RÖMERBERG RHEINPFALZ Plus Artikel Soldaten und Horst-Wessel-Lied: Kriegerdenkmal-Einweihung 1936

30. August 1936: Einweihung des Kriegerdenkmals in Berghausen mit einem Festzug der Wehrmacht.
30. August 1936: Einweihung des Kriegerdenkmals in Berghausen mit einem Festzug der Wehrmacht.

Wehrmachtssoldaten vor der Kirche in Berghausen, das Horst-Wessel-Lied auf den Lippen, und an den Häusern gehisste Hakenkreuzfahnen – RHEINPFALZ-Mitarbeiter und Zeitzeuge Otto Haaf hat nach dem Bericht über die Kriegerdenkmäler im Speyerer Umland spannenende Unterlagen aus seinem persönlichen Archiv zu Tage befördert.

„Wie aus der Zeit gefallen“ wirken die sogenannten Kriegerdenkmäler in ihrer martialischen Formensprachen heute, so hieß es in der Geschichte, die anlässlich des Volkstrauertags vor einer Woche auf der Land-Seite der „Speyerer Rundschau“ erschienen ist. Doch es gibt Menschen, die sich noch an die Zeit erinnern können, als die Soldatenskulpturen zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet wurden. RHEINPFALZ-Mitarbeiter Otto Haaf aus Berghausen war sogar vor gut 84 Jahren als Sechsjähriger hautnah dabei, als das Denkmal in seinem Heimatort mit großem Pomp eingeweiht wurde. Sein Vater hat damals von einem Haus in der Nähe der Kirche aus ein Foto von dem Ereignis gemacht.

Zu sehen sind darauf vergleichsweise wenige normale Bürger, dafür aber viele Wehrmachtssoldaten mit Stahlhelm in Reih und Glied. Rechts und links des Denkmals, das der Bildhauer und Maxdorfer NSDAP-Ortsgruppenleiter Theobald Hauck geschaffen hatte, stehen Kanonen. An mehreren Häusern der heutigen Berghäuser Straße wehen Hakenkreuzfahnen.

„Deutschland, heil’ger Name“

Ebenfalls aufbewahrt hat Haaf das Festprogramm von jenem 30. August 1936. Los ging es demnach schon um 9 Uhr mit einer „Kirchenparade und Festgottesdienst zu Ehren der Gefallenen“. Um 11 Uhr folgte ein Frühkonzert im in der Weinwirtschaft „Rebstöckel“. Ab 14 Uhr stellte sich dann der Festzug am Kriegerdenkmal auf. Vor der eigentlichen Weihe wurde der Trauermarsch aus Beethovens „Eroica“ gespielt und der örtliche Männerchor sang Schuberts „Heilig“. Die Weiherede hielt laut Festprogramm der Bezirksführer des Reichskriegerbunds, ein Professor Schmitt aus Neustadt, bevor der Berghausener Bürgermeister – die Einheitsgemeinde Römerberg existierte damals noch nicht – das Denkmal übernahm.

Nach der Gefallenenehrung folgten weitere Grußworte namentlich nicht genannter „Vertreter der Behörden und der Partei“ sowie des Ortsgruppenleiters der NSDAP. Der Männerchor sang noch zweimal – „Morgenrot“ und „Deutschland, heil’ger Name“ – und es wurden Kränze niedergelegt.

Den Abschluss der „Vaterländischen Kundgebung“ bildete das Absingen des Deutschlandlieds und des Horst-Wessel-Lieds. Nach dem offiziellen Teil wurde zu einem Festkonzert in den Garten des „Pfälzer Hofs“ – eine Lokalität in Berghausen, nicht das heutige gleichnamige Restaurant in Mechtersheim – eingeladen. Ein Festabzeichen – soviel verrät das Programm noch – kostete 20 Reichspfennige.

In Berghausen hätten die Nationalsozialisten im Vergleich zu Heiligenstein und Mechtersheim einen schwereren Stand gehabt, erinnert sich Haaf an diese Zeit. So seien in dem heutigen Römerberger Ortsteil auch keine Straßen nach Nazi-Größen benannt worden. Von den Folgen der Kriege, die das Regime begann, wurde der Ort trotzdem nicht verschont: Nur fünf Jahre nach der Einweihung des Denkmals trafen Bomben das Dorf.

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