Bobenheim-Roxheim
Silbersee: Wegsperrung macht Vogelzählung unmöglich
Seit Anfang 2020 ist der Weg, der von der Silbersee-Liegewiese in nordöstlicher Richtung bis zum Zaun der Firma Willersinn führt, wegen der vielen schadhaften Bäume gesperrt. Die Gefahr für Spaziergänger sei zu groß, argumentiert die Gemeindeverwaltung und will den Weg wegen der zahlreichen Fällungen, die notwendig wären, dauerhaft schließen.
Das missfällt besonders der CDU-Fraktion, auch wenn Parteifreund Frank Peter als zuständiger Beigeordneter die Sperrung bislang immer verteidigt hat. In der Fraktion dagegen war man der Ansicht, der Weg müsse Einwohnern und Touristen wieder zugänglich gemacht werden, am besten in Verbindung mit anderen, teils zugewachsenen Wegen am Hinteren Roxheimer Altrhein.
Dieses Gebiet wiederum ist geschützt und soll eventuell ökologisch noch stärker aufgewertet werden. Dieser Idee mit dem Titel „Stromtalwiesen“ wäre ein Rundweg für die breite Masse abträglich. CDU-Ratsmitglied Klaus Graber, privat und beruflich Naturschützer, hatte deshalb vor einem Jahr gewünscht, dass der Bereich südlich dieses Altrheingewässers in Ruhe gelassen wird.
Vogelzähler beschweren sich
Das wünscht er sich immer noch, aber der Weg nördlich davon, also der gemeindeeigene Pfad ab der Liegewiese, sollte wieder begehbar gemacht werden, meint er und greift damit Proteste von Vogelbeobachtern auf. Die beschwerten sich nämlich zunehmend und massiv über die Behinderung ihrer Arbeit für den Naturschutz und die Forschung, sagt Graber.
Graber spricht von einer „supranationalen Langzeitstudie“ der Zentrale für Wasservogelforschung und Feuchtgebietsschutz in Deutschland (ZWFD). Diese gehöre dem Dachverband Deutsche Avifaunisten an, der die Vogelzählungen bundesweit koordiniere. Seit der Schließung des Pfads und der dort lauernden Astbruchgefahr kämen die Vogelkundler nicht mehr an die angestammten Beobachtungsstandorte heran, so Graber auf Anfrage. Bleibe das so, gingen der Forschung „unschätzbare Erkenntnisse verloren, und das an ihrem landesweit bedeutendsten Gewässer“.
Graber meint, dann handele die Gemeinde wider ihre Verpflichtung, am Naturschutz mitzuwirken. Bei den monatlichen Besuchen komme es darauf an, dass von denselben Punkten aus gezählt werde. Man könne sich also nicht einfach andere Zählstellen in der Gegend suchen. Dass sie nicht auf Gemeindeflächen könnten, fänden die Forscher umso ärgerlicher, als ihnen die Firma Willersinn auf ihrem angrenzenden Geländen ohne Probleme den Zugang gewähre.
Über 70 Fällungen notwendig
Der Christdemokrat hat die Bitte der Vogelkundler in einen Antrag gepackt, dem sich die Freien Wähler, aber nicht der Koalitionspartner Bündnis 90/Die Grünen angeschlossen haben. Nach Ansicht Grabers muss der Gemeinderat bald darüber beraten, sonst reiche die Zeit zum Fällen der morschen Pappeln nicht aus. Ab 1. März sind solche Arbeiten verboten. Durch seine Arbeit beim Rhein-Pfalz-Kreis kennt sich Graber mit diesem Thema aus. Er bestätigt, dass viele Bäume an dem Weg sehr krank sind und ein hohes Sicherheitsrisiko darstellen. Und er weiß, wie aufwendig es sein wird, jeden Baum zu untersuchen. „Denn wenn es sich um einen Biotopbaum handelt, der weg soll, müssen Kompensationsmaßnahmen ergriffen werden“, so Graber. Im Januar hatte der damalige Betriebshofleiter berichtet, dass 73 Bäume gefällt und 33 gestutzt oder von Totholz befreit werden müssten, wenn der Verkehrssicherungspflicht Genüge getan werden soll.