Dudenhofen
Sprengstoff-Drohung in Schule: Was steckt hinter der Drohmail?
Nach Angaben der Polizei und der Schulleitung ging in der Nacht zum Freitag um 1 Uhr in einer Klassengruppe der Schule eine E-Mail ein, in der mit einem Sprengstoffanschlag in der Realschule plus gedroht wurde. Der vermeintliche Absender war ein Schüler. Eine Lehrerin entdeckte die E-Mail vor Schulbeginn und informierte Schulleiter Christian Wallner. Der 54-Jährige, der die Realschule plus seit acht Jahren leitet, schaltete sofort die Polizei ein und rief seinen Krisenstab zusammen. Die Polizei sei schon vor den ersten Schülern vor Ort gewesen, berichtet Wallner auf RHEINPFALZ-Anfrage. Während die Beamten der Polizeidirektion Ludwigshafen das Gebäude durchsuchten, seien die 400 Schülerinnen und Schüler in die Turnhalle geschickt und dort betreut worden. Natürlich hätten viele Schüler gefragt, was los sei, doch sie hätten sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, sagt Wallner. Das Lehrerkollegium habe in der Turnhalle ein zweistündiges Programm für die Schüler auf die Beine gestellt und unter anderem die Sieger der Bundesjugendspiele geehrt. Die Eltern sind dem Schulleiter zufolge über die Situation informiert worden.
Währenddessen prüfte in Mainz eine Analysegruppe des Landeskriminalamts die Drohmail. Nach Angaben eines Polizeisprechers ergab deren Auswertung, dass keine akute Bedrohung vorliege. Auch im Schulgebäude sei nichts gefunden worden, sodass laut Wallner um 9.15 Uhr Entwarnung gegeben werden konnte. Die Schülerinnen und Schüler seien anschließend von ihren Klassenlehrern über die Umstände informiert worden.
Spielt Mobbing eine Rolle?
Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Mit dem Jungen, von dessen Account die E-Mail versendet worden war, sei gesprochen worden. Er gilt als unschuldig. Laut Polizei soll er die E-Mail nicht versendet haben. Ob es sich um einen Hackerangriff auf dessen Account handelte und/oder sogenanntes „Swatting“ dahintersteckt, sei Teil der Ermittlungen. Beim „Swatting“ wird eine Bedrohung vorgetäuscht, um einen Einsatz von Polizeispezialkräften zu provozieren. Meist handelt es sich dabei um eine strafbare Mobbing-Taktik, um dem Opfer zu schaden. In Dudenhofen waren nach Angaben des Polizeisprechers keine Spezialkräfte im Einsatz.
Den tatsächlichen Urheber der E-Mail erwarten Konsequenzen, wenn er ermittelt werden kann: „Solche Drohungen stellen Straftaten dar, die grundsätzlich dazu geeignet sind, eine erhebliche Verunsicherung in der Bevölkerung hervorzurufen. Hinzu kommen mögliche Kosten für polizeiliche Einsatzmaßnahmen“, heißt es von der Polizei. Deren Sprecher sagt gegenüber der RHEINPFALZ, dass die Kosten für einen solchen Einsatz schnell in die Tausende beziehungsweise Zehntausende Euro gehen könnten – abhängig davon, wie viele, welche und wie lange Einsatzkräfte sich mit dem Vorfall beschäftigen müssen.
Schlechtes Handynetz erschwert Kommunikation
Schulleiter Wallner versucht trotz der Aufregung am Freitagmorgen das Positive zu sehen. Er lobt seine Schulgemeinschaft, die besonnen reagiert habe, und sein Krisenteam, das sich immer wieder mit möglichen Krisensituationen in der Schule befasst habe und nächste Woche regulär zusammengekommen wäre. Auch dieser Vorfall habe ein paar Probleme aufgezeigt, die verbessert werden sollen. Wallner nennt das „katastrophale Handynetz“, auf das er den Schulträger – den Rhein-Pfalz-Kreis – aufmerksam machen werde. Es sei ihm nicht möglich gewesen, mit dem Handy mit der Polizei zu kommunizieren, sagt der Schulleiter und hofft nun „inständig auf ein ruhiges Wochenende“.