Rhein-Pfalz Kreis Todkranke werden zum Sterben nicht abgeschoben

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Waldsee. Am Ende eines langen Lebens zu Hause einfach die Augen schließen und einschlafen, wünschen sich viele Menschen. Die Realität sieht leider oft anders aus. Damit Sterben nicht zur Qual wird – verbunden mit wiederholten Krankenhauseinweisungen – ist im Rhein-Pfalz-Stift in Waldsee ein Palliativ-Stützpunkt eingerichtet worden.

„Hier bei uns ist jetzt die Heimat unserer Bewohner, deswegen sollen sie auch bei uns sterben dürfen“, sagt Thomas Gilow, zurzeit Heimleiter des von Avendi betriebenen Seniorenheims Rhein-Pfalz-Stift. Deshalb kooperiere das Heim seit Jahresbeginn mit „Levares Palliativ Care“ aus Mannheim, einem Anbieter für die Begleitung Sterbenskranker. Stefan Schramm, Leiter des aus zehn Ärzten und Pflegern bestehenden Teams, Palliativmediziner und Schmerztherapeut, erklärt: „Jeder Mensch hat am Ende seines Lebens ein Anrecht auf eine spezialisierte, ambulante palliative Versorgung.“ Das stehe seit 2007 im Sozialgesetzbuch. Allerdings gebe es in der Vorderpfalz noch kein flächendeckendes Netz. Viel zu oft passiere es daher, dass hochbetagte Menschen oder Patienten mit schweren Erkrankungen am Ende ihres Lebens immer wieder ins Krankenhaus eingewiesen, dort unnötig durch die Mühle der Medizin gedreht und nach Hause oder ins Heim entlassen würden, um bald darauf wieder ein Fall für den Notarzt zu werden. Die Angehörigen oder Pflegekräfte könnten mit den Schmerzen, Ängsten und der Atemnot der Sterbenden nicht umgehen und riefen daher immer wieder den Notarzt. Schramm sagt: „Es ergibt keinen Sinn, einen sterbenden Menschen noch zu Untersuchungen ins Krankenhaus zu bringen.“ Stattdessen kommen er oder seine Kollegen zu ihnen ins Seniorenheim, aber auch nach Hause, führen mit mobilen Geräten die notwendigen Untersuchungen und Behandlungen durch und erstellen einen Notfallplan, der festlegt, welche Medikamente und Maßnahmen dem Patienten bei bestimmten Symptomen helfen. Mit den Angehörigen und den Patienten werde besprochen, wie es weiter geht. „Manche sagen, ich bin Dr. Tod, weil ich schlechte Nachrichten überbringe“, sagt Schramm, „dabei räume ich nur mit falschen Hoffnungen auf. Ich zeige den Plan B, wenn der Plan A nicht mehr funktioniert. Damit beginnt für Angehörige aber schon die Trauerarbeit.“ Bestimmt sagt er: „Wir leisten keine aktive Sterbehilfe, aber wir können Atemnot, Schmerzen und Ängste lindern.“ Schramm und sein Team ersetzen weder den Hausarzt noch die Pflegekräfte im Heim. Sie kommen ergänzend und arbeiten mit ihnen zusammen. Den Patienten und Angehörigen entstehen keine Kosten. „Das ist zu 100 Prozent Kassenleistung.“ Das Personal des Seniorenheims wurde in Fortbildungen geschult und setzt die Notfallpläne um. Das Team um Schramm ist rund um die Uhr erreichbar und schnell vor Ort, wenn Hilfe benötigt wird. „Manchmal kommen wir zweimal in der Woche, manchmal auch drei- bis viermal am Tag, so wie es erforderlich ist“, sagt Doris Pfefferling, Koordinatorin von Levares. Im Schnitt kümmere sich das Palliativ-Team etwa sechs Tage um die Patienten. Sollten pflegende Angehörige mit einem sterbenskranken Menschen zu Hause überfordert sein, kann der Patient auch für seine letzten Lebenstage noch ins Seniorenheim kommen und wird dort beim Sterben begleitet, sagt Waldsees Heimleiter Gilow. (krx)

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