Rhein-Pfalz Kreis Totempfahl für den Ex

Wer wird Kanzler und wenn ja, wie viele?
Wer wird Kanzler und wenn ja, wie viele?

«Lambsheim/Hessheim.»Im Bundestagswahlkampf buhlen die Parteien um jede Stimme. Während dieses Rennen noch spannend bleibt, ist eine Schlacht schon geschlagen: die um Pfosten und Verkehrsschilder, von denen viele hart umkämpft sind. Wie stark, kann man derzeit in der Maxdorfer Straße in Lambsheim besichtigen. Die sonst eher nüchterne Durchfahrt wird nicht nur bunt eingesäumt von roten, grünen und gelben Schriftzügen und Gesichtern, die aufmunternd lächeln. An einem Laternenpfahl türmen sich sogar zwölf Plakate an beiden Seiten übereinander in die Höhe: ein kleiner Torbjörn Kartes (CDU-Bundestagskandidat) überstrahlt von einer Masse an schmunzelnden Martin Schulz (SPD-Kanzlerkandidat) sowie Doris Barnett (SPD-Bundestagskandidatin). Wenn der ehemalige Lambsheimer Bürgermeister Erich Eisenbarth (CDU) nun am Schreibtisch sitzt und sein Blick aus dem Fenster schweift, dann prangt direkt vor ihm dieser sozialdemokratische Totempfahl. Eisenbarth lacht am Telefon darüber laut aus. „Eigentlich ist es eine Dummheit, aber ich nehme es mit Humor“, meint er. Jahrelang hat er das Anbringen der Plakate für den Ortsverein organisiert. Sobald der Startschuss fürs Plakatieren fällt und die Parteifreunde von offizieller Seite aus loslegen dürfen, dann hängt auch Erich Eisenbarth traditionellerweise das erste CDU-Plakat draußen an seine Laterne vorm Büro. „Wenn ich den Termin mal verpasst hatte, dann war der Platz schon von der SPD blockiert.“ In diesem Jahr gewann er den Wettkampf – leider nicht mit Angela Merkel, denn ihr Konterfei war noch nicht rechtzeitig geliefert worden. Dafür wurde er am nächsten Tag übertrumpft. „In der Nacht darauf war es dann windig, und die Schulz-Bilder sind zusammengeknickt – das sah grausam aus“, erzählt Eisenbarth. „Drei Tage später war es korrigiert und weitere Plakate waren montiert.“ Parteifreund Kuno Beutler (früher für die CDU im Rat) kann sich nicht erinnern, dass den Christdemokraten ein ähnliches Vorgehen eingefallen wäre. „Mag es Schadenfreude (,dämm hämmers mol gezeigt’) oder auch einen anderen Hintergrund für diese Aktion geben, unser Ex-Bürgermeister nimmt es jedenfalls mit Humor“, schreibt er in einem Brief an die Redaktion und fordert: „Stil im Umgang mit dem politischen Gegner geht anders, abgesehen von dieser Verschandelung des Ortsbilds!“ Die SPD wollte sich lieber auf bestimmte Punkte konzentrieren, statt überall flächig zu plakatieren, erklärt Ortsvereinsvorsitzender Felix Haller auf Nachfrage, hatte dabei aber selbst keine Aktien im Spiel. „Mein Gott, das waren eben unsere jungen Leute, unsere Nachwuchskräfte“, sagt Fraktionsvorsitzender Frank Franck. „Ich finde es auch ein bissel kindisch und etwas übertrieben, aber sie haben sich eben einen gutmütigen Scherz erlaubt.“ Bei jeder Wahl versuchten sich die Parteien beim Wettstreit um die strategisch besten Plätzen im Dorf auszustechen, erzählt Franck. Ein Spiel, das heute nicht mehr so verkrampft geführt werde, wie früher. „Jeder hat eben seine Plätze, wo er was hinstellen möchte. Auf die scharfe Kurve in der Weisenheimer Straße, wenn man vom Friedhof kommt, stürzen sich alle, weil da die Autofahrer langsam fahren. Und rund ums Rathaus versucht man seine Duftmarken zu setzen, möglichst weit weg von der Schule, die als Wahllokal dient.“ Dem Ordnungsamt ist die Plakat-Orgie an der Laterne jedenfalls egal, sagt Leiter Thomas Bauer. „Hauptsache, es versperrt nicht die Sicht für die Autofahrer.“ Und Erich Eisenbarth hat noch andere Fenster: Vom Wohnzimmer aus kann er entspannt ins Grüne schauen.

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