Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Tanzstunde in Corona-Zeiten: Das Wohnzimmer wird zum Tanzparkett

Die Tanzlehrer Kai Spang und Angelina Berres beim Kindertanzkurs: Den Kleinen macht es Spaß und sie bleiben in Bewegung.
Die Tanzlehrer Kai Spang und Angelina Berres beim Kindertanzkurs: Den Kleinen macht es Spaß und sie bleiben in Bewegung.

Nur zirka vier Quadratmeter Platz sind nötig plus ein Computer mit Kamera. Noch ein „Klick“ auf den Link für das Zoom-Meeting ,und dann sind die Beine dran. Die werden daheim im Takt geschwungen. Von kleinen und von großen Leuten. Und mit Hilfe der Tanzlehrer der Mutterstadter Tanzschule Nagel.

Noch ein bisschen runter mit der Kamera“, fordert Tanzlehrer Kai den kleinen Philipp auf. Philipp gehört zu der Gruppe TanzBären und TanzMäuse für Kinder ab drei Jahren. Insgesamt wird das Online-Kindertanzen, das regelmäßig stattfindet, für vier Altersgruppen angeboten. Philipp hat das letzte Mal noch im Garten mitgetanzt, heute ist das Wohnzimmer dran. Kai begrüßt ihn und die anderen kleinen Tänzer. Dann geht es schon los.

Zum Warmwerden imitieren die Kinder zu dem Lied „Immer in Bewegung“ Tiere aller Art. Sie beugen sich vor wie eine Giraffe, hüpfen wie ein Frosch, trampeln wie ein Elefant oder schwimmen wie ein Fisch. Jetzt sind die Muskeln warm und es kann losgehen. „Zeigt mir eure Daumen, wenn ihr bereit seid“ lautet die Ansage von Kai Spang. Alle Daumen gehen hoch. Die kleine Stoffgiraffe, die Kai in die Kamera hält, steht stellvertretend für ihre große Kollegin Raffi mit ihrem fünf Meter langen Hals. Um sie, mit ihren Flecken in Herzform und ihrem Herzen, in dem Platz für die ganze Welt ist, drehen sich die folgenden Tanzschritte und Figuren. Dass das Watscheln eines Pinguins tänzerisch prima nachempfunden werden kann, zeigt die nächste Choreografie. Als Ersatz für die Eisscholle zum Ausruhen muss die Kuscheldecke oder die Couch zu Hause herhalten.

Normalerweise würde Kai nicht frontal vorne stehen wie jetzt beim digitalen Unterricht, die Kinder würden sich im Kreis formieren und sie könnten sich an die Hand nehmen. Auch könnten Spiele gemacht oder ein Bewegungsparcours gestaltet werden. Online geht das nicht. „Aber besser als nix“, steht für Kai fest, der 2011 mit seiner Freundin Angelina Berres die Tanzlehrerausbildung begonnen hat. Und Angelina, die unterstützend zur Seite steht und bei der Abschlussdisco mit bunten Lichtern die Wunschtitel der Jungtänzer anspielt, ergänzt: „Für die Kinder ist es normalerweise ein Highlight, in die Tanzschule zu gehen“. Auf diese Art seien sie nicht ganz ohne Tanz. Und die Arbeit und das Quatschen mit den Kleinen gebe auch ihr selbst viel zurück, insbesondere in diesem momentan eher tristen Tanzlehreralltag.

Einmal tauchen – die Frisur sitzt

Eine weitere Tanzlehrerin im Homeoffice, wie sie sich selbst scherzhaft nennt, ist Claudia Rudat. Seit 1998 an Bord der Mutterstadter Tanzschule Nagel führt sie ihre tanzfreudige erwachsene Kundschaft nicht wie jene im Vorschulalter nach Afrika oder an den Südpol, sondern unter anderem nach Lateinamerika. Temperamentvolle Salsa-Klänge tönen durch die Hauptanlage des Tanzsaales und kommen dank der Technik in den Wohnzimmern und somit bei den Tänzern und Tänzerinnen an. Schaut der Unerfahrene ihnen beim Warmtanzen zu, wird ihm schnell klar: Hier tanzen heute keine Anfänger. Kurze Ansagen von Claudia reichen, und die Pärchen wissen, was zu tun ist. Die Dame wird ins Körbchen gelegt, und nahezu mühelos gelingt ein Dile que no, ein Platzwechsel der Dame von rechts nach links bei offener Tanzhaltung.

Claudia beobachtet das Treiben auf ihrem Bildschirm und stellt zufrieden fest: „Scheinbar sind noch alle Nasen dran.“ Die Gefahr, dass die Ellenbogen der Damen bei der Drehung die Nasen der Männer treffen, scheint also gebannt. Auch nicht ungefährlich ist es, wenn die Damen unter dem Arm des Mannes durchtauchen. „Den Kopf einziehen, dann passiert der Frisur nichts“, sagt sie. Danach gleich wieder aufrecht und gerade mit der Brust nach vorne dazustehen, ist für den weiblichen Part die Herausforderung der Stunde. Claudia hält das Ziel vor Augen: „zeigen, was uns zu einer schönen Frau macht“. Als sich die Männer ihrerseits mit einem Männertaucher beweisen müssen, kommt eine kleine Rüge: „Dennis, das geht eleganter“ – und mit einem Augenzwinkern an alle Männer sagt Claudia: „Ihr seid ganz schön aufgeschmissen ohne eure Damen!“

Korrigieren können Claudia und ihr Partner Pascal Jakob im Einzelfall über den Chat, über Telefon oder gar einen Extra-Computer. Obwohl das so weit gut funktioniert, ist das 30-köpfige Team der Tanzschule Nagel mit fünf ausgebildeten Tanzlehrern, zwei Azubis, der Bar-Mannschaft und dem Techniker Stefan Batzler (ohne den laut Aussage von Angelina Berres gar nichts läuft) froh, wenn der Unterricht endlich wieder in Präsenz stattfinden kann. „Wir können es kaum abwarten, bis es wieder los geht“, sagt die junge Frau und fügt mit überzeugter Stimme hinzu: „Egal, wie es kommt, wir sind bereit!“

Termine:

Neue Online-Kurse: Salsa Cubana für Einsteiger, samstags, 19 Uhr (ab 17. April); Gesellschaftstanzkurs Disco Fox & Walzer für Einsteiger, dienstags, 19.15 Uhr (ab 20. April) und donnerstags 20.30 Uhr (ab 22. April), jeweils vier Abende plus einen Übungsabend. Mehr Infos unter www.tanzschule-nagel.de.

 Salsa Club online mit den Tanzlehrern Claudia Rudat und Pascal Jakob: Das Bild oben links zeigt die beiden in der Perspektive d
Salsa Club online mit den Tanzlehrern Claudia Rudat und Pascal Jakob: Das Bild oben links zeigt die beiden in der Perspektive der Kursteilnehmer.
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