Rhein-Pfalz-Kreis So hilft man erschöpften Hummeln
Der Asphalt ist warm. Die Sommersonne hat den Boden aufgeheizt. Ganz unscheinbar macht eine Hummel ein Päuschen. Bei näherem Betrachten: keine Fluchtreaktion, kein Flügelschlagen, nur ein sanftes Beben des rundlichen Körpers. Der Hummelakku ist leer. An Weiterfliegen nicht zu denken. „Sie haben Hunger“, erklärt die Dudenhofener Diplom-Biologin Christiane Brell. „Früher blühte immer irgendwo etwas. Mit Pech kommt heute über Kilometer keine Pflanze.“
Eine Zuckerlösung kann der Hummel helfen, wieder fit zu werden. Dazu werden drei Teile Haushaltszucker mit zwei Teilen Wasser gemischt, bis sich die Kristalle aufgelöst haben. „Einfach einen Tropfen vor die Hummel, dass sie die Zuckerlösung mit dem Rüssel aufnehmen kann“, sagt Brell. „Mit etwas Glück fliegt sie dann wieder.“ Wichtig: keinen Honig verwenden. Denn der kann Viren oder Bakterien enthalten, der für die Hummel schädlich ist. Die Dudenhofenerin erlebt es auch in ihrem Garten, dass sich müde Hummeln am Boden niederlassen und es nicht mehr bis zu den Blüten schaffen, um sich zu stärken. Die Insekten sind von den Nahrungsflügen ausgelaugt, denn die können schon mal zwei bis drei Stunden dauern. „Jetzt findet man Hummelarbeiterinnen“, erklärt Brell. „Drohnen eher später.“
Wildstauden pflanzen
Wer keine Zuckerlösung zur Hand hat, kann versuchen, die Hummel auf eine nahegelegene Blüte zu setzen. Zwar bleibe da ein Restrisiko, dass der Blütenhals für den Rüssel zu lang oder kein Nektar mehr vorhanden ist, aber es sei immerhin einen Versuch wert. „Es ist besser, die Hummel auf die Blüte zu setzen, als sie auf der Straße sterben zu lassen“, sagt die Biologin.
Wer etwas für die Insekten tun möchte, kann sich bewusst für einheimische Wildstauden wie Beinwell, Taubnessel, Hornklee oder Blutweiderich für Garten oder Balkon entscheiden. Diese Arten mögen auch andere Wildbienen gerne. Brell empfiehlt zudem Spätblüher wie Asternarten, die Große Fetthenne oder Königskerzen. „Denn im Spätsommer haben Hummeln oft Probleme, auf den Flügen ausreichend Nahrung zu finden.“