Römerberg
Straßensanierungen: Wie viel Grün statt Grau darf’s sein?
„Es ist ein Trauerspiel, dass man dem Verkehr so den Vorrang einräumt“, machte Clemens Middendorf von der Grünen-Fraktion im Römerberger Ortsgemeinderat seinem Ärger Luft. Offenbar hatte er nicht damit gerechnet, dass es zu seinem Antrag auch abweichende Meinungen gibt. Middendorf hatte den Wunsch seiner Fraktion formuliert, „bei zukünftigen Straßensanierungen grundsätzlich die Einplanung einer alternierenden Anpflanzung von Bäumen, die Neuzuordnung der vorhanden Parkplätze und die Aufstellung einer Sitzbank in einem Gesamtkonzept zu integrieren“. Die Grünen wollen damit dem Aufheizen der Siedlungen entgegenwirken und den Klimaschutz unterstützen. Sie führen aber noch andere Gründe für ihren Antrag an: Durch das versetzte Anordnen von Bäumen und Parkplätzen müssten sich Verkehrsteilnehmer an die vorgeschriebene Geschwindigkeit halten, wodurch Kinder weniger Gefahren ausgesetzt wären. Außerdem bedeute mehr Grün ein Plus an Gesundheitsschutz, und die Sitzbänke steigerten insbesondere für Senioren die Lebensqualität.
„Grün ist gut und schön“, begann CDU-Fraktionsvorsitzender Andreas Ruhnke seine Anmerkung dazu – und es war bereits zu ahnen, dass ein „aber“ folgen sollte: Anders als in Städten gebe es auf dem Dorf bereits viel Grün in Gärten und der den Ort umgebenden Natur, argumentierte Ruhnke. In manchen Straßen drohten durch das Aufstellen von Bäume Probleme für den Busverkehr. Und für den Bauhof bedeute die Pflege der Bäume einen großen Aufwand. Auch eine Sitzbank in jeder zu sanierenden Straße braucht es für das CDU-Ratsmitglied nicht. In der Viehtriftstraße auf einer Bank unter einem Baum zu sitzen, ist für ihn keine ansprechende Vorstellung. Seine Schlussfolgerung: „Wir können dem Antrag nicht zustimmen, dass alle Straßen so anzulegen sind.“ Der Argumentation schloss sich SPD-Sprecher Herbert-Martin Kälberer im Wesentlichen an und plädierte dafür „situationsbedingt“ zu schauen, wo das Anpflanzen von Bäumen Sinn ergebe. Auch Justus Rabe (FDP) sah das Problem der Folgekosten, wies aber auch darauf hin, dass es eine Förderung für solche Baumpflanzungen gebe.
Kompromiss vorgeschlagen
„Die Plätze in Römerberg, die besonders schön sind, das sind die mit Bäumen“, erwiderte Middendorf wiederum. Gegen eine Prüfung von Baumpflanzungen, wenn dies sinnvoll erscheint, hatte auch niemand etwas einzuwenden, wohl aber gegen die Formulierung im Grünen-Antrag als Grundsatzbeschluss. „Es ist so formuliert, dass es überall gemacht wird“, monierte Ruhnke. Silke Schmitt-Makdice (SPD), die in ihrer Funktion als Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde anwesend war, aber auch gleichzeitig Ortsbürgermeisterin von Hanhofen ist, gab noch etwas zu bedenken: In ihrem Heimatort habe die Gemeinde bei der Sanierung der Alten Landstraße den Wunsch nach mehr Grün gehabt. Die Bürger seien aber eher dagegen gewesen.
Als Kompromiss schlug Bürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) vor, auf den umstrittenen Ausdruck „Grundsatzbeschluss“ zu verzichten. „Es wäre schade, wenn der Antrag wegen des Wortes nicht beschlossen wird“, fand er. Außerdem formulierte er den Antrag so, dass Planer mit der Prüfung der Möglichkeit von Bäumen und Sitzbänken beauftragt werden sollen. Das soll zunächst einmal für die drei als nächstes zu sanierenden Straßen Schulstraße, Edith-Stein-Straße und Friedensstraße gelten. In zwei Jahren könne man dann immer noch über einen Grundsatzbeschluss nachdenken, wenn sich das Vorgehen bewährt habe. In dieser Version konnten dem Antrag dann alle Fraktionen zustimmen.
