei dem es gelingen kann, dass einem die Welt zu Füßen liegt.