Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel So plant Bobenheim-Roxheim die Flüchtlingsunterbringung

Dieses Mal sollen weniger Geflüchtete in den Pfalzring 51a ziehen.
Dieses Mal sollen weniger Geflüchtete in den Pfalzring 51a ziehen.

Die Gemeindeverwaltung arbeitet an Lösungen, wie die zu erwartenden Geflüchteten in Bobenheim-Roxheim untergebracht werden können. Teil des Plans ist die Reaktivierung des ehemaligen Wohnheims im Pfalzring. Das wird aber deutlich weniger Menschen beherbergen als 2015.

Warum wird das ehemalige Asylbewerberheim jetzt erneut als Flüchtlingsunterkunft genutzt?
Mit Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise wurde das Gebäude ab Herbst 2015 schon einmal als Sammelunterkunft verwendet – bis Ende 2020. Mieter war damals der Rhein-Pfalz-Kreis. Nach dem Ende des Mietvertrags schaffte es die Gemeinde, die übrig gebliebenen Geflüchteten weitestgehend dezentral im gesamten Gemeindegebiet in Wohnungen unterzubringen. Dieses Konzept hat bis heute Bestand. Weil leerstehender Wohnraum jedoch zunehmend knapp wird und in den kommenden Monaten mit neuen Flüchtlingen gerechnet wird, reaktiviert die Gemeinde das Gebäude. Zuletzt standen die Räume ohnehin leer.

Wie lange soll die Unterkunft dieses Mal genutzt werden?
Die Verwaltung hat das Gebäude vom Eigentümer erneut für fünf Jahre gemietet. Wie lange die Räumlichkeiten letztlich genutzt werden, hängt vor allem davon ab, wie viele Geflüchtete in dieser Zeit der Gemeinde zugeteilt werden und ob sich diese später auf andere Unterbringungsmöglichkeiten verteilen lassen.

Wann sollen die ersten Geflüchteten einziehen?
Mit einem konkreten Einzugsdatum war die Gemeindeverwaltung bisher zurückhaltend. Genauer als „ab November“ war es in der Öffentlichkeit bisher nicht geworden. Beim Besuch der RHEINPFALZ Ende Oktober wird klar: Im November wird hier wohl niemand einziehen. Dafür sind die Sanierungsarbeiten augenscheinlich noch nicht weit genug fortgeschritten. Als neuen Termin nennt die Verwaltung den 1. Dezember. Aber auch der ist angesichts der noch zu erledigenden Arbeiten nicht garantiert.

Welche Arbeiten stehen noch aus?
Viele Bereiche sind zwar bereits neu gestrichen, dennoch müssen hier und da noch Heizkörper oder Rollläden repariert und Schäden an Fußböden gerichtet werden. Eine Grundreinigung steht auch noch aus. Die Flure erwecken derzeit noch stark den Eindruck einer Baustelle. Die Möbel für die Zimmer sind bestellt, aber noch nicht geliefert worden. Die Verwaltung gibt sich jedoch optimistisch, dass die Arbeiten im November abgeschlossen werden.

Feueralarme und Lärmbeschwerden: Die frühere Sammelunterkunft an dem Standort führte auch zu Aufregern. Wurde das berücksichtigt?
Die Verwaltung habe aus der Vergangenheit gelernt, heißt es beim RHEINPFALZ-Besuch. Wurden beim ersten Mal Menschen im Erdgeschoss und Obergeschoss untergebracht, steht dieses Mal lediglich der rund 1000 Quadratmeter große Bereich im Erdgeschoss zur Verfügung. Der Aufzugschacht ist dementsprechend zugemauert worden. Das leerstehende Obergeschoss soll als Lärmpuffer dienen, um die im Dachgeschoss lebenden Anwohner zu schonen. Feuer war während der ersten Nutzung zweimal im Keller ausgebrochen, er steht nun nicht mehr zur Verfügung. Die meisten der Feueralarme habe seinerzeit eine fehlerhafte Brandmeldeanlage in der ungenutzten Tiefgarage erzeugt, sagt die Verwaltung. Diese Fehlerquelle ist abgestellt worden.

Für wie viele Menschen ist dann noch Platz?
Die Verwaltung geht von bis zu 55 Personen aus, die auf 23 Zimmer aufgeteilt werden können. Die genaue Aufteilung werde sich daraus ergeben, wie hoch der Anteil an Familien ist und wie viele Einzelpersonen kommen.

