Rhein-Pfalz Kreis Tausende Kinder für Musik begeistert

Mutterstadt/FUSSGÖNHEIM. Als Bine Stoll kennt sie jeder, das offizielle Sabine-Annette Stoll müssen die Lobredner ablesen. Die im Landkreis bekannte und beliebte Musikerin und Musikpädagogin ist jetzt mit der Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz für ihr langjähriges Engagement geehrt worden.
Wer ein Mal in den Herbstferien auf der Starkenburg (bei Heppenheim) den Spielkreis Fußgönheim besucht hat, spürt, was Bine Stoll bewirkt und bewegt. Große Kinder kümmern sich um kleine Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene packen mit an, wo Hilfe gebraucht wird – und die Stimmung ist ein freundliches Miteinander, von ansteckender Fröhlichkeit. Den Spielkreis hat Bine Stoll schon vor 33 Jahren gegründet. Und was die Kinder und Jugendlichen spielen, schreibt und arrangiert sie auch. Meist sind es bekannte Märchen, aus denen sie Musicals macht. Das Besondere dabei ist, dass Anfänger und Fortgeschrittene gemeinsam musizieren. Das war der Grundgedanke, den Bine Stoll entwickelte, als sie Lehrerin an der Kreismusikschule wurde. Der damalige Leiter Hans Oskar Koch habe sie schon zu ihrer Studienzeit in Mannheim gekannt und ihr mehr oder minder ein Angebot gemacht, das sie nicht ablehnen konnte. Bine Stoll wurde im November 1959 in Tübingen geboren. Das Elternhaus sei musikalisch gewesen, erzählt sie: Die Großeltern machten schon Musik, die Eltern auch, zwar nicht professionell, aber mit Begeisterung. „Ich bin sehr dankbar, dass ich alle Instrumente lernen durfte, die ich lernen wollte“, sagt Bine Stoll heute. Immerhin waren das in ihrem Fall Klavier, Orgel, Cello, Blockflöte und Harfe. So war es auch Ehrensache, dass ihre 90-jährige Mutter Dorothea bei der Feierstunde in Mutterstadt dabei war. Studiert hat sie dann Schulmusik mit den Fächern Streich-, Blas-, und Tasteninstrumente, dazu auch Chor- und Orchesterleitung. Die universelle Ausbildung kann sie bestens für ihre Projekte einsetzen. Praktisch jedem Teilnehmer kann sie zeigen und erklären, was an musikalischem Geschehen auf seinem Instrument gewünscht wird. Der Spielkreis wird für die Kinder und Jugendlichen fast wie eine zweite Familie. Inzwischen gibt es sogar schon Kinder und Kindeskinder von ehemaligen Teilnehmern, die heute mitmachen. Jedes Jahr fahren auch Ehemalige auf die Starkenburg, um Hallo zu sagen, oder, falls nötig, auszuhelfen. Alle, die mitmachen, lernen Verantwortung und Rücksicht füreinander und einen Umgang, der spürbar herzlich und liebevoll ist. Der Erlös der Aufführungen kommt einem guten Zweck zugute: Bine Stoll hat Verbindung zu zwei Waisenhäusern in Litauen, auch das Kinderhospiz Sterntaler in Dudenhofen und das St. Annastift in Ludwigshafen wurden schon bedacht. Insgesamt seien dabei schon rund 40.000 Euro an Spenden geflossen. Neben den Aufführungen des Spielkreises im Mutterstadter Palatinum gibt es auch jedes Jahr ein Weihnachtskonzert in der evangelischen Kirche. „Die Kreismusikschule ist meine erste und einzige Arbeitsstelle, und es ist schön, dass ich in der ganzen Zeit am selben Ort etwas aufbauen konnte“, sagte die Geehrte erfreut. Wie viele Kinder sie im Lauf der mehr als drei Jahrzehnte schon betreut hat, kann sie nur schätzen. Nicht Hunderte, es gehe wohl schon in den Tausender-Bereich. Manche der Kinder hat sie von der musikalischen Früherziehung bis zum Musikstudium begleitet. Tatsächlich habe sie von „ihren“ Kindern schon angehende Musikstudenten auf ihre Aufnahmeprüfungen vorbereitet. Heute ist sie Fachbereichsleiterin der musikalischen Grundausbildung und Früherziehung, betreut die Fächer Cello, Cembalo, Alte Musik und leitet die Kinder des Chorus Pipsicus. Im Kirchendienst ist Bine Stoll in Limburgerhof tätig, wo sie seit über 25 Jahren Orgel zu Gottesdiensten spielt. In weiteren Projekten hat sie mit und für behinderte Menschen Musik gemacht. In Mutterstadt lebte sie bis vergangenes Jahr, jetzt wohnt sie in Neuhofen. Die nächsten Aufführungen des Spielkreises sind am 24. und 25. Juni im Palatinum. Dann wird „Das kleine Gespenst“ aufgeführt.