Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Sterntaler ist für viele das zweite Zuhause

Konzert fürs Kinderhospiz: Marian Gold und Keyboarder Carsten Brocker spielen „Forever Young“.
Konzert fürs Kinderhospiz: Marian Gold und Keyboarder Carsten Brocker spielen »Forever Young«.

Das diesjährige Sommerfest im Kinderhospiz „Sterntaler“ hat ganz im Zeichen der Zeit gestanden. Seit 20 Jahren gibt es die ambulante Kinderkranken- und Intensivpflege, vor 15 Jahren hat das stationäre Kinderhospiz seine Pforten in der Kettelerstraße in Dudenhofen geöffnet.

Der Wettergott ist am Samstag nicht festlich gestimmt. Aber Nieselregen, Kälte und Wind halten Sterntaler-Kinder, deren Eltern, Freunde, die Nachbarn und Förderer der Einrichtung nicht vom Feiern ab. Auf der Bühne spielen Roland & Friends gerade ihre letzte Zugabe. Daniel Fleischmann sitzt am Schlagzeug. Als Vater einer Tochter mit Behinderung ist Dabeisein für ihn unerlässlich, auch wenn der nächste Termin bereits wartet.

Wenig später betritt Alphaville-Mitbegründer Marian Gold mit Keyboarder Carsten Brocker die Bühne. Drei Lieder haben die beiden im Gepäck, machen Station zwischen zwei Konzerten in Dudenhofen. Kinder der 1980-er hält es nicht länger auf den Bänken, als Gold „Forever Young“ anstimmt.

Bei Alphaville singen alle mit

Eltern halten ihre Kinder im Arm, tanzen, singen mit, jubeln. Für ihn sei es eine große Ehre, für die Sterntaler zu spielen, betont Gold. „Das wichtigste in diesem Jahr sind diese zehn Minuten“, ist der Vater von sieben Kindern überzeugt. Noch einmal alles geben mit „Faith“, dem Song, der Gold „im Traum“ eingefallen ist, noch einmal ins begeisterte Publikum winken, dann geht es für Alphaville weiter nach München.

Im Haus erklärt Lisa Bauer Interessierten, wie der ambulante Sterntaler-Pflegedienst funktioniert. 42 Beschäftigte versorgen und betreuen derzeit 18 Kinder zu Hause. „Wir könnten dreimal so vielen Familien helfen, wenn wir ausreichendes Personal hätten“, weist Bauer auf den Pflegenotstand hin, der auch die Sterntaler erreicht hat.

Das sieht im stationären Bereich nicht anders aus. Sterntaler-Geschäftsführerin Anja Hermann berichtet von derzeit sechs Kindern, die im Hospiz aufgenommen sind. Platz wäre für acht.

Ohne Ehrenamtliche läuft nichts

25 Pflegekräfte und weitere rund 30 Haupt- und Ehrenamtliche sind bei Tag und Nacht für Kinder, Eltern, Geschwisterkinder und Angehörige da. „Ohne unsere leidenschaftlichen Ehrenamtlichen wäre hier nichts zu bewältigen“, betont Linnford Nnoli, bei den Sterntalern zuständig für Öffentlichkeitsarbeit.

Eine von ihnen ist Andrea. Sie steht als Familienbegleiterin bereit, zu helfen, mit zu weinen und zu lachen. „Ohne mein Ehrenamt hätte ich nie mehr aus dem tiefen Loch gefunden, in das ich nach dem plötzlichen Tod meines Sohnes gefallen war“, berichtet sie vom Geben und Nehmen bei den Sterntalern, vom tiefen Vertrauen zwischen Eltern und Mitarbeitern, von gewachsenen Beziehungen. „Hier ist ein guter Ort“, sagt Andrea über den Arbeitsplatz, der für sie längst ein zweites Zuhause ist.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal gemeinsam mit meinem kleinen Sohn zu einem Alphaville-Konzert gehe“, sagt ein Vater auf dem Weg zur langen Warteschlange für Kaffee und Kuchen. Er trägt sein Kind auf dem Arm. Der Trubel rundherum macht ihm Spaß. „Wir kommen regelmäßig zum Entspannen, Reden und Feiern“, berichtet der Vater von der für ihn und seine Familie wertvollen Arbeit der Sterntaler. „Heute wollen wir der ganzen Familie zeigen, wo wir unsere Auszeit finden, Halt in schlimmen Stunden, immer ein offenes Ohr.“

„Viel mehr als ein Job“

Auf dem Weg zwischen Küche und Garten ist Simone Köllner mit gebrauchtem Geschirr anzutreffen. Sie arbeitet seit der ersten Stunde im Kinderhospiz. „Das ist viel mehr als ein Job“, betont sie. „Ich bin seit 15 Jahren mit Leib und Seele dabei.“ Dieser Geist umgibt auch das Sommerfest. Eine Mutter, die ihr Kind gerade verloren hat, findet Trost in den Armen vieler Mitarbeiter, die mit ihr weinen, von der Zeit erzählen, die sie mit dem Kind verbracht haben. Ein paar Meter weiter reiten kleine Besucher auf Ponys, werfen Bälle in den Basketballkorb oder genießen ein paar Eiskugeln.

Erdbeerkuchen ist aus in der Sterntaler-Küche, vor der die Warteschlange nicht kürzer wird. Aber es gibt noch andere Sachen zu essen. Ein Landauer übt sich in Geduld. Er sei gekommen, um mehr über die Trauerarbeit der Sterntaler zu erfahren, sagt er. Seine Frau hat er daheimgelassen. „Sie hält das nicht aus“, erklärt er und steckt einen Prospekt der ambulanten Pflege ein.

Besucher aus dem ganzen Bundesgebiet feiern das Sommerfest. „Unsere Kinder und ihre Familien kommen von überall“, bestätigt Hermann. „Jede Stunde Entlastung zählt“, weist sie auf Situation hin, die oft überfordern. Das Sterntaler-Sommerfest bietet auch Entlastung, sorgt für Austausch und Genuss. Ein paar Stunden für Herzen und Seelen der Betroffenen.

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