Harthausen Singen für Senioren: Wenn Chorgesang zu Tränen rührt

An der Chor-Orgel: Andreas Senz begleitet die Sängerinnen und Sänger im Seniorenheim.
An der Chor-Orgel: Andreas Senz begleitet die Sängerinnen und Sänger im Seniorenheim.

Schon seit einiger Zeit gestaltet der Kirchenchor Harthausen Gottesdienste im örtlichen Seniorenzentrum mit. Weil das bei den alten Menschen so gut ankommt, startet der Chor eine Projektwoche, in der er auch andere Pflegeheime in der Pfarrei besucht. Weitere Mitstreiter sind willkommen. Initiator Andreas Senz hofft auf Nachahmer.

„Vor etwa zwei Jahren sprach mich meine Patentante, die im Seniorenzentrum Harthausen gepflegt wird, an, dass es zu den katholischen Messen im Haus keine musikalische Begleitung am E-Piano gibt und ich doch Kirchenmusiker sei. Ob ich denn nicht einmal kommen könnte“, erinnert sich Andreas Senz, der Leiter des Kirchenchors im Tabakdorf. Zunächst nur für eine Messe sagte Senz zu und gestaltete die kirchenmusikalische Begleitung sowie Sologesang. „Ich erlebte daraufhin eine große Dankbarkeit der Heimbewohner“, erklärt er, warum er seitdem die katholischen Messen im Seniorenzentrum Harthausen trotz aller zeitlichen und beruflichen Schwierigkeiten regelmäßig musikalisch gestaltet. Hin und wieder sang er dabei mit einer Sängerin aus Hanhofen im Duett. „Wenn man die dankbaren Gesten der Heimbewohner gesehen hat, die Tränen der Rührung, dann kann man nicht anders, als wiederzukommen“, findet er.

Als er die Sängerinnen und Sänger seines Chors fragte, ob sie denn nicht auch mal zur Gestaltung beitragen wollten, waren diese prompt dabei, erzählt Senz. Und sie kamen jedes Mal wieder. „Mittlerweile gesellen sich, so es zeitlich geht, auch Sängerinnen und Sänger aus dem weiteren Umfeld von Haßloch bis Speyer hinzu“, berichtet er. Oft gelinge es, vierstimmig zu singen. Mittlerweile gebe es sogar einen eigenen inoffiziellen Namen für die Gruppe: „Pflegeheimchor“. Bei der Liedauswahl böten sich unter anderem Chorsätze von Liedern aus Taizé an. „Trotz seiner Einfachheit kann ein Kanon sehr schön und ergreifend klingen“, erklärt der Chorleiter, der darauf achtet, dass es zusätzlich ausreichend bekannte Lieder gibt, die die Senioren gut mitsingen können und die zur jeweiligen Liturgie passen. „Es gibt ein besonders beliebtes Lied, das wir nun regelmäßig nach der Messe für alle vierstimmig singen. Wir nennen es mittlerweile unser ,Pflegeheimlied’“, sagt Senz. „Es ist der Chorsatz zum irischen Segenslied ,Möge die Straße uns zusammenführen’.“

Gemeinde ist eingeladen

Die Anzahl der Gottesdienstbesucher im Seniorenzentrum habe sich seit dem Wirken des Kirchenchors deutlich erhöht. „Eingeladen zu den Messen ist stets auch die Kirchengemeinde, die zunehmend an den Messen im Pflegeheim Harthausen teilnimmt“, berichtet Senz. „Zu einer von uns gestalteten Marienmesse im Mai standen sogar Menschen vor der Türe der Kapelle, weil es keine freien Sitzplätze mehr gab.“ Er beobachte, dass sich die Heimbewohner auch besonders über die zunehmende Anzahl an Gottesdienstbesuchern aus den Dörfern freuen. „Ich sah auch, dass Familien mit Kindern ihre Lieben im Heim bewusst am Tag und zur Zeit des Gottesdienstes besuchen und sie zur Messe begleiten“, sagt der Harthausener.

Den positiven Effekt, den Musik auch auf Demenzkranke haben kann, hat Senz schon öfter beobachtet. „Ganz gewiss erreichen wir mit der Musik die Menschen auf einer anderen, möglicherweise tieferen Ebene“, sagt er. Diesen Effekt will der Chor in der kommenden Woche nicht nur in Harthausen, sondern auch in anderen Orten der Pfarrei Hl. Hildegard erreichen: „Ich hörte bei einem Gespräch über das erfolgreiche musikalische Wirken im Pflegeheim Harthausen, dass in den beiden weiteren Pflegeheimen der Pfarrei, in Dudenhofen und Berghausen, es entweder keine musikalische Gestaltung gibt oder kaum Gottesdienstbesucher aus den Dörfern kommen“, berichtet Senz. Das will er ändern. Neben seinem Beruf und der Tätigkeit als Chorleiter in Harthausen und Organist in Hanhofen schaffe er es nicht, regelmäßig noch in den anderen Pflegeheimen zu wirken. „Doch ich möchte ein Zeichen setzen und im Zuge dieser Projektwoche vielleicht Nachahmer finden, die die Idee aufnehmen und fortführen“, sagt Senz. Er kann sich auch vorstellen, halbjährlich eine Projektwoche „Singen in den Pflegeheimen unserer Pfarrei“ zu leiten. An der Projektwoche teilnehmen könne „jeder, der gern singt und anderen eine Freude macht“. Das Motto, dem Senz treu bleiben möchte: lieber einfachere Lieder singen, dafür jedoch entspannt und mit großer Freude.

Termin

Chorprobe für die Projektwoche am Montag, 24. Juni, im Pfarrheim Harthausen, Speyerer Straße 12. Heilige Messfeiern mit dem Projektchor sind dann jeweils um 16 Uhr am Mittwoch, 26. Juni, in der Seniorenresidenz Dudenhofen, am Donnerstag, 27. Juni, in der Seniorenresidenz Harthausen und am Freitag, 28. Juni, im Seniorenzentrum Berghausen. Der Chor trifft sich um 15 Uhr zum Einsingen im jeweiligen Seniorenheim. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, zur besseren Planung aber erbeten. Kontakt: Andreas Senz, Telefon 0173 7709908 (auch per Whatsapp), E-Mail andreas.senz@kirchenchor-harthausen.de.

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