Wie sind die Räumlichkeiten ansonsten ausgestattet?
Ein großer Vorteil der Pfalzringimmobilie ist, dass jedes Zimmer eine Nasszelle hat. Eine extra Küchennische wie bei der erstmaligen Nutzung soll es nicht mehr geben. Stattdessen setzt die Gemeinde auf eine zentrale Küche für alle. Platz für Deutsch- und Integrationskurse soll es ebenfalls wieder geben. Zudem soll ein Aufenthaltsraum nahe des Haupteingangs eingerichtet werden.

Werden die Geflüchteten betreut?
Ein Streitpunkt zwischen Kreisverwaltung und Gemeinde waren seinerzeit die Kosten für einen externen Sicherheitsdienst. Die Bobenheim-Roxheimer sind sich sicher, dass es ohne Security – zumindest in den Nachtstunden – auch dieses Mal nicht geht. Neben dem Sicherheitsdienst soll eine Person dauerhaft zuständig sein für die Verwaltung der Räume, etwa bei kleinen Hausmeistertätigkeiten, und als Ansprechpartner für die Geflüchteten eingesetzt werden. Wer diese Rolle künftig übernimmt, ist noch offen. Darüber hinaus werden Vertreter der Gemeindeverwaltung wie bisher mit den behördlichen Anmeldungen und Anträgen helfen.

Was passiert, wenn die Unterkunft voll ist?
Die Gemeinde rechnet bereits damit, dass der Pfalzring 51a recht schnell voll sein wird. Deswegen plant die Verwaltung bereits mit drei Containerdörfern im kommenden Jahr. Eines davon, das im Kleinerweg aufgestellt wird, soll voraussichtlich im Frühjahr in Betrieb gehen.

Wie sehen die Containerlösungen aus?
Genau wie im Pfalzring möchte die Gemeinde auch hier eine Person pro Containerdorf einsetzen, die sich um die Belange der Geflüchteten und die Räumlichkeiten kümmert. Idealerweise wären das ebenfalls Kräfte eines externen Anbieters. Auch hier soll jede Containersiedlung einen Sicherheitsdienst erhalten. Die Verwaltung will die Dörfer so sozialverträglich wie möglich gestalten: Zwei bis drei Container pro Standort mit jeweils eigenen Duschen und einer Küche sind angedacht. Jedes Dorf soll bis zu 45 Geflüchtete aufnehmen können.

Was wird das alles kosten?
Mit mindestens 400.000 Euro pro Containerdorf rechnet die Verwaltung derzeit. Im Gemeinderat hieß es zuletzt, die drei Containerdörfer würden sich im Haushalt für das Jahr 2024 mit bis zu 1,5 Millionen Euro niederschlagen. Die Unterkunft im Pfalzring könnte ähnliche Kostendimensionen wie die eines Containerdorfs erreichen. Nach Angaben der Verwaltung koste alleine die Miete inklusive Nebenkosten rund 12.000 Euro im Monat. Dazu würden auch hier noch Kosten für den geplanten Sicherheitsdienst – 2020 waren das rund 10.000 Euro im Monat – und für die regelmäßige Reinigung kommen sowie für die Erstausstattung der Einrichtung. Finale Zahlen gibt es hier jedoch noch nicht.

Immerhin: Die Sanierungskosten werden vom Eigentümer der Immobilie übernommen. Da die Gemeinde im September eine Vereinbarung mit dem Rhein-Pfalz-Kreis gekündigt hat, ist derzeit offen, ob das Geld für die Unterbringung der Geflüchteten den Bobenheim-Roxheimer Haushalt zusätzlich belasten wird oder ob der Kreis zahlt.

Noch dominiert in dem Gebäude die Baustellenatmosphäre.
Noch dominiert in dem Gebäude die Baustellenatmosphäre.
Ab Dezember sollen hier, bei der zentralen Küche, die ersten Menschen in Empfang genommen werden.
Ab Dezember sollen hier, bei der zentralen Küche, die ersten Menschen in Empfang genommen werden.
Gestrichen sind die Wände, aber noch sind einige Reparaturen zu machen.
Gestrichen sind die Wände, aber noch sind einige Reparaturen zu machen.
x