Römerberg RHEINPFALZ Plus Artikel Tempo 30: Noch viele Verstöße

Germersheimer Straße: Wegen Lärmschutz gilt hier seit Kurzem Tempo 30.
Germersheimer Straße: Wegen Lärmschutz gilt hier seit Kurzem Tempo 30.

Seit einigen Wochen stehen in einer der Römerberger Hauptverkehrsachsen Tempo-30-Schilder. Doch halten sich Verkehrsteilnehmer überhaupt an die neuen Regeln?

Ein kleines Stücken zwischen Eisenbahn- und Gartenstraße fehlt noch, ansonsten ist mittlerweile in der kompletten Germersheimer Straße ab dem Ortseingang Berghausen im Norden und in der Heiligensteiner Straße bis zur Kirche durchgehend Tempo 30 ausgeschildert. Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) und der Ortsgemeinderat haben jahrelang darauf hingearbeitet. Neue Grenzwerte bei Lärmberechnungen haben schließlich den Durchbruch gebracht. „Ich habe den Eindruck, dass die meisten relativ langsam unterwegs sind. Auch die Anwohner, die sich gemeldet haben, sagen, dass es besser geworden ist“, berichtet der Ortschef – wohl wissend, dass es auch andere Wahrnehmungen in der Bevölkerung gibt.

Seine Einschätzung teilt CDU-Ratsmitglied Mathias Müller, der in der Germersheimer Straße wohnt: „Ich habe tatsächlich den Eindruck, dass sich viele Autofahrer daran halten“, sagt er. Man dürfe natürlich nicht vergessen, dass jahrzehntelang mit 50 km/h gefahren werden durfte und sich alle erst an diese Neuregelung gewöhnen müssten. „Selbst als Anwohner ertappt man sich noch dabei, dass man in alte Gewohnheiten verfällt, aber dies legt sich mehr und mehr“, schildert Müller. Auch leiser sei es nach seiner Wahrnehmung geworden. „Vor allem aber scheinen die kritischen Situationen im Begegnungsverkehr, gerade an Engstellen, deutlich weniger zu werden“, findet er.

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Belastung bleibt groß

Kreis hat schon kontrolliert

Weniger positiv fällt das erste Fazit von Helge Harder aus. Er ist ebenfalls CDU-Ratsmitglied und wohnt in der Heiligensteiner Straße. „Nach meiner Einschätzung halten sich zirka 10 bis 20 Prozent der Verkehrsteilnehmer an die neue Begrenzung – wenn überhaupt“, sagt er. Harder gibt zu, auch selbst noch nicht ausreichend sensibilisiert für die neue Regelung zu sein. „Man wundert sich manchmal über langsam fahrende Verkehrsteilnehmer, bis die 30er-Begrenzung einem wieder selbst ins Bewusstsein rückt“, berichtet der Heiligensteiner. Dass es leiser geworden sei, könne er nicht feststellen. „Ich muss aber auch sagen: Die aus dem Pkw-Aufkommen resultierenden Lärmbelästigungen war für uns durch schallschluckende Fenster, Schlafräume und Garten von der Straße abgewandt, nie wirklich belastend“, fügt er hinzu. Allerdings sagt Harder auch: „Für uns wäre es wertvoller gewesen, den Schwerlastverkehr aus dem Straßenzug herauszubekommen.“

Soweit die subjektive Wahrnehmung, aber was sagen die Zahlen darüber aus, inwieweit sich Verkehrsteilnehmer an die neuen Regeln halten: Der Bürgermeister hat bei der Verbandsgemeinde eine verdeckte Geschwindigkeitsmessung beantragt. Der Rhein-Pfalz-Kreis hat sogar schon zwei Mal geblitzt, seit die Tempo-30-Schilder stehen: Am 13. Februar sind in der Germersheimer Straße binnen anderthalb Stunden 170 Fahrzeuge gemessen worden, davon waren 36 zu schnell. Am 21. März war der Blitzer in der Heiligensteiner Straße aufgebaut und hat die Geschwindigkeit von 202 Fahrzeugen gemessen. Das Ergebnis: 43 Verstöße in anderthalb Stunden. Auffällig ist der Vergleich mit Kontrollen in der Zeit, als noch Tempo 50 erlaubt war: Bei drei Kontrollen in Heiligensteiner und Germersheimer Straße zwischen November 2023 und Februar 2024 wurde die Geschwindigkeit von fast 550 Fahrzeugen kontrolliert. Zu schnell war genau eines davon.

Weitere Schilder kommen

Was laut Bürgermeister Hoffmann viele Bürger nicht nachvollziehen können: dass die Tempo-30-Begrenzung hinter der Kirche in Heiligenstein ende. Der Grund sei, dass die Häuser dort weiter von der Straße entfernt stünden und in diesem Abschnitt bis zum Ortsausgang Richtung Lingenfeld auch der Verkehr weniger stark sei. Das bedeute, dass die „Spielregeln“ für Lärmschutz dort nicht mehr greifen. Auch im Abschnitt zwischen Marxenweidenweg und Martin-Greif-Straße sei das eigentlich der Fall, doch dort hätten die zuständigen Behörden die Geschwindigkeitsbeschränkung erlaubt, um einen Flickenteppich zu vermeiden.

Kommen soll Tempo 30 auch noch in der Berghäuser Straße – allerdings mit Lücken –, für die Viehtriftstraße werde es geprüft, sagt Hoffmann. Dass die Gemeinde selbst entscheiden kann, ob sie auf innerörtlichen Kreis- oder Landesstraßen Tempo 30 ausweist, ist wohl auch künftig nicht realistisch. Eine entsprechende Initiative sei im Bundesrat zuletzt gescheitert, bedauert der Bürgermeister.

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