Rhein-Pfalz Kreis „Thema nicht aus den Augen verlieren“

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Vor etwas mehr als einem Jahr ist die Gemeinde Bobenheim-Roxheim feierlich der Europäischen Charta für die Gleichstellung von Männern und Frauen auf lokaler Ebene beigetreten. Die dazugehörige Verpflichtung haben drei Frauen aus Verwaltung und Politik ernst genommen und sind zuversichtlich, im Sommer dem Gemeinderat einen Aktionsplan vorschlagen zu können.

Neben knapp 40 größeren Städten war Bobenheim-Roxheim Anfang Oktober 2015 die zweite deutsche Gemeinde, die sich selbst dazu verpflichtete, mehr für die Gleichstellung der Geschlechter zu tun (wir berichteten). Bürgermeister Michael Müller (SPD) unterzeichnete dazu eine 2006 verfasste Leitlinie mit dem langen Namen „Charta für die Lokal- und Regionalregierungen Europas zur Förderung des Einsatzes ihrer Kompetenzen und Partnerschaften mit dem Ziel der Schaffung von mehr Gleichheit für ihre Bevölkerung“. Danach sollten örtliche Arbeitsgruppen einen Plan entwickeln, wie einzelne Punkte der Charta konkret in Bobenheim-Roxheim umgesetzt werden können. Das mit den Arbeitsgruppen sei wieder verworfen worden, berichten die beiden Initiatorinnen und Gleichstellungsbeauftragten Sylvia Lobocki (Bobenheim-Roxheim ) und Kornelia Barnewald (Rhein-Pfalz-Kreis). Gemeinsam mit der Geschäftsführenden Beamtin Angelika Köhler bildeten sie das einzige Team, das sich bislang konzeptionell mit der Charta beschäftigte. Was für das Trio aber kein Schaden ist. Schließlich würden trotzdem viele Menschen in das Thema eingebunden. „Wir gehen nur einfach den umgekehrten Weg“, sagt Sylvia Lobocki. „Erst mal allein das Gerüst erarbeiten und dann mit anderen schauen, ob und wie es umsetzbar ist.“ Das heißt vor allem, dass demnächst die Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung ins Spiel kommen, wenn die drei Frauen ihr „Gerüst“ in die drei Fachbereiche geben. Es fordert dazu auf, sich mit dem Thema Gleichstellung auf vier Ebenen auseinanderzusetzen: auf politischer Ebene, innerhalb der Verwaltung als Arbeitgeber, innerhalb der Gemeinde als Dienstleistungserbringerin und hinsichtlich von Planungen und nachhaltiger Entwicklung der Gemeinde. Gefragt nach anschaulichen Fragestellungen dafür, zählen Lobocki, Köhler und Barnewald auf: Wie kann die geschlechterparitätische Besetzung politischer Gremien gefördert werden? Wie lässt sich die Zahl befristeter Arbeitsverhältnisse reduzieren? Wie lässt sich der Anteil von Frauen in Führungspositionen steigern? Lässt sich in Kindergärten und Schulen das Bewusstsein für geschlechtersensible Pädagogik verbessern? Büroleiterin Angelika Köhler führt als praxisnahes Beispiel für ein Problem die Beschaffung von Maschinen und Arbeitskleidung für den Betriebshof an. „Da brauchen wir beim Einkauf das Bewusstsein dafür, dass ein Gerät auch von einer Frau gut zu bedienen sein sollte oder dass ein Arbeitshosenmodell gut für Männer, aber völlig unpassend für Frauen sein kann“, so Köhler. Mehr Wohnraum für Alleinlebende und Alleinerziehende, sogenannte Gender-Literatur in der Gemeindebücherei, mehr Männer in Pflege- und Erzieherberufen und Kochkurse speziell für Herren – all das sind Aspekte, welche die Verwaltungsangestellten im neuen Jahr mit Leben füllen oder als eventuell ungeeignet streichen sollen. „Wohlgemerkt“, sagt Sylvia Lobocki, „der Aktionsplan, der sich am Ende ergibt, ist als Leitfaden, als Richtschnur zu verstehen, damit wir das Thema Gleichstellung nicht aus den Augen verlieren, sondern es in alle Bereiche des Gemeindelebens einfließen lassen.“ Die Gleichstellungsbeauftragte und Sprecherin der CDU-Fraktion im Gemeinderat schätzt, dass der Leitfaden im April von den Fachbereichen zurückkommt und dann vor den Sommerferien in den Rat eingebracht werden könnte. Dieser darf ebenfalls Formulierungen ändern, Dinge ergänzen oder ganz rausschmeißen. Die vom Rat abgesegnete Version des Aktionsplans wird laut Kornelia Barnewald an den Rat der Gemeinden und Regionen Europas geschickt und im Internet veröffentlicht. Das bedeute aber nicht „in der Schublade verschwinden“, versichern die drei Frauen. In ein paar Jahren müsse der Plan wieder angeschaut und gegebenenfalls aktualisiert werden. |ww

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