Rhein-Pfalz Kreis Spannung mit Häppchen garniert
Mutterstadt. Bei Gina Greifenstein kommen mehrere Talente zusammen: Kochen, Schreiben und Schauspielkünste. Ihre Lesung am Donnerstag in der Gemeindebibliothek Mutterstadt hat die Südpfälzer Kochbuch- und Krimiautorin humorvoll präsentiert. Passend zum Titel „Metzelsupp“ gab es eine Mischung aus Lesung und Mini-Vier-Gänge-Menü.
Zur Vorspeise servierte die Autorin nicht nur eine Kostprobe aus ihrem Krimi, sondern auch eine kleine Kreation aus ihrem „Pfälzer Kartoffelbuch“. Während die Besucher ihre Paprika-Kartoffelcreme löffelten, führte Gina Greifenstein in den Mordfall um einen erschossenen Reifenhersteller in einem Landauer Parkhaus ein. Das Gebäude gebe es tatsächlich. Es sei sogar zum schönsten Parkhaus in Rheinland-Pfalz gewählt worden, merkte die 54-Jährige an. Zur ausverkauften Lesung waren viele Fans gekommen, die bereits die zwei vorherigen Krimis der Südpfälzer Autorin kannten. Aber auch die Besucher, für die die Pfalz-Krimis von Gina Greifenstein neu waren, überzeugte die Autorin mit der treffenden und spannenden Darstellung ihrer Charaktere Paula Stern – begeisterte Motorradfahrerin und entsprechend sportlich gekleidet – und Kollege Bernd Keeser. Dank des lebendigen Schreibstils, aber vor allem durch Gina Greifensteins gelungene Vortragskunst, fanden sich die Zuhörer mitten in der Geschichte wieder, in der die beiden Polizisten aus Landau der Frau des Mordopfers die traurige Nachricht überbringen. Dass Kollege Keeser vor 20 Jahren mit der frischgebackenen Witwe liiert war und seine professionelle Distanz vergisst, trübt das ansonsten gute kollegiale Verhältnis und bringt Paula Stern dazu, ihm zu raten, aus den Mordermittlungen auszusteigen. Um Bernd Keeser und sein rätselhaftes Verschwinden ging es auch in einer zweiten Kostprobe, in die sich die Autorin sogar selbst als Figur hineingeschmuggelt hat. Mit gutem Gespür ließ Gina Greifenstein die Zuhörer ausgerechnet an der spannendsten Stelle im Ungewissen, um sie mit dem zweiten Gang, einer Kartoffel-Pastinaken-Suppe, zu verwöhnen. Außerdem gab es einen Kartoffel-Rosenkohl-Salat zu verkosten – gefolgt von einem Kartoffelrahmkuchen zum süßen Abschluss. Ihren schwarzen Humor stellte die Autorin zwischen den Gängen mit zwei Kurzgeschichten unter Beweis, deren überraschende Ausgänge sie den Zuhörern nicht vorenthielt. Bereits der Titel der Krimianthologie, der die erste Geschichte entnommen war, legte nahe, wovon die Erzählung handelt. Sie heißt „Wie werde ich Witwe“. „Es geht den Männern schlichtweg an den Kragen“, versprach Gina Greifenstein schmunzelnd. Die Geschichte von der betrogenen Ehefrau, die den perfekten Mord plant und letztendlich selbst zum Opfer ihres Gatten wird, kam bei den Zuhörern gut an. Auch die Kurzgeschichte „Tödliche Tapas“ aus dem gleichnamigen Buch mit kulinarischen Kurzkrimis sorgte angesichts des unerwarteten Ausgangs für Spannung, Gelächter und Verblüffung. Die Protagonistin, die eigentlich ihre Konkurrentin, eine Gastwirtin, aus dem Weg räumen will, segnet schließlich selbst das Zeitliche – wegen eines Feigensenfs, dem ihre Gegnerin einen tödlichen Zusatz verpasst hat. So landet sie als Engel im Himmel. Passend zum Schicksal ihrer Protagonistin hatte sich Gina Greifenstein als Engel verkleidet, was für Heiterkeit im Publikum sorgte. „Sie kann gut vorlesen, mit Sinn für Dramaturgie“, bescheinigte Bibliotheksleiterin Birgit Bauer am Schluss der Lesung der Schriftstellerin. Dem Lob stimmten auch die Besucher zu: „Super“ und „Das war ganz toll“ lauteten begeisterte Kommentare. |mmö