Rhein-Pfalz Kreis Sinatra zum Countdown
„Fly Me to the Moon.“ Willi Brausch, als Dubbeglas-Bruder spontan ernannter Pate der Aktion „Space-Dubbe“, startet den Sinatra-Klassiker am Laptop noch mal neu. Hier auf einem Biertisch im Hof der Firma Butsch in Heßheim ist an diesem Sonntagmittag die Schaltzentrale des ersten regionalen Raumfahrtunternehmens, der Pfälzer Antwort auf Esa und Nasa. Man fiebert gespannt dem Start entgegen. Die Stimmung ist beschwingt, doch alle sind konzentriert bei der Sache. Robert Kwiatek richtet die beiden Kameras in der Styroporbox neu aus, überprüft das GPS-Gerät und den Warnhinweis „Achtung, Wetterexperiment“ – die amtliche Version von „Finger weg vom Inhalt“, falls ein Fremder die Kiste findet. Dann Deckel drauf und das Ganze mit silbernem Gewebeband sauber verkleben. Auf dem Parkplatz gegenüber halten zwei Mitstreiter einen Wetterballon an der Leine. Seine ockerfarbene Gummihaut ist gebläht vom Helium. Die mannshohe Flasche, aus der das Edelgas strömt, ist mit Klebeband an einem Geländer fixiert. Noch verbindet eine Nabelschnur den Ballon mit der Gaszuleitung. An einer weiteren Schnur in halber Höhe hängt der Fallschirm. Das untere Schnurende führt zur Sonde. Zwei Styroporsegel stabilisieren die beiden Auslegerarme, auf die ein Plastikauto des Sponsors, der Butsch GmbH, und ein Dubbeglas montiert sind. Das Kultgefäß für einen Pfälzer Schoppen ist aus Kunststoff und wird gleich seine Ballonfahrt gen Universum antreten. In der Stratosphäre in 35 Kilometern Höhe, wo der Weltraum beginnt, platzt der Ballon, der Fallschirm öffnet sich und Sonde und Glas segeln friedlich zur Erde zurück. So weit die Theorie von Dirk Fellhauer, Thomas Butsch und Robert Kwiatek (wir berichteten am Freitag). „Wir sind wie große Kinder“, sagen die drei Pioniere, denen die „Schnapsidee“ beim Rieslingschorle im Umfeld des 1. Frankenthaler Männerchors kam. Zu Spaß und Pfalzpatriotismus gesellt sich die Wohltätigkeit: Das Space-Dubbeglas soll für einen sozialen Zweck versteigert werden, eventuell auf dem Dürkheimer Wurstmarkt. Das Zeitfenster für den Start ist knapp, alles hängt vom Wetter ab. Kurz vor 13 Uhr verheißen blauer Himmel und Schäfchenwolken beste Startbedingungen. Ungeduldig umschwirrt eine Drohne das Szenario. Sie wird die Startphase filmen. „10, 9, 8, 7, 6…“: Von Swingmusik untermalt läuft der Countdown. Im Bauch kribbelt’s, der Atem stockt, die Blicke gehen gen Himmel. Die Leinen gekappt, lassen Ballon und Sonde alles Irdische hinter sich. Aufatmen. Die Bauchspannung weicht einem Gefühl von Erhabenheit, Ewigkeit … Glück! Es ist nur ein kleines Glas im All, aber ein Jahrtausendereignis für die Pfalz und die Pfälzer – ach was, für die ganze Welt! Kurz nach dem Start, fingern die „großen Kinder“ nervös an ihren Smartphones, rufen erste Daten eines Wetter- und Flugsimulationsprogramms ab. „Der geht wohl runner bei Würzburg odder Bad Mergentheim“, glaubt Dirk Fellhauer. Das Helium reicht für zwei Stunden. Wie weit der Ballon kommt, hängt ab von Windrichtung und atmosphärischem Druck. Im Auto nimmt die Gruppe die terrestrische Verfolgung ihres unbemannten Flugobjekts auf. Unter 15 Kilometer Höhe beginnt der GPS-Tracker aus der Sonde permanent Positionsdaten zu funken. 218 Autobahn- und 100 Luftlinienkilometer später verfängt sich die Sonde in einem Waldstück nahe des mittelfränkischen Orts Uffenheim in einem Baum. Die dortige Feuerwehr ist schnell vor Ort, um das Objekt mittels einer Drehleiter zu bergen. „Die waren superfreundlich“, berichtet Thomas Butsch. Er und seine Mitstreiter sind froh, dass zusammen mit dem Trinkbecher auch die Technik, vor allem die beiden Kameras, wohlbehalten zur Erde zurückgekehrt ist. „Wir wollen eine Videodokumentation samt Soundtrack, machen, die später auf Youtube zu sehen sein soll“, sagt Dirk Fellhauer. Denn schließlich muss jetzt die Geschichte der Raumfahrt neu geschrieben werden. Und die des Pfälzer Dubbeglases. Noch Fragen? Wer sich für das Projekt Space-Dubbe interessiert, kann die Macher ab sofort unter spacedubbe@gmail.com per E-Mail erreichen.