Rhein-Pfalz Kreis Spielen klappt auch ohne Worte

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Limburgerhof. Zwölf Flüchtlingskinder besuchen die kommunale Kindertagesstätte Haus des Kindes in Limburgerhof. Die deutsche Sprache lernen sie hier spielerisch. Und auch den Eltern kommt der Kitabesuch den Kleinen oft zugute.

Das Piratenschiff der Eulengruppe ist gegen einen Felsen geprallt. Immer mehr Wasser dringt in den Rumpf ein. Den kleinen Piraten bleibt nur noch eines: sich mit Holzplatten auf eine nahe Insel retten. Heute müssen kleine Stoffmatten als Holzplatten herhalten. Matte um Matte legen die Kinder voreinander, um sich so den Weg zu dem trockenen Fleckchen – einem Teppich – zu bahnen. Auch der vierjährige Matthias, dessen Eltern aus Ägypten kommen, beeilt sich, um das sichere Ufer schnell zu erreichen. Während die anderen Piraten ihre Rettung aber mit kleinen Kämpfen feiern, steht Matthias ruhig und schüchtern daneben und schaut ihnen nur zu. 179 Kinder besuchen das Haus des Kindes in Limburgerhof. 57 von ihnen wachsen zweisprachig auf, zwölf sind Flüchtlingskinder. Auch sie haben in Rheinland-Pfalz ab zwei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, sobald die Erstaufnahmeeinrichtung sie einer Kommune zugewiesen hat. „Ängstlich darf man mit der Flüchtlingsthematik nicht umgehen“, meint Kita-Leiterin Inge Sabin. Erfahrungen mit Kindern aus anderen Ländern habe die Limburgerhofer Einrichtung sowieso schon seit Langem: Denn die Kita, in der 27 Erzieher beschäftigt sind, besuchen viele Kinder, die mit ihren bei der BASF beschäftigten Eltern alle paar Jahre in ein anderes Land ziehen. Zudem liegt im Haus des Kindes ein Schwerpunkt auf der Sprachförderung der Kleinen, egal ob deutscher oder ausländischer Herkunft. Sprache wird in den Tagesablauf integriert – durch Musik und Bewegung, Rollenspiele, Reime und Rätsel oder Fantasiereisen. Wichtig sei, dass Flüchtlingskinder so früh wie möglich einen Kindergarten besuchen – und vor allem regelmäßig. „In vielen Ländern gehört es zur Mentalität, dass man Zweijährige noch nicht in die Kita schickt“, erzählt Sabin. Doch gerade in diesem Alter entwickele sich die Sprachkompetenz besonders, meint die Kita-Leiterin: „Wenn die Kinder erst mit vier Jahren kommen, wird’s schwieriger mit der Sprache.“ Um Flüchtlingsfamilien zu erreichen, arbeitet das Haus des Kindes eng mit der Gemeindeverwaltung und den ehrenamtlichen Helfern in Limburgerhof zusammen. Dieses Konzept sei erfolgreich, sagt Sabin: „Bis jetzt haben wir es in Limburgerhof geschafft, alle Kinder in eine Kita zu bringen.“ Ob das so bleibt, sei abzuwarten. „Wir wissen ja nicht, wie viele noch kommen.“ Eine Besonderheit im Haus des Kin-des: Zwei Erzieher, die sich nachmittags um die Hortkinder kümmern, betreuen an den Vormittagen gezielt Flüchtlingskinder und deren Familien. Sie begleiten die Kinder in der jeweiligen Kita-Gruppe, „holen sie aber auch mal aus der Gruppe und machen allein mit ihnen ein Spiel“, erzählt Sabin. „Das tut auch den Familien gut.“ Denn diese hätten in den beiden Erzieherinnen feste Gesprächspartner, die ihnen auch mal beim Ausfüllen von Formularen oder Ähnlichem helfen. „Dadurch haben sie das Gefühl, aufgenommen zu sein“, sagt sie. Mit Englisch komme man in der Kommunikation mit den Eltern sehr weit. „Und bei den Kindern benutzen wir auch mal Hände und Füße“, erzählt sie mit einem Schmunzeln. Die anderen Kinder in der Kita reagierten mit Verständnis auf diejenigen, die anfangs noch kein Wort verstehen. Gemeinsam spielen gehe auch ohne große Worte. Die Eltern der Kinder seien ebenfalls akzeptiert, meint Sabin. Berührungsängste sehe sie nicht. Denn Zuwanderer können ja auch eine Bereicherung sein, wie man am Beispiel einer Asylbewerberin aus Uganda sehen könne, die in der Küche helfe: „Sie bringt ihre Kultur mit, singt in der Küche.“ Eine Herausforderung für die Erzieher seien traumatisierte Kinder und Eltern. Wenn die Pädagogen merken, dass sich ein Kind auffällig verhält, sich besonders zurückzieht oder aggressiv ist, nehmen sie Kontakt zu den Ehrenamtlichen in Limburgerhof auf, die die Kleinen dann zu Ärzten bringen. Hier gelte der gleiche Grundsatz wie bei der Sprache. „Je jünger die Kinder herkommen, desto besser“, meint Sabin. Manchmal leiden die Kinder aber auch, weil die Eltern mit traumatischen Erlebnissen zu kämpfen haben. Dann sei es für das Kind manchmal das Beste, wenn es den ganzen Tag in der Kita verbringe, statt nur den Vormittag. „Denn hier bekommt es Unterstützung, darf spielen, Kind sein“, erklärt Sabin. Zur Integration der Flüchtlingskinder und ihrer Eltern soll ein Sommerfest mit internationalem Büfett beitragen. Jeder soll aus seinem Land eine Spezialität mitbringen. Die Listen dafür liegen in der Kita schon aus. „Mal schauen, was dabei herauskommt“, meint die Kita-Leiterin. Mittlerweile ist es Zeit für das Mittagessen. Matthias aus Ägypten rennt ausgelassen mit den anderen Kindern zur Tür. Im Haus des Kindes sind sie alle, egal aus welchem Land, vor allem eins: einfach nur Kind.

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