Bobenheim-Roxheim
Tag der Nachhaltigkeit: Zwischen Kleidertausch und Foodsharing
Als ziemlich gute Idee kann man es bezeichnen, dass sich der ab 2015 etablierten Kleidertauschparty im protestantischen Gemeindehaus diesmal der Sozialverein Kunterbunt mit seiner Kleiderkammer anschließt. Während im Martin-Luther-Haus, wie gewohnt, gebrauchte Klamotten unkompliziert, gratis und in Schnäppchenjäger-Stimmung die Besitzer wechseln, werden hinterm Jugendzentrum im Kleinerweg nur Anziehsachen verschenkt, aber nicht angenommen. Denn der Container des Sozialvereins quillt über vor Kleiderspenden.
Andrea Hettmannsperger betont deshalb weniger unter dem Aspekt der Bedürftigkeit als vielmehr der Nachhaltigkeit, dass jeder eingeladen sei, sich freitags zwischen 15 und 16.30 Uhr umzuschauen und zu bedienen. Wer im Gegenzug etwas Geld spenden will, findet ein Kässchen vor.
Den etwa zehnminütigen Fußmarsch zwischen den beiden Standorten versüßen die Landfrauen mit frisch gebackenen Waffeln. Vorstandsmitglied Barbara Rahn wohnt gegenüber dem Roxheimer Friedhof. Für sie war es keine Frage, die häusliche Infrastruktur zu nutzen, damit die Landfrauen zum Nachhaltigkeitstag beitragen können. Kaffee gibt es selbstverständlich nicht „to go“ im Pappbecher, sondern in richtigen Tassen. Auf diese Weise verweilen die Gäste am Stand und erfahren, was der 50 Jahre alte Verein im Jubiläumsjahr vorhat.
Nicht nur Modefans sollen an diesem Tag den „kleinen Weg der Nachhaltigkeit“, so der Titel der Veranstaltung, beschreiten. Deshalb macht der Ortsverband der Grünen mit, der zwei Sammelaktionen des Nabu zur Wiederverwertung gebrauchter Brillen und Handys unterstützt. Gegen 16 Uhr sind die Sammelbehälter bereits gut gefüllt, und auch der Korb mit Naturkorken ist fast voll. Nicole Born freut sich, dass offenbar ein Bewusstsein für den Wert dieses Materials vorhanden ist. „Die Leute sammeln die Korken, bis sie eine Gelegenheit wie heute finden, bei der sie sie abgeben können“, sagt Born.
Wenig bekannt scheint zu sein, dass die Foodsharing-Bewegung auch in Bobenheim-Roxheim aktiv ist. Jedenfalls hat Maren Binz an ihrem Stand neben den Grünen viel neugieriges Publikum und beantwortet viele Fragen. Sie und andere im Ort holen Lebensmittel aus privaten Haushalten und Betrieben wie Bäckereien oder Supermärkten ab, damit sie nicht im Abfall landen, und geben sie kostenlos an Menschen ab, die sie verbrauchen.
Auch hier steht nicht so sehr der karitative Aspekt im Vordergrund, sondern der Gedanke, dass brauchbare Nahrungsmittel nichts für die Mülltonne sind. Deshalb braucht sich niemand dafür zu schämen, wenn er den Appellen der „Foodsaver“ folgt und sich Brot, Obst, Gemüse sowie Lebensmittel mit leicht überschrittenem Haltbarkeitsdatum bei ihnen abholt. „Wir sind in Bobenheim-Roxheim kein Verein, sondern eine über Facebook vernetzte Gruppe“, sagt Binz. Sie selbst handhabe das so: „Ich bin als Lebensmittelretterin immer mittwochs unterwegs. Dann mache ich ein Foto von allem, was ich gesammelt habe, und schreibe dazu: Kommt vorbei und holt es euch ab.“
Schade findet es die junge Mutter, dass kaum Bobenheim-Roxheimer Betriebe mitmachen. Die seien skeptisch und dächten wohl, dass sie auf Dauer spenden müssten, aber so sei das gar nicht gedacht. „Unser Ziel ist nur, dass übrig gebliebene Lebensmittel nicht weggeworfen werden“, sagt Binz und verweist alle, die wissen wollen, wie’s funktioniert, auf die Internetseite www.foodsharing.de.