Rhein-Pfalz Kreis Tätersuche wird wohl erfolglos bleiben

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Mutterstadt. Fünf Tage nach dem falschen Amok-Alarm an der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Mutterstadt gibt es immer noch eine Menge Fragen. Die Kreisverwaltung arbeitet daran, einen technischen Defekt als Auslöser mit Gewissheit auszuschließen, die Polizei hat Material zur weiteren Bearbeitung ans Landeskriminalamt geschickt – und in den kommenden Tagen sollte es tatsächlich erste Antworten geben.

Eine belastende Situation sowohl für Schüler und Lehrer als auch für Eltern und Rettungskräfte hat der Fehlalarm am vergangenen Freitag verursacht, dem letzten Schultag vor den Herbstferien. Um 8.35 Uhr ging er beim Polizeipräsidium Rheinpfalz ein und löste eine ganze Lawine von Reaktionen aus, die zum üblichen Vorgehen bei Amokalarmen in Schulen gehören – zahlreiche Einheiten der Polizei, vom ersten Kontaktteam bis hin zum Spezialeinsatzkommando (SEK), der Katastrophenschutz, die Feuerwehr und nicht zuletzt ein kreisender Helikopter waren vor Ort. Mit einigen Tagen Abstand fällt das Fazit des Polizeipräsidiums zumindest in einer Hinsicht positiv aus: Das Sicherheitskonzept ist aufgegangen. „Die ersten Polizisten waren schon wenige Minuten nach dem Alarm vor Ort und haben Kontakt zur Schule aufgenommen, der Stab war ebenfalls innerhalb kürzester Zeit einsatzfähig, die Motivation der Beamten ist hoch gewesen und insgesamt war es bemerkenswert, wie reibungslos alles funktioniert hat“, sagt Pressesprecher Sebastian Burkhard. Dennoch sei eine Situation wie diese auch für Polizisten belastend. Die Anspannung in potenziellen Gefahrenlagen zwischen weinenden Kindern, verunsicherten Lehrern und besorgten Eltern sei sehr hoch – und natürlich gebe es während eines solchen Vorfalls und danach viele Fragen. In Mutterstadt können die meisten davon noch nicht verlässlich beantwortet werden. Zwar steht fest, in welchem Raum der Alarm ausgelöst wurde und die Polizei hat Spuren gesichert. Die Möglichkeit eines technischen Defekts kann aber noch nicht mit Gewissheit ausgeschlossen werden. „Das wird gerade untersucht und das Ergebnis sollte morgen vorliegen“, erklärt Stefan Kopf, Pressesprecher der Kreisverwaltung. Er glaubt allerdings nicht an ein Versagen der Technik. Das System sei zuletzt am 21. September überprüft worden und habe da einwandfrei funktioniert. Bleibt Variante zwei: Jemand hat den Alarm mutwillig ausgelöst. Die Suche nach diesem Jemand wird sich aber voraussichtlich nicht einfach gestalten. „Wir haben auf dem Alarmknopf keine verwertbaren Fingerabdrücke gefunden“, teilt Polizeisprecher Burkhard mit. Ein Abrieb sei zum Landeskriminalamt geschickt worden, um ihn auf DNA-Spuren zu untersuchen. Viel mehr Hinweise gebe es allerdings nicht. Das erinnert an den Fehlalarm im März an derselben Schule. Wer den auslöste, konnte ebenfalls nicht ermittelt werden. Es habe keine konkreten Hinweise auf eine vorsätzliche Tat gegeben, erklärt Burkhard. Was es damals auch nicht gab: einen Einsatz vom Ausmaß der vergangenen Woche. Zwar habe es an der IGS in Mutterstadt im März einen Großeinsatz gegeben, die Situation konnte aber schneller aufgeklärt werden, sodass nicht alle Kräfte anrückten. Das sei bei fast allen Fehlalarmen so, erklärt der Polizeisprecher: „Oft kommt die Entwarnung sofort hinterher und jemand teilt uns mit, dass ein technischer Fehler oder ein Versehen der Auslöser war.“ Meist handele es sich dabei ohnehin um Brand- oder Einbruchsalarme. Amok-Alarme seien die absolute Ausnahme und kämen seit ihrer Einführung vor rund fünf Jahren so gut wie gar nicht vor. „Das bewegt sich im einstelligen Bereich und stellt für uns keine Belastung dar“, sagt Burkhard. Der Eindruck, der durch zwei Fehlalarme an einer Schule in Mutterstadt möglicherweise entstehe, sei also irreführend. In Praxisübungen an Schulen würden Kinder und Jugendliche auch für das Thema sensibilisiert und dazu angehalten, im Umgang mit den Alarmanlagen entsprechende Vorsicht walten zu lassen. Das funktioniere so weit ganz gut. Allerdings sind noch lange nicht an allen weiterführenden Schulen im Kreis Alarmsysteme installiert. „Bis jetzt gibt es die nur in Mutterstadt und in Maxdorf. In Limburgerhof wird gerade eines errichtet“, berichtet Stefan Kopf. An den anderen Schulen würden bis zur Umrüstung „Amokhandys“ benutzt, die anders als die Notfallknöpfe nicht offen zugänglich sind. Vor Fehlalarmen schützt das jedoch auch nicht immer, wie mehrere Fälle im Großraum Trier aus den vergangenen Jahren zeigen. Dabei handelt es sich aber eher um die von Burkhard erwähnten Pannen. In Mutterstadt liegt der Fall wohl anders, da vermuten alle ein vorsätzliches Auslösen des Alarms. Wird der Täter erwischt, dürfte ihn die Sache teuer zu stehen kommen. Neben einem Strafverfahren wegen der „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhen einer Straftat“ warten vor allem Ersatzforderungen von Polizei und Kreisverwaltung. „Mit dem Einsatz von mehreren Dutzend Beamten, SEK-Leuten und einem Helikopter bewegen wir uns locker im fünfstelligen Bereich“, sagt Burkhard. Dazu kommen die Kosten des Katastrophenschutzes der Verwaltung mit Notarzt, Schnelleinsatzgruppe und organisatorischem Leiter sowie die der Mutterstadter Feuerwehr. Durch den Alarm sind hohe Kosten entstanden, die die Rettungskräfte gern wenigstens zum Teil weiterreichen würden. Die Chancen dafür stehen aber offenbar nicht so gut.

